Literatur - Lyrik - Prosa

Monat: April 2021

> Melnitz < von Charles Lewinsky

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Eine jüdische Familiensaga vor dem Hintergrund der Schweizer Geschichte in den Jahren 1871 bis 1945.

Die Familiengeschichte beginnt mit dem stolzen Viehhändler Salomon Meijer in Endingen. Der dort ehrliche Geschäfte betreibt, wie gern behauptet. Hinzu kommt der Verwandte Janki, der bei der Familie von Salomon Meijer, Unterkunft und Frau findet. Janki will hoch hinaus, er ist ein Mann mit großem Geschäftssinn und eröffnet einen Laden für feines Tuch und edle Stoffe. Die Rechnung geht zuerst etwas schwerfällig auf. Doch die Nachfahren von Salomon Meijer werden zum Beispiel der erste Warenhausbesitzer Zürichs, ein Arzt, ein Landwirt oder gar ein Zionist. Der Chronist ist, der längst verstorbene doch immer wieder mahnend auftauchende Onkel Melnitz. Er begleitet die Familie über fünf Generationen lang und beobachtet wie seine Verwandten um Erfolg und Akzeptanz ringen. Bis hin zu der Zeit als die Welt so sehr aus den Fugen gerät und den Juden immens verstärkt nach dem Leben getrachtet wird.

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> Über Menschen < von Juli Zeh

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Juli Zeh´s neuer Roman > Über Menschen < polarisiert. Während die Meinungen von großartig zu klischeebedient gehen und zurück, wollte ich mir meine persönliche Meinung darüber bilden.

Dora hat Robert verlassen und ist alleine aufs brandenburgische Land gezogen. Robert der Klimaaktivist mutierte, als das Virus die Welt unter Beschlag nahm, kurzerhand zu einem Epidemiologen. Das war dann für Dora zu viel des guten. Nun lebt sie in einem ältlichen Haus und versucht sich in Gartenarbeit. Doch so ruhig wird es für Dora noch nicht werden, wie sie es vielleicht wünscht. Ihr nächster Nachbar ist Grote, der sich selbst als Dorfnazi vorstellt. In diesem Dorf gerät Doras Weltbild in eine wankelmütige Schieflage.

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> Herr Klee und Herr Feld < von Michel Bergmann

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Dieser Roman hat mich bestens unterhalten und köstlich amüsiert!

Die Geschichte dreht sich um zwei in die Jahre gekommene Brüder, Moritz (77) und Alfred Kleefeld (75). Alfred ist zu seinem verwitweten Bruder in dessen Villa eingezogen, er ist Schauspieler, doch die Anfragen sind spürbar ausgedünnt. Moritz hingegen ist Akademiker, Professor für Psychologie. Nun, diese beiden jüdischen Brüder werden bestens von der langjährigen Haushälterin versorgt. Doch als diese überraschend kündigt, ist die Not groß. Per Annonce hoffen sie auf eine neue Perle. Die wird ihnen auch beschieden in Form von der jungen, hübschen Zamira. Klingt erstmal perfekt, doch Zamira ist Palästinenserin.

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#showthreequotes – aus > Die Entdeckung des Himmels < von Harry Mulisch

Wir lesen Bücher, wir beurteilen sie und legen sie ab. Das war es, schöne oder wenige schöne Gedanken an das gelesene Buch bleiben zurück. Doch was geschieht mit den vielen schönen Zitaten, der geschmeidigen Wortakrobatik, der kunstvoll geformten Buchstabengeflechte? Sie bleiben dann verschlossen und bald schon vergessen. Diesem eher bedrüblichen Umstand möchte ich mit #showthreequotes entgegentreten. Seid gespannt oder noch besser, macht mit!

