Literatur & Zeitgeschehen

Kategorie: Literatur (Seite 1 von 45)

Eine Rose allein ~ Muriel Barbery

Die Autorin Muriel Barbery hatte mich schon vor Jahren mit ihrem Roman > Die Eleganz des Igels < begeistert. So war ich sehr gespannt auf ihr neues Buch.

Rose ist eine vierzig Jahre alte Botanikerin, aufgewachsen bei einer depressiven Mutter, die Rose den Vater verwehrte. Die junge Frau hat ihren Platz in ihrem Leben noch nicht gefunden. Obwohl sie eine Botanikerin ist, betrachtet sie die Blumen nicht, sie kann deren Schönheit nicht erkennen. Männer durchkreuzen ihr Leben, doch meist nur für eine Nacht. Sie scheint ein hilfloses Blütenblatt zu sein, dass vom Wind in willkürliche Richtungen getragen wird.

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Kastelau ~ Charles Lewinsky

Dieser Roman beginnt mit einem starken Auftritt eines Mannes, auf dem Walk of Fame in Hollywood. Er steht auf einem der Sterne und versucht ihn mit einer Spitzhacke zu zerstören. Warum?

Die Antwort liegt in den letzten Kriegstagen des Jahres 1944. eine Filmcrew entscheidet, dass sie den Film > Lied der Freiheit < nicht in Babelsberg, sondern in den Alpen, genauer gesagt in Kastelau zu Ende drehen will. Besagter Film ist ein Propagandafilm mit dem Nazi-Schauspieler Walter Arnold. Der sich später zum regimekritischen Hollywood-Star Arnie Walter etaplierte.

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Eine Art Familie ~ Jo Lendle

Jo Lendle, seines Zeichens Verleger und Autor hat einen Roman über seinen Großonkel Ludwig ( Lu ) Lendle geschrieben. Besagter Großonkel war Pharmakologe und lehnte im Gegensatz zu seinem Bruder Wilhelm den Nationalsozialismus ab.

Doch von Anfang an. Alma kommt, nachdem sie Vollwaise geworden ist, zu ihrem Patenonkel Lu. Sie wird zur >Lebensfreundin< und Haushälterin. Beide kannten sich vorher nur durch eine Art Brieffreundschaft. Lu ist in der Schlaf – und in der Giftgasforschung tätig und macht Tier – und Selbstversuche. Die Wehrmacht der Nationalsozialisten interessiert sich sehr für seine Forschung. Lu hat sehr große Mühe sich aus den Fängen zu befreien er lehnt den Missbrauch seiner Ergebnisse kategorisch ab.

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BOOM TOWN BLUES ~ Ellen Dunne

Patsy is in the house! Auch dieser dritte Fall der Ermittlerin Patsy Logan hat es in sich.

Um Abstand zu gewinnen – in ihrer Ehe kriselt es zunehmend und der unerfüllte Kinderwunsch macht ihr zu schaffen – reist Patsy nach Dublin. Doch kaum dort eingetroffen wird die Beamtin des LKA zu einem Mordfall gerufen. Eine junge deutsche Frau stirbt mysteriös an einer Vergiftung in der österreichischen Botschaft. Bei ihren Nachforschungen gerät Patsy in die grotesken Tiefen der Skrupellosigkeit, die ihresgleichen sucht. Sie seigt ab in den Sumpf des Imobilienbooms und der Finanzkrise.

Doch das ist nicht die einzige Nachforschung, der Patsy nachgeht. Sie recherchiert seit Jahren über das mysteriöse Verschwinden ihres Vaters. Immer wieder wird sie mit neuen Indizien konfrontiert. Schritt für Schritt fügt sich das Puzzle zusammen.

Ich halte die Informationen bewusst kurz, mehr wäre zu viel des Guten. Nur so viel sein noch erwähnt: Patsy Logan ist eine sehr authentisch wirkende Ermittlerin mit all ihren Ecken und Kanten. Der Stil von Ellen Dunne ist schnörkellos und kurzweilig, so dass einer rasanten Ermittlung nichts im Wege steht.

Ich freue mich weiter mit Patsy Logan des Weges zu gehen!

  • BOOM TOWN BLUES
  • Ein Fall für Patsy Logan
  • Ellen Dunne
  • Krimi
  • Haymon TB
  • ISBN: 9783709979396
  • 315 Seiten

Wie sollte man ein Buch lesen? ~ Virginia Woolf

Wie sollte man ein Buch lesen? Ehrlich gesagt fand ich den Titel schon so kurios, doch auch wiederum simpel, dass ich dieser Frage auf den Grund gehen wollte.

Doch wer hier glaubt es sein ein richtungsweisender Ratgeber…..weit gefehlt. Denn Virginia Woolf bietet hier keine Anleitung, sondern spricht in ihrem Essay eine Einladung an jeden Leser: In aus. Die Einladung die eigenen Bücherregale, die Bibliotheken und die Buchhandlungen neugierig zu erkunden. Sicher für die sogenannten Bücherwürmer: Innen nicht leichter als das. Das machen wir doch eh schon viel zu gerne. Oder?

Nun, Virginia Woolf ist tiefgründiger, sie weist den Weg noch tiefer in das Labyrinth der Bücher einzutauchen. Sie beschreibt, wie es gelingt, nicht in den Büchermassen zu verlieren oder sich keine Lektüre vorschreiben zu lassen. Mir persönlich gefiel folgendes: Warum sollten Lesende sich zu Komplizen der Schreibenden machen, wenn sie ein Buch zur Hand nehmen?

