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Literatur & Zeitgeschehen

Kategorie: Literatur (Seite 1 von 16)

Gedichte von Gottlob Haag 2.0 > Seelenrein <

Seelenrein

Auch Sie

brauchen unser

neuestes Präparat,

brauchen > Seelenrein <.

 

Nehmen Sie davon

täglich drei Tabletten

und schon bald

werden Sie merken,

dass es Ihnen besser geht.

 

> Seelenrein <

hilft Ihnen Zeit zu sparen.

Es ersetzt Ihnen

das tägliche Morgen –

und Abendgebet

und den allsonntäglichen

Gottesdienstbesuch.

 

Sie brauchen > Seelenrein <,

müssen es haben,

damit sich

Ihre Seele reinigt.

Denn nur eine reine Seele

hält auch den Körper gesund.

 

Tun Sie sich

und ihrer Seele etwas Gutes:

Kaufen und nehmen Sie

> Seelenrein <!

Es wird Ihnen

garantiert helfen.

 

Sollten sich allerdings

im Laufe von sechs Wochen

an Ihrem Zustand,

bei vorschriftsmäßiger Anwendung

von > Seelenrein <,

keine Veränderungen

und keine Besserungen ergeben,

liegt das nicht

an unserem Präparat,

sondern einzig und allein

an Ihnen selbst,

weil Sie nicht in der Lage

und zu schwach sind,

fest an eine wichtige Sache

zu glauben.

 

Seite 17 aus dem Buch > Abschied nehmen ist wie leises Sterben < von Gottlob Haag . 1986 im Verlag Wilfried Eppe erschienen.

36. Baden – Württembergische Literaturtage 2019 in Öhringen > Über Grenzen <

Unbezahlte Werbung

Öhringen liest ein Buch. Das Buch von Pia Ziefle, mit dem Titel < Länger als sonst ist nicht für immer <. An drei Montag – Abenden trafen sich LeserInnen in der Hohenlohe’sche Buchhandlung Rau. Der erste Abend füllte sich mit erwartungsvollen und vertiefenden Gesprächen über das Buch. Der zweite Abend glitt in die Tiefe, denn eine Familientherapeutin durchleuchtete mit verschiedenen Genogrammen die ProtagonistenInnen. Die dritte Abendveranstaltung wurde durch die Autorin Pia Ziefle selbst gekrönt. Sie erzählte auf recht charmante Weise über die Entstehung ihres letzten Buches, über die Hintergründe der Verlagswelt und nahm sich den bewegten Fragen ihres Publikums sehr aufmerksam an. In ausgeglichener und bereichernder Atmosphäre ging auch dieser Abend zu Ende, den Pia Ziefle noch durch diverse Buchwidmungen vollendete. Die Hohenlohe’sche Buchhandlung Rau verabschiedete das Publikum mit kleinen Tütchen, gefüllt mit Buchstabennudeln mit der Empfehlung > Wenn dir mal die Worte fehlen<.

https://tausendléxi.de/laenger-als-sonst-ist-nicht-fuer-immer-von-pia-ziefle

https://rau-buch.buchkatalog.de/

> Wiener Küche < von Thomas Stiegler

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Die Wiener Küche ist weit mehr als nur eine Ansammlung von Rezepten. Vielmehr ist sie ein Sinnbild für die Fähigkeit des Wieners, sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. An gutem Essen, einem guten Wein und dem sonntäglichen Ausflug mit seiner Liebsten. ( So steht es auf dem Buchrücken geschrieben)

Thomas Stiegler hat Rezepte und dazu gehörige Anekdoten zusammen getragen, die er hier seiner Großmutter widmet. Diese Kulturgeschichten stammen aus der Zeit der Habsburgermonarchie.

Hier findet man die klassischen Rezepte für z.B Butternockerln, Tafelspitz, gefüllte Paprika, Wiener Schnitzel, Kaiserschmarrn, Sachertorte, diverse Kaffeespezialitäten und den Frittaten.