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>Max sah ihn kurz an. Sie hatten einander gefunden – das war der Moment. Wußten sie es, wußten sie es beide? Mit diesen wenigen Worten war eine Brücke geschlagen worden. Max wußte sich von Onno durchschaut wie von nie jemandem zuvor, und Onno fühlte sich von Max verstanden, weil seine aggressive Ironie nicht wie immer auf Widerstand gestoßen war, sondern aufgefangen wurde von einem Lachen, das etwas Unverletzliches hatte. Sie hatten einander erkannt. < – Seite 35

>Wer von einer Reise zurückkehrt, trägt die zurückgelegten Strecken noch mit sich wie ausgebreitete Flügel – bis er den Schlüssel in das Schloß der Wohnungstür steckt. In dem Augenblick, in dem er die Tür hinter sich schließt, kann er sich nicht mehr vorstellen weg gewesen zu sein. Alles ist so, wie es war: der Flur, die Treppe, das Geländer.< – Seite 154

>Ada wußte nicht, daß sich Onno im Dunkeln genauso schämte wie sie selbst, und Onno wußte es nicht von Ada. Vielleicht, dachte er, gedieh die wirkliche, die wahre, die reine Liebe, wie alle Blumen am besten mit den Wurzeln in Dung und Schlamm. Vielleicht war das ein Gesetz des Lebens, das alles zusammenhielt: der Tag war nur Tag dank der Nacht. Aber wenn der Tag erst durch die Nacht zum Tag wurde, verbarg sich dann nicht die Nacht im Herzen des Tages? War dann der Tag eigentlich noch der wahre, reine Tag?< – Seite 261

  • Die Entdeckung des Himmels
  • Harry Mulisch
  • Roman
  • Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • ISBN: 9783499134760
  • 867 Seiten

> Wer wir wären < von Norbert Kröll

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Was bedeutet Freundschaft? Wie weit geht sie? Hört sie bei Extremsituationen auf? Um diese Fragen geht es in diesem Buch……

Der junge Student für Konservierung und Restaurierung, Albert, lernt den skurrilen Bildhauer Klaus kennen. Die beiden verbindet fortan eine tiefe Freundschaft. Doch dann verändert sich Klaus. In immer heftigeren Schüben fühlt er sich von unheilvollen Menschen verfolgt und bedroht. Klaus bittet seinen Freund Albert um Hilfe, doch dieser scheint gänzlich mit der Situation überfordert. Albert erkennt die Anzeichen der Schizophrenie nicht, er wendet sich von seinem Freund Klaus ab. Klaus schreibt an Albert verzweifelt Briefe, doch sie kommen zurück an den Absender. Für Albert war Klaus sein allerbester Freund, doch nach den heftigen, wiederkehrenden Attacken, ist diese Freundschaft für Albert wie ausgelöscht, weg, verschollen, so als hätte es sie nie gegeben. Das nähere Umfeld von Albert, seine Frau, seine Schwester und auch seine Eltern reagieren verständnislos auf die Reaktion von Albert. Doch Albert braucht seine Zeit um zu reflektieren und um sich über einige Dinge und im Besonderen um die Thematik Freundschaft klar zu werden und weiß, dass er eine Entscheidung treffen sollte.

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#showthreequotes – aus >Verlangen < von Bregje Hofstede

Wir lesen Bücher, wir beurteilen sie und legen sie ab. Das war es, schöne oder wenige schöne Gedanken an das gelesene Buch bleiben zurück. Doch was geschieht mit den vielen schönen Zitaten, der geschmeidigen Wortakrobatik, der kunstvoll geformten Buchstabengeflechte? Sie bleiben dann verschlossen und bald schon vergessen. Diesem eher bedrüblichen Umstand möchte ich mit #showthreequotes entgegentreten. Seid gespannt oder noch besser, macht mit!