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Singe ich, tanzen die Berge ~ Irene Solà

Sprach – und Bildgewaltig kommt dieser Roman daher. Ein faszinierendes Konstrukt aus Poesie, Mystik, Legenden und Aberglauben, aber vor allem prägend sei die hemmungslose Schönheit des Sprachstils hervorzuheben. Wild und zügellos.

Der dichtende Bauer Domènec wird vom Blitz erschlagen, seine junge Frau Sió bleibt mit ihren Kindern und dem Schwiegervater zurück. Die Zeit verrinnt und die Berge der Pyrenäen beobachten das Kommen und Gehen ihrer Bewohner. Die vielen starken Frauen über Generationen hinweg, die Hexenverbrennungen. Die Tiere haben ebenfalls Geschichten zu erzählen, ebenso wie die Pilze und die Menschen, die in der Franco Diktatur in die Berge flohen. Ein Kaleidoskop an verschieden Legenden von Großeltern, Eltern, Kinder, Flora und Fauna.

Hier anbei zwei Passagen die ich bezeichnend für den Stil des Buches herausheben möchte:

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100 Texte für den Frieden ~ Gedanken Gedichte Essays

Das wir eine solche Art von Büchern in unserer Generation auf den Weg bringen, lesen, empfehlen und darüber uns austauschen, hätten wir vor einigen Wochen wohl nicht geglaubt. Doch die Welt dreht sich weiter, nur der Rhythmus ist ein ganz anderer. Dieser Rhythmus der mit Gewalt, Tod und Krieg in Europa besetzt ist, macht fassungslos, ohnmächtig und traurig. Er macht uns auch auf die Fragilität des Friedens aufmerksam. Die Blase der heilen Welt in Europa ist buchstäblich geplatzt.

100 Texte für den Frieden – ist ein Hilfsprojekt für die Kinder der Ukraine 2022. Gedanken, Gedichte und Essays füllen die Seiten. 100 Beiträge unter anderem von Nicole (Sängerin und Gewinnerin des Eurovision Song Contest 1982) Reiner Calmund, Rüdiger Heins, Katja Bolander-Sahner, Nora Gomringer, Martina Berscheid, Stephanie Mehnert um nur einige Namen zu nennen, gefüllt mit den individuellen Gedanken zum Krieg in der Ukraine. Es sind nicht nur Autoren: Innen vertreten sondern auch Politiker, Lehrer, Floristin, Hausfrau kurzum eine bunte Vielzahl von Personen aus unserer Mitte.

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Trauer ist das Ding mit Federn ~ Max Porter

Diesen schmalen Roman wollte ich schon lange lesen, doch irgendwie war der Drang wohl nicht stark genug. Nun lag es einfach vor mir, in einer Buchhandlung eines Bahnhofes. Wie eine Einladung fast schon. Ich nahm das Angebot gerne an. Und begann das Buch auf meiner Bahnfahrt in Richtung nach Hause.

Eine junge Frau, Mutter und Ehefrau, verstirbt plötzlich völlig unerwartet. Der Witwer bleibt mit seinen zwei kleinen Jungen verstört zurück. Eines Tages klingelt es an der Türe und eine schwarze Krähe verschafft sich Zutritt. Sie erklärt so lange zu bleiben, bis die Trauer bei den Hinterbliebenen ausgetrieben ist. So beginnt die Trauerzeit, bei der die Krähe den Vater und die beiden Söhne mit weisen Sprüchen mal sanft und mal mit voller radikaler Wucht begleitet.

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Das Jahr magischen Denkens ~ Joan Didion

Dieses Buch ist eines über Liebe, Verlust, den Tod und die Trauer. 40 Jahre waren Joan und John verheiratet. Sie kehren eines Abends im Dezember 2003 vom Besuch bei ihrer Tochter nach Hause zurück. Quintana ist frisch verheiratet und liegt seit ein paar Tagen auf der Intensivstation. Niemand weiß, ob sie überlebt. Die Eltern fahren täglich ins Hospital. Am besagten Abend bereitet Joan eine kleine Abendmahlzeit zu. Die Eheleute sitzen gemeinsam am Tisch und essen. Ohne jegliches Vorzeichen kippt John vom Stuhl und verstirbt nur kurze Zeit später. Für Joan bricht verständlicher Weise eine Welt zusammen, doch muss sie stark für ihr einziges Kind sein.

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Über Carl reden wir morgen ~ Judith W. Taschler

Diese Familiengeschichte über drei Generationen, beginnt Ende des 19. Jahrhunderts im Mühlviertel/Österreich. Die Familie Brugger ist der Ursprung dieses weit gefächerten Romans, der eine Chronologie aus Familien-Heimat-Kriegs-und-Auswanderererzählungen bildet.

Die erste Generation ist das Geschwisterpaar Rosa und Anton Brugger. Anton hat die Hofmühle von seinem Vater geerbt, heiratet und wird Vater. Rosa hat ganz andere Einstellung und zieht heimlich in die Stadt. Durch diverse Schicksalsschläge für das Geschwisterpaar, kehrt Rosa wieder zurück, um ihren Bruder zu unterstützen.

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