>Denk dir einen Menschen mit fröhlichem, gesunden Gesicht; äußerst schlicht angezogen, einen abgeschabten Filz auf dem Kopfe, sorglosen Herzens, voll Mutterwitz und eine Peitsche in der Hand – da hast du einen Wiener Fiaker. < Mit diesen Worten beschrieb der Berliner Journalist Adolf Glaßbrenner 1836 eine wiener Institution, die zu jener Zeit schon mehr als hundert Jahre auf dem Buckel hatte und die heute noch zu Wien gehört wie sonst nur das Riesenrad oder die Sachertorte. ( Seite 124 )

Fazit: Thomas Stiegler hat hier eine Liebeserklärung zu Papier gebracht. Die Liebe zu seiner Großmutter, der Stadt Wien und der einzigartigen Küche nebst der kulturellen Geschichte vermittelt er auf recht anschauliche Weise. Die berühmtesten Wiener Speisen und Getränke sind mit den Entstehungsgeschichten und kleinen Anekdoten geschmückt. Die Rezepte zum ausprobieren, verlocken. Der einzige Kritikpunkt ist sehr offensichtlich. Die Fotografien zu den Gerichten, Süßspeisen und Getränke sind zu klein und in schwarz – weiß gehalten. Das Auge ist mit! Ansonsten sind diese Kulturgeschichten der Wiener Küche sicher für viele Interessierte der klassischen Küche und ihrer Entstehung , zum Lesen und nachkochen zu empfehlen. Ein perfektes Geschenk!

Hauptverband des Österreichischen Buchhandels / ISBN: 978-3950480009 / 144 Seiten

Thomas Stiegler, https://www.der-leiermann.com/

Gedichte von Gottlob Haag 1.0 > Eines Tages vielleicht <

Öhringen – eigene Aufnahme – unbezahlte Werbung

Bei einem Besuch in Rothenburg o.d. Tauber fand ich ein bezauberndes Antiquariat – Die Büchertruhe am Plönlein http://www.buch-kett.de/index.html

Dort fiel mir ein Gedichtband von Gottlob Haag ( 1926 – 2008) in die Hände. > Abschied nehmen ist wie leises Sterben < Gottlob Haag war ein deutscher Dichter. Er war ein renommierter Vertreter der hohenlohischen Mundart-Literatur. Die Welt, die er in seinen Gedichten beschrieb, ist die Kleinstadt, das Dorf, die Hohenloher Heimat, die alles umgebende Natur und das Leben in ihr, auf dem Lande.( Quelle Wikipedia) Nach dem durchblättern dieses Bandes war ich sehr angetan und möchte, immer Mittwochs ein Gedicht von Gottlob Haag zu veröffentlichen. Hier das erste der Reihe:

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

wirst du von den Schatten

der Bäume sprechen,

die einmal

längs des Weges standen,

der deinen Schritt trug.

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

wirst du deinen Enkeln

von den Blumen erzählen,

die einst

auf dem Feld blühten

wo heute die Stadt steht.

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

daß es einmal Vögel gab,

die des Abends und des Nachts

dort in des Hecken gesungen haben,

wo heute

die Autobahn

die Felder zerschneidet.

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

daß unter den Steinen

in den Wassern des Baches,

einmal Krebse und Fische

gelebt haben,

die an den Chemikalien

in den Abwässern,

langsam zugrunde gegangen sind.

Eines Tages vielleicht

wird sich mancher erinnern,

daß es einmal Sitte war

sich für eine Gabe zu bedanken,

die zu fordern ihm heute

zur Selbstverständlichkeit

geworden ist.

Eines Tages vielleicht,

wenn der Profit

endlich einmal fett

und übersättigt ist,

werden wir nicht mehr sterben,

sondern langsam krepieren,

wie die Maden im vergifteten Speck,

ohne zu wissen,

wofür wir eigentlich gelebt haben.

Eines Tages vielleicht…..

Vielleicht schon bald.