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>Ganz vorn hatte ich dir eine Widmung hineingeschrieben. Wie oft hast du mich gefragt: Wo bist du mit deinen Gedanken? Die Antwort hälst du jetzt in den Händen, und wenn du mich suchst: Ich bin um deinen Finger gewickelt.-Seite 35

> Du und ich haben fast täglich dieselben Worte wiederholt, wie ein Gebet oder eine Beschwörung ( Ich lieb dich, Du bist schön ), sodass unsere Sprache sich asymetrisch abnutzte: Wie eine Skulptur, die dort anfängt zu glänzen, wo sie besonders oft berührt wird ( am Kopf, an den Händen, an den Zehen ), ansonsten aber mit einer dunklen Patina überzogen ist.<-Seite 143

> Ab und an ächzt meine Dachkammer. Das Waschbecken gurgelt und rülpst Reste von der Tütensuppe hervor, mit der ich es gestern gefüttert habe. Als Reaktion darauf knurrt mein Magen, als wäre ich mit diesem traurigen Ort verschmolzen. Der Deserteur in dem verlassenen Haus. Was mache ich hier eigentlich? Ich vermisse dich.<-Seite 191

https://tausendléxi.de/verlangen-von-bregje-hofstede

> Gesang der Fledermäuse < von Olga Tokarczuk

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Bigfoot ist tot. Er ist allem Anschein nach an einem Rehknochen erstickt. Wurde ihm seine Wilderei zum Verhängnis? Sein Nachbar Matoga findet ihn und holt sich die gemeinsame Nachbarin Janina zur Hilfe. Und mit dem Tod von Bigfoot beginnt eine Serie von mysteriösen Todesfällen an einem Ort, an der polnisch-tschechischen Grenze. Janina Duszejko gilt als verschrobene Zeitgenossin. Sie legt großen Wert auf Respekt für alle Lebewesen gleichermaßen und eckt mit ihren Ansichten immer wieder an. Doch sie ist vor allem eine Frau der Tat und ermittelt in den Todesfällen auf eigene Faust.

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> Eine Formalie in Kiew < von Dmitrij Kapitelman

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Der Ich-Erzähler Dima scheint desillusioniert. Mit seinen Eltern kam er vor rund fünfundzwanzig Jahren von der Ukraine nach Deutschland. Die Hoffnung gemeinsam das Glück zu finden, gelingt nicht. Die Mutter ist gänzlich in ihren Katzenwahn verfallen, Dima erzählt von sibirischen Katzen die gerne überall markieren. Der Vater, in sich versunken und in seiner Passivität gefangen. Der junge Dima will endlich dazu gehören, er will kein Migrant sein, sondern endlich ein deutscher Mitbürger. Doch hat er wohl die deutsche Bürokratie unterschätzt, denn die will nochmals die Geburtsurkunde von Dima. Den deutschen Bestimmungen dürstet es nach einer Formalie, aus Kiew mit Beglaubigung. Und so macht sich Dima auf in sein Herkunftsland und taucht ein in die ukrainische Korruption.

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> Die Farben des Feuers < von Pierre Lemaitre

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Ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Zeile, bestens unterhalten hat.

1927, der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt soll zu Grabe getragen werden. Ein großes Staatsbegräbnis wurde anberaumt. Alles was Rang und Namen hat, ist zu Ehren des mächtigen Bankiers erschienen. Madeleine, seine Tochter, steht unvermittelt an der Spitze des Imperiums. Madeleine ist geschieden, ihr Ex-Mann verbüßt noch eine Haftstrafe, und Mutter des siebenjährigen Paul. Paul verunfallt am Tag des Begräbnisses seines geliebten Großvaters schwer.

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> Mädchen, Frau ETC. < von Bernardine Evaristo

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Die Booker Prize 2019 Gewinnerin Bernardine Evaristo hat zwölf schwarzen Frauen ihre Stimme gegeben. Sie spiegelt die großen, täglichen Herausforderungen dieser Frauen mit großer Leidenschaft wider.

Das erste Porträt zeigt Amma, eine schwarze, lesbische Dramaturgin. Sie hat sich ihren Platz in der Gesellschaft hart erkämpft. Nun ist sie in der Theaterszene von London, an einem wichtigen Ziel angekommen. Sie feiert mit ihrem Stück am National Theatre die Premiere. Amma gibt sich stark und feministisch. Ihre Tochter Jazz, ihr ein und alles, soll es besser haben als sie.

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