Literatur & Zeitgeschehen

Kategorie: Literatur (Seite 1 von 40)

> Haus der Kindheit < von Anna Mitgutsch

Manche Bücher scheinen wie gute Freunde, dieser Roman gehört dazu. Max, ein sehr erfolgreicher amerikanischer Innenarchitekt mit jüdischen Wurzeln, versucht zwei Mal, 1945, 1974 in das Haus seiner Familie in Österreich zurückzukehren. Dann, nach Jahren, ist das Haus endlich von den früheren Bewohnern (SA – Nachkommen mit Mietrecht auf Lebenszeit) befreit und Max ist bemüht, in dem geliebten Haus seiner verstorbenen Mutter heimisch zu werden. Doch den bindungsunfähigen Herzensbrecher treibt so einiges um. Er scheint ein Heimatloser auf der ständigen Suche. Doch nach was genau? Will er nur den großen Traum seiner Mutter erfüllen. Sie sehnte sich nach der Flucht nach Amerika, nach dieser Geborgenheit, die ihr dieses Haus immer vermittelte. Nun, in Österreich lebend, versucht Max mit Menschen in eine Verbindung zu treten, er möchte mit ihnen sein Leben teilen. Doch so einfach lässt sich sein bisheriges Leben nicht umkrempeln.

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> Rainer Maria Rilke <

Rainer Maria Rilke – geboren am 4. Dezember 1875 – verstorben 29. Dezember 1926

Die Gedichte von Rainer Maria Rilke begleiten mich schon viele, viele Jahre. Immer wieder lese ich sie oder lausche den atmosphärischen Vertonungen vom Rilke Projekt. Die SprecherInnen sind u.a. Nina Hagen, Otto Sander, Ben Becker, Hannelore Elsner, Gottfried John, Sir Peter Ustinov um nur einige zu nennen. Ein wahrlicher Ohrenschmaus!

>Augenblicke der Leidenschaft< nun, da habe ich mich nicht ausreichend informiert im Vorfeld. Ich dachte, ich schätze Auguste Rodin und R.M.Rilke, welch perfekte Kombination. Doch dieses im Insel Verlag erschienene Buch ist mir einfach zu pornös. Möchte nicht weiter darauf eingehen.

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> Die Sanfte < von Fjodor Dostojewskij

Ein nicht mehr ganz junger Pfandleiher heiratet eine sechzehnjährige, sensible Frau. Er meint, ein großes Werk zu tun und > Die Sanfte < aus ihren ärmlichen Verhälnissen zu befreien. Er hat vor, sie zu erziehen, damit sie beide eine gute Ehe führen können. Der Pfandleiher beweihräuchert sich selbst immer wieder als Retter. Doch demoralisiert er seine Frau und zerstört sie sukzessive.

>…..ich wußte doch, daß eine Frau, und zumal eine von sechzehn Jahren, sich nur zu gern dem Manne völlig unterwirft…… Seite 49

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> Lügen in Zeiten des Krieges < von Louis Begley

Für Maciek, Sohn jüdischer Eltern und seiner Familie, ändert sich das Leben radikal im Herbst 1939. Seiner behütenden Kindheit wird er jäh entrissen. Mit Tanja, seiner klugen Tante und seinen Großeltern muss der Junge untertauchen. Von nun an beginnt eine abenteuerliche Zeit, in der es gilt, am Leben zu bleiben und unsichtbar zu sein. Ein Freund von Tanja, ein Deutscher, verschafft den Geflüchteten ein Versteck. Als dieses aufzufliegen droht, scheint ihm nur ein Ausweg um Tanja und Maciek zu retten. Er erschießt zuerst die kranke Mutter von Tanja und richtet sich anschließend selbst. Tanja versucht nun Teile ihres Schmuckes an eine ihr bekannte Witwe eines Philosophieprofessors zu verkaufen, doch diese täuscht sie boshaft und arglistig.

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> José Saramago – 16. November 1922 <

Der Literaturnobelpreisträger José Saramago wurde am 16. November 1922 in Portugal geboren. Zwei Werke las ich von ihm, wobei > Die Stadt der Blinden < wohl das bekannteste hierzulande sein dürfte.