Aus Abschied nehmen ist wie leises Sterben – von Gottlob Haag – Verlag Wilfried Eppe – 1986 – ISBN 3890892051

>Nicht mit mir < von Per Petterson

Unbezahlte Werbung

Zwei Freunde treffen sich eher zufällig nach dreißig Jahren wieder. Jim und Tommy waren in ihrer Jungend dicke Freunde. Jim lebte mit seiner religösen Mutter alleine . Tommy dagegen, mit seiner Schwester Siri und den jüngeren Zwillingsmädchen, mit ihren Eltern. Einem sehr gewalttätigen Vater und der Mutter Tya, die eines Nachts einfach verschwand.

> Scheiße. Haben sie dich gefeuert.< Das hätte ich besser nicht gesagt, ein Hammer fiel und traf auf einen Riegel, der Riegel verkantete und bewegte sich nicht mehr vor und nicht zurück, und es war zu spät, um umzukehren. Langsam stand er auf. Ich blieb stehen. Ich atmete schnell mit offenen Mund, ein und aus, ich war zwei Jahre lang gerannt, seit meine Mutter verschwunden war. Jetzt blieb ich stehen. ( Seite 34 )

Zwischen Tommy und seinem Vater kommt es zu einem unerbittlichen und folgenschweren Kampf. Daraufhin verschwindet der Vater ebenfalls. Tommy ist mit seinen Geschwistern allein. Mit seiner jüngeren Schwester Siri, versucht er ein normales Familienleben zu gestalten. Doch die Behörden schalten sich ein und die Kinder werden in Pflegefamilien verteilt. Siri kommt in ein Pfarrhaus, die Zwillinge zu einem kinderlosen Ehepaar im Ort. Noch bevor Tommy einer Familie zugeteilt wird, schaltet sich der alleinstehende Nachbar Jonsen ein. Er nimmt den Jungen zu sich und die zwei kommen recht gut miteinander aus. Tommy Elternhaus steht einsam und verlassen, die Türen und Fenster mit Brettern vernagelt.

Drinnen war alles unverändert. Es war vier Jahre her, aber es fühlte sich länger an. Sie waren nicht mehr dieselben. Tommy nicht. Es war allerhand passiert. Die Zeit war passiert. Er war damals dreizehn gewesen, jetzt war er siebzehn, fast achtzehn. Es waren die längsten Jahre der Welt. ( Seite 87 )

Tommy ist ein wohlhabender, aber unglücklicher Investment – Banker. Jim ist Bibliothekar, angelt lieber statt zur Arbeit zu gehen. Dieses plötzliche Wiedersehen wirbelt beider Leben durcheinander.

Aber das hier war meine Chance, davon war ich überzeugt. Wenn du sie verpasst, dachte ich, bist du erledigt. Dann würde alles so bleiben wie es war. Das ging nicht. Sonst war ich erledigt. ( Seite 240 )

Fazit: Per Petterson glückt es außerordentlich, eher ganz gewöhnliche Lebensgeschichten, faszinierend zu erzählen. Er ist ein sehr präziser Beobachter und blickt hinter die Fasaden, der vermeintlichen heilen Welt. Emotionen und Geschehnisse werden punktuell platziert und treffen auffallend den Lesernerv. Verschiedene Ereignisse werden von den Protagonisten unterschiedlich wahrgenommen. Und genau dies, scheint der springende Punkt zu sein, der uns von Per Petterson aufgezeigt wir. Jeder Mensch begibt sich in seine eigenen Wahrnehmungen. Diese klaffen bei gemeinsamen Erlebnisse oftmals empfindlich auseinander. Was richtig und was falsch ist, steht wohl niemanden wirklich zu, zu beurteilen. Es ist immer der besondere Moment, der die Wertigkeit in ein sensibles Licht aufkeimen lässt.

5 von 5

Fischer Taschenbuch / ISBN: 9783596034130 / 285 Seiten

Per Petterson, 1952 in Oslo geboren, ist ausgebildeter Bibliothekar und arbeitete als Buchhändler und Übersetzer, bevor er sich als Schriftsteller etablierte. Im Fischer Taschenbuch sind von ihm ›Sehnsucht nach Sibirien‹, ›Pferde stehlen‹, ›Im Kielwasser‹ und ›Ich verfluche den Fluss der Zeit‹ erschienen. Per Petterson wurde für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet u. a. mit dem renommierten IMPAC Literaturpreis. ( Quelle Fischerverlage )

Leben Schreiben Atmen – eine Einladung zum schreiben von Doris Dörrie

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Auf dem Buchrücken steht geschrieben: Schreiben heißt für Doris Dörrie, das eigene Leben bewusst wahrnehmen. Wirklich zu sehen, was vor unseren Augen liegt. Oder wiederzufinden, was wir verloren oder vergessen haben. Es ist ein Trost, Selbstvergewisserung, Anklage, Feier des Lebens.

Schreiben heißt die Welt einatmen.

Doris Dörrie ist mit diesem Buch etwas ganz zauberhaftes gelungen. In kleinen Geschichten, gibt sie zum einen Möglicheiten des schreibens vor und animiert am Ende immer wieder zum jeweiligen Thema, den Stift in die Hand zu nehmen und einfach drauf loszuschreiben. Doris Dörrie selbst gibt sich hier als sehr genaue Beobachterin, die leicht und ohne Schnörkel durch die Seiten führt. Sie schafft behänd Anreize die in der Tat gerne bedient werden, mit dem Resultat der großen Freude.

Der alte Trick: In der dritten Person schreiben, wenn es zu kompliziert oder zu traurig wird. Das macht es oft leichter, manchmal kann man sogar ehrlicher sein als in der ersten Person. Schreib etwas, was dir wirklich nahegeht, in der ersten Person, und dann nochmal in der dritten Person. Was ist einfacher? Was ist wahrer. Was geht tiefer?

Leben Schreiben Atmen bedient sehr viele Ressourcen, wie zum Beispiel: Animation, Unterstützung, Inspiration, Impuls gebend bis hin zu meditativen Ansätzen. Denn Schreiben kann sehr befreiend sein. Ein rundherum gelungenes Buch, dass es sehr einfach macht, die Einladung zu schreiben, sehr gerne anzunehmen.

Diogenes Verlag / ISBN: 9783257070699 / 271 Seiten

Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Filmarbeit (zuletzt der Spielfilm ›Kirschblüten und Dämonen‹) veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie unterrichtet an der Filmhochschule München ›creative writing‹ und gibt immer wieder Schreibworkshops. Sie lebt in München. ( Quelle Diogenes Verlag )

> Das flüssige Land < von Raphaela Edelbauer

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Die Physikerin Ruth wird mit einer gar schrecklichen Nachricht überrascht. Ihre Eltern sind bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommen. Ziemlich zügig holt sie der Alltag und ihr Pflichtgefühl wieder ein und sie leitet den letzten Wunsch ihrer Eltern in die Wege. Diese wollten beide in dem Ort ihrer Jugend beigesetzt werden. In Groß – Einland. Doch wo liegt denn dieser ominöse Ort denn überhaupt?

< Aber was die meisten Menschen an der Traumzeit nicht begreifen wollen, ist, dass die physische Welt in ihrer bereits die Verbindung aus geistiger und körperlicher ist. Dass um uns herum die Landschaft gerade so fließt wie unsere Wahrnehmung – alles aus einem Guss. Somit wird die ganze Welt eigentlich Metapher. Sie sind Metapher und ich in unserer gesamten Leiblichkeit. < ( Seite 39 )

Ruth macht sich eher etwas planlos auf den Weg und ihre odyseeanmutende Fahrt nimmt ihren Lauf. Nach einigen Turbulenzen wird sie fündig. Groß – Einland, ein Ort der fantastischer nicht sein kann.