>Die Stadt der Blinden <: Ein Mann steht an einer Ampel. Von einer Sekunde auf die nächste, ohne erklärbaren Grund, erblindet er. Wie ihm ergeht es immer mehr Menschen in seiner Heimatstadt. Wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Die Regierenden wissen sich nicht anders zu helfen, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt einzuquartieren – unter der Bewachung von Soldaten, die auf jeden schießen, der fliehen will. Je mehr Blinde dort zusammengepfercht werden, desto schlimmer, desto unmenschlicher wird die Situation. Inmitten dieses grausamen Chaos befindet sich ein Augenarzt mit seiner Frau – die als Einzige noch sehen kann … – José Saramago macht hier sehr drastisch auf die humanitäre Verwahrlosung und Verrohung der Gesellschaft aufmerksam. Für mich ein absoluter Weltklassiker!

>Die Reise des Elefanten <: Inspiriert von der wahren Geschichte eines indischen Elefanten, den man im 16. Jahrhundert auf spektakuläre Weise über Land und See von Spanien nach Wien überführte, erzählt Saramago meisterhaft und voller Ironie von den sagenhaften Abenteuern des Elefanten Salomon und seines gewitzten Mahuts.

Salomon ist als Besitz von Johann III. von Portugal nur noch gelitten. Das exotische Tier aus den fernen Kolonien fristet ein trostloses Dasein, bis die Königin auf die Idee kommt, ihn ihrem Vetter dem Großherzog Maximilian aus Wien zum Geschenk zu machen. Mit einem großen Tross wird Salomon samt seinem Mahut auf eine abenteuerliche Reise geschickt, an deren Ende die eindrucksvolle Überquerung der italienischen Alpen steht. Unterwegs lernt man nicht nur die Eigenheiten und Vorlieben des Elefanten kennen, sondern auch die der Menschen und der Gesellschaft um ihn herum. Dabei ist es der indische Mahut, der, Narr und Weiser zugleich, seine Zeitgenossen häufig demaskiert. Augenzwinkernd verknüpft Saramago in seinem Roman, der einen zuweilen an einen gewissen Ritter aus der Mancha denken lässt, Realität und Fiktion. – Ansich eine interessante Geschichte, doch wie auch in > Die Stadt der Blinden < setzt der Autor die Interpunktion rationell ein. Dies steht hier der Geschichte nicht gut zu Gesicht.

José Saramago erhielt 1998 den Literaturnobelpreis. Er verstarb im Jahre 2010.

> Das amerikanische Hospital < von Michael Kleeberg

Paris 1991 in einem amerikanischen Hospital kommt Hélène dem Offizier David bei einem Schwächeanfall zur Hilfe. Fortan kreuzen sich immer wieder ihre Wege. David, der unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom durch den Golf-Krieg ausgelöst leidet, unterzieht sich hier einer Therapie. Die verheiratete Hélène versucht durch künstliche Befruchtung endlich schwanger zu werden. Bei ihren zuerst zufälligen Begegnungen erzählen sie einander von ihrem Leben.

Hélène hat ursprünglich eine große Abneigung gegen Soldaten und den Krieg, doch David vermittelt ihr, das es in seiner Familie Tradition wäre, eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Und so diskutieren die beiden bei ihren Zusammenkünften über Sinn und Sinnlosigkeit des Krieges.

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> Die Verteidigung < von Fridolin Schley

Die Nürnberger Prozesse 1947, genauer gesagt der Wilhelmstraßen-Prozess. Erich von Weizsäcker, SS-Brigadeführer und Spitzendiplomat unter dem Reichsminister Joachim von Rippentrop sitzt hier auf der Anklagebank. Er wird des Kriegsverbrechens bezichtigt. Sein jüngster Sohn Richard ist einer seiner Verteidiger. Das alte und das neue Deutschland treffen aufeinander. Fridolin Schley erzählt retrospektiv aus der Sicht von Richard von Weizsäcker. Er beobachtet und analysiert seinen Vater, denn er ist auf der Suche nach der Wahrheit. Erich von Weizsäcker behauptet, Widerstand durch Weitermachen geleistet zu haben. Es ist an Richard und seinem Team diese Aussage zu untermauern und so tragen sie unendlich viele Eidesstattliche-Bezeugungen von Freunden und Weggefährten des Vaters auf. Doch die Staatsanwaltschaft ist gewillt, ein weiteres Exempel zu statuieren und hält dagegen.