< Eine Metapher ist dann gelungen, wenn sie nach vorne und hinten strahlt, sagen die Aborigines. Sie muss die Vergangenheit verändern, weil sie ihr einen Sinn gibt, und mehr noch die Zukunft, weil sie unsere Erwartung auf das kommende richtet. Insofern sind natürlich auch die Ahnen nichts anderes als Metaphern, beziehungsweise noch viel mehr sind wir Metaphern für unsere Ahnen. Denken sie das in genetischer Hinsicht. < ( Seite 41 )

Mystische Gegebenheiten findet Ruth in Groß – Einland vor. Ein riesiger Hohlraum erstreckt sich unter dem Ort. Als Ruth sich der Historie von Groß – Einland zu wendet, wird sie mit der Zeit des Nationalsozialismus konfrontiert. Auf Fragen reagieren die Bewohner des Ortes eher abweisend. Und welche Rolle spielt diese ominöse Gräfin, die großen Einfluss auf die Gemeinde ausübt? Ruth lässt sich ein, die Geheimnisse zu ergründen.

Fazit: Was hier Raphaela Edelbauer geschaffen hat, ist nicht wirklich klar zu definieren. Der Roman ist in einer besonderen Sprache geschrieben. Die sich gut herausgearbeitet und auf hohem Niveau präsentiert. In der Story an sich unterbreitet mir Raphaela Edelbauer ihre Protagonistin Ruth als eine – Alice im Wunderland – der Gegenwart. Groß – Einland liegt mystisch verborgen und geschützt. Das riesige Loch unter dem Ort ist sehr bedrohlich und Ruth soll die Bewohner mit einer Lösung retten. Eine Gräfin, bei der man nicht genau weiß, woran man ist, die aber die allergrößte Macht besitzt. Furchtbare Geheimnisse die vehement verschwiegen werden. Meiner Empfindung nach ist < Das flüssige Land < eine Metapher für so vieles. Für den Klimawandel, für den Fremdenhass, für manipulierende Macht und mehr. Unter diesem Aspekt betrachtet, eine klare Leseempfehlung.

Klett – Cotta / ISBN: 9783608964363 / 349 Seiten

Raphela Edelbauer, geboren 1990 in Wien, wuchs im niederösterreichischen Hinterbrühl auf. Sie studierte Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst, war Jahresstipendiatin des Deutschen Literaturfonds und wurde für ihr Werk »Entdecker. Eine Poetik« mit dem Hauptpreis der Rauriser Literaturtage 2018 ausgezeichnet. Beim Bachmannpreis in Klagenfurt gewann sie 2018 den Publikumspreis. 2019 wurde ihr der Theodor-Körner-Preis verliehen. ( Quelle Klett- Cotta ) Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019.

> Der Sprung < von Simone Lappert

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Passanten entdecken eine junge Frau auf dem Dach eines Hauses. Will sie springen? Die Aufregung ist verständlicherweise groß. Die Polizei sperrt das Gebäude ab. Immer mehr Schaulustige kommen vor dem Haus zusammen und reagieren unterschiedlich auf dieses Ereignis. Sie beobachten und diskutieren, sie versuchen mit ihren Handys den Moment einzufangen. Doch es gibt auch Menschen unter ihnen, die die junge Frau auffordern und animieren endlich zu springen.

Manu steht auf dem Dach. Viele Menschen sind unter ihr auf der Straße und schauen zu ihr herauf. Sie sieht auf sie herab. Was geht in Manu vor? Warum tut sie so etwas? Was ist denn der Anlass? Manu liebt Pflanzen und gewährt unzureichend gepflegten Pflanzen, ganz egal wem sie gehören, ein Topfpflanzenasyl.

> Tja,< sagte Manu und hob das Weidenröschen in die ausgehobene Vertiefung, < genau so geht es den Pflanzen, die man in töpfe sperrt. Man isoliert sie. Pflanzen sind sensible Wesen, sie können unterirdisch über die Wurzeln miteinander kommunizieren, sie bilden Wurzelgeflechte, mit denen die sich gegen Unwetter wappnen, sie bilden eine Gemeinschaft, verstehst du? < Finn nickte.

Finn ist Manus Freund, er ist schockiert, als er Manu auf dem Dach stehen sieht. Er bemüht sich den Kontakt zu ihr herzustellen, um sie zu retten. Kann er es schaffen?

Diese junge Frau auf dem Dach, löst bei einigen Gaffern und Anwohnern verschiedene Emotionen aus, die nicht immer als positiv zu werten sind. Ein mehr recht als schlecht gehender Lebensmittelladen macht in diesen Stunden einen gelungenen Umsatz, wie schon lange nicht mehr. Ein gemobbte Jugendliche knüpft Kontakte und erweist sich als eine sehr zuverlässige Person. Ein junger Polizist überdenkt seine Lebenssituation. Wiederum andere brechen aus ihrem jetzigen Leben einfach aus.

Typen, die aussahen wie Silas, brauchten keine Möbel, keine Zierleisten und keine Tanzkurse. Eine Matratze, Zahnpasta und frische Unterhosen genügten vollauf, den Rest träumten sich die Frauen zusammen, bis die Realität sich nicht mehr ausblenden ließ.

Mein Fazit: Die Story gestaltete sich sehr interessant. Der Text war flüssig und ohne bedeutenden Schnörkel zu lesen. Einige Protagonisten wurden abwechslungsreich coloriert. Zu Beginn der ersten 100 Seiten bedarf es diesbezüglich etwas Mühe, den Personen zu folgen. Alles in Allem wäre dieses Romangerüst fähig gewesen ein recht passables Haus zu werden. Doch am Schluß wurde dies jäh vereitelt, durch ein für mich so empfundenes, unsäglich, desaströses Ende.

3,5 von 5

Diogenes Verlag / ISBN: 9783257070743 / 328 Seiten

Simone Lappert, geboren 1985 in Aarau in der Schweiz, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Mit ihrem Debütroman ›Wurfschatten‹ stand sie auf der Shortlist des ›aspekte‹-Preises. Sie ist Präsidentin des Internationalen Lyrikfestivals Basel und Schweizer Kuratorin für das Lyrikprojekt ›Babelsprech.International‹. 2019 erschien der Roman ›Der Sprung‹, der für den Schweizer Buchpreis nominiert ist. Sie lebt und arbeitet in Basel und Zürich. Auszeichnungen

>Miffy ist traurig < von Dick Bruna

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Die kleine Häsin Miffy schlief in ihrem Bettchen, ihren Teddy fest im Arm. Doch am anderen Morgen ist der Teddy spurlos verschwunden. Miffy ist sehr traurig und weint bitterliche Kullertränen. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem geliebten Teddy. Sie fragt ihre Eltern und noch einige andere Hasen, wo ihr Teddybär wohl sein könnte.

Eine liebevolle und sehr verständliche Geschichte, die in Reimform dargeboten wird. Die gelungenen Illustrationen untermalen minimalistisch dieses Erlebnis. > Miffy ist traurig< ist für Kinder ab 2 Jahren empfohlen.

Diogenes – Verlag / ISBN: 9783257012248

Dick Bruna, geboren 1927 in Utrecht, war Graphiker und Kinderbuchillustrator, sein Werk ist weltberühmt. Als er 1955 zum ersten Mal einen kleinen Hasen zeichnete, ahnte er nicht, was für ein unglaubliches Phänomen er damit schaffen würde: ›Miffy‹, den berühmtesten Hasen der Welt. Simpel, eingängig und unverkennbar erleben wir mit dem kleinen Hasenmädchen kindliche Abenteuer. Ihr etwas skeptischer Blick und ihr freundliches Wesen erobern Kinderherzen im Sturm – und die der Erwachsenen gleich mit. Dick Bruna starb am 16. Februar 2017 in Utrecht. ( Quelle Diogenes Verlag )

> Messer < von Jo Nesbø

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Rakel, die große Liebe von Ermittler Harry Hole, wird ermordet in ihrem Hause aufgefunden. Dies zu einer Zeit als die beiden getrennt leben. Harry verliert mal wieder mehr und mit aller Härte den Boden unter den Füßen und frönt seinem besten Kumpel, dem Alkohol, in einem unüberschaubaren Maße.