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> Ein Sohn der Stadt < von Kent Haruf

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. An einem Samstag Anfang November fährt ein roter Cadillac in Holt ein und bleibt im Zentrum stehen. Der Fahrer verlässt das Auto nicht. Nach einer Weile wird den Bewohnern klar: Er ist zurück. Der berühmteste Sohn des Ortes, der einstige Highschool-Footballstar Jack Burdette, ist wieder da. Er, dem man so manche Eskapade verzieh. Doch dann, vor acht Jahren verschwand er mit 150.000 unterschlagenen Dollar spurlos. Jack, lies seine schwangere Frau und die beiden Kinder zurück.

Die Aufregung ist groß, denn die betrogenen Bewohner wollen ihr Geld zurück. Doch Jack hat nichts mehr. Mit seiner Rückkehr reißt er alte Wunden auf und die Menschen von Holt müssen sich nun damit auseinandersetzen. Der frühere beste Freund von Jack, der Lokaljournalist Pat Arbuckle, ist nicht erfreut über die Wiederkehr. Doch er hat einen ganz bestimmten Grund.

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> Wenn die Lichter ausgehen < von Erika Mann

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In 10 Alltagsgeschichten porträtiert Erika Mann die Zeit im Nationalsozialistischen Deutschland. Das Buch erschien in Amerika 1940 unter dem Titel > The Lights go down < und es brauchte 65 Jahre, bis es in deutscher Sprache erschien.

Marie wollte Lehrerin werden, muss jedoch eine Stelle als Hausmädchen annehmen. Sie ist mit dem Jurastudenten Peter verlobt. Beide werden durch eine Intrige geächtet und das junge Paar sieht nur noch einen Ausweg.

Kaufmann Hannes Schweiger frisiert seine Kassen bücher. Er fühlt sich betrogen.

>Ich bin kein Jude< murmelte er und schreckte auf, als seine Lippen sein Handgelenk berührten, >und ich bin auch kein Kommunist oder Vaterlandsverräter, und dennoch will man mich vernichten. Warum? < – Seite 52

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>Das Herz ist ein einsamer Jäger< von Carson McCullers

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Carson McCullers schrieb diesen Roman mit gerade Mal 23 Jahren. Er wurde 1940 veröffentlicht. Ich habe ihn nun das zweite Mal gelesen und finde für dieses beeindruckende Buch wohl nicht die richtigen Worte. Doch kurz zum Inhalt:

John Singer, ein sanfter Taubstummer, ist die tragische Hauptfigur dieser Geschichte. Er übt eine besondere Anziehungskraft auf seine Mitmenschen aus. Sie kommen mit ihren Sorgen zu ihm.

Mick Kelly, ein Mädchen in der Pubertät, träumt von Musik und Erfolg. Sie lebt mit ihrer Familie, die mit großen finanziellen Problemen geplagt wird. Mick wird um ihre Träume und ihre Zukunft betrogen.

Jake Blount, ein zorniger und aufbrausender Revolutionär. Eckt immer wieder mit seinen großen Reden überall an und hält es nie lange an einem Ort aus.

Biff Brannon, Besitzer eines Cafés, ist ein gütiger, wenn auch schon etwas melancholischer Zeitgenosse.

Dr. Copeland, will die Ungerechtigkeit aus der Welt vertreiben. Ein großes Ziel für einen schwarzen Mann in den Südstaaten.

Carson McCullers ist hier ein großartiger Roman über die Einsamkeit gelungen. Sie zeigt auf, dass die Liebe bedingungslos ist. Ihre Protagonisten* sind alle miteinander verbunden. Sie alle scheitern an ihren Träumen und Lebensplanungen. Zu Beginn erscheint John Singer noch als der Erlöser, doch nimmt die Story einen verhängnisvollen Verlauf. Trotz dieser ins Detail gezeichneten Schicksale verliert der Roman nicht an seinem einfühlsamen Charme. Carson McCullers hat mit > Das Herz ist ein einsamer Jäger < ein berührendes Buch mit dem Blick auf das ungeschönte Leben kreirt. Große Leseempfehlung!

Das Cover zeigt eine schwarz-weiß Aufnahme aus dem gleichnamigen Film. Darauf zu sehen eine schwarze Frau umarmt von einem schwarzen Mann. Die Frau hält die Hand eines weißen Mannes.

  • Das Herz ist ein einsamer Jäger
  • Carson McCullers
  • Roman
  • Süddeutsche Zeitung / Bibliothek
  • ISBN: 9783937793337
  • 352 Seiten
  • Übersetzt von Susanna Rademacher
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