Doch auch in seiner alkoholisierten Trauer geht Harry auf Spurensuche. Harry will den Mörder von Rakel zur Strecke bringen. Einer seiner Hauptverdächtigen ist Svein Finne. Er wurde schon einmal von Harry ins Gefängnis gebracht und sinnt wohl auf Rache. Hat Finne seine Rakel so grausam getötet, um sich an ihm zu rächen. Ein sehr hoher Preis. Doch liegt Harry Hole mit seiner Vermutung richtig?

> Svein Finne seufzte. Warum hatten alle solche Angst vor Messern? Es waren die ersten Werkzeuge der Menschheit, die Menschen hatten zweieinhalb Millionen Jahre Zeit gehabt, um sich daran zu gewöhnen, und noch immer gab es Leute, die deren Schönheit nicht erkannten und nicht einsehen wollten, dass unsere Vorfahren nur dank des Messers von den Bäumen hatten herabsteigen können. Das Messer nahm nicht nur Leben, es schenkte es auch. Das eine war ohne das andere nicht möglich. Nur wer das verstand, wer diese menschliche Seite konsequent akzeptierte, konnte das Messer lieben. Fürchten und lieben. Zwei Seiten derselben Medaille. <

Kaja, eine seiner Kolleginnen aus längst vergangenen Zeiten, unterstützt Harry bei der Beweisaufnahme. Mit ihr war er schon einmal zusammen, kehrte dann aber zu seiner geliebten Frau Rakel zurück. Nun leistet Kaja so gut sie kann beistand und den kann Harry nur zu gut gebrauchen. Nichts ist so, wie es scheint.

Mein Fazit: Mit sehr großer Freude wurde der 12.te Harry Hole Band, wie ein guter alter Bekannter in die Hände geschlossen. Sich gemütlich im Sessel zurücklehnend, erwartungsvoll und zum bersten gespannt, die Seiten gierig lesend. Doch Jo Nesbø und Harry Hole ließen sich fast 250 Seiten Zeit um mich wirklich zu interessieren. Da hinterfragt sich die Lesende, ob es wohl an ihr selbst liege. War sie wohl der Harry Hole Thriller, schlichtweg entwachsen. Ratlosigkeit machte sich breit und der leichte Anflug eines Abbruches wurde verzweifelt in Erwägung gezogen. Doch als hätten es Jo Nesbø und Harry Hole gespürt, schliffen sie ihre Messer sorgfältig nach und präsentierten einen manierlichen Thriller.

Die Startschwierigkeiten stimmen mich schon nachdenklich. Meine Tendenz oder Intension zu meinem vermeintlichen Täter, begann sich ab der Mitte des Buches langsam zu konkretisieren. Ein Bauchgefühl a´la Harry. Die Auflösung war vorhersehbar, doch in der Tat noch spannend erzählt. Wie man merkt, stehe ich diesem neuen Band von Jo Nesbø etwas ambivalent entgegen und kann nicht wie sonst eine eindeutige Empfehlung zu seinen Büchern aussprechen. Schade!

Ullstein – Buchverlage / ISBN: 9783550081736 / 574 Seiten

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker und lebt in Oslo. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit.
Die Hollywood-Verfilmung seines Romans – Der Schneemann – wurde mit Michael Fassbender in der Rolle des Harry Hole von u.a. Martin Scorsese produziert.
Die Filmrechte an »Blood on Snow. Der Auftrag« sicherte sich Leonardo di Caprio.

Bereits sein Krimidebut, »Der Fledermausmann« mit dem Ermittler Harry Hole wurde in Norwegen als »Bester Krimi des Jahres« ausgezeichnet. Mit »Rotkehlchen« gelang ihm international der Durchbruch. Die Reihe um Harry Hole umfasst inzwischen 12 Romane.  Daneben hat Jo Nesbø weitere Thriller wie »Headhunter«, »Der Sohn« oder die zweiteilige Reihe »Blood on Snow« geschrieben. ( Quelle Ullstein )

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