Literatur & Zeitgeschehen

Autor: sabinekrass (Seite 1 von 39)

> Apeirogon < von Colum McCann

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Ich fall gleich mal mit der Türe ins Haus. >Apeirogon < ist eines der besten Bücher, die ich je las und ein so kluges und verständliches Buch über den Nahostkonflikt. Von beiden Seiten betrachtet.

Rami Elhanan ist der Vater von Smadar. Smadar wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem israelischen Buchladen getötet. Smadar – der Name entstammt dem Hohelied Salomons und bedeutet die Weinrebe. Die aufgehende Blüte.

Bassam Aramin ist der Vater von Abir, sie starb 2007 als zehnjährige vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten. Der Name Abir kommt aus dem arabischen und bedeutet: das Parfüm. Der Duft der Blüte.

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> Das Gewicht aller Dinge < von Britta Röder

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Eine junge Frau erwacht des Morgens auf einer Parkbank. Wer ist sie? Sie ist ohne Erinnerungen und doch ist ihr Wissen allumfassend. Die Menschen, die ihr begegnen vermuten im ersten Moment diverse Ähnlichkeiten mit ihnen bekannten Menschen. Maria, ihres Lebens überdrüssig, trifft mit der geheimnisvollen Fremden zusammen und gibt ihr den Namen Angelica.

Angelica, die nicht weiß, wer sie ist, lernt einige Menschen, ein Stück des gemeinsamen Weges kennen. Der junge Chris, der von ihr gerettet wird. Rolf, der seine Liebste verloren hat und hoffnungslos in seiner Trauer gefangen scheint. Anne, die ihre Gefühle und ihre Lebenslust, vehement unterdrückt. Und Charlotte, die am Ende ihres Lebensweges angelangt ist und Angelica ihre Biografie erzählt.

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#showthreequotes – aus ORPHEUS von Salih Jamal

Wir lesen Bücher, wir beurteilen sie und legen sie ab. Das war es, schöne oder wenige schöne Gedanken an das gelesene Buch bleiben zurück. Doch was geschieht mit den vielen schönen Zitaten, der geschmeidigen Wortakrobatik, der kunstvoll geformten Buchstabengeflechte? Sie bleiben dann verschlossen und bald schon vergessen. Diesem eher bedrüblichen Umstand möchte ich mit #showthreequotes entgegentreten. Seid gespannt oder noch besser, macht mit!

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>Im Schlaf hat die Zeit keine Macht über die Welt. Wenn wir unsere Augen schließen, steht sie vor den verschlossenen Türen unseres Selbst. Nur wenn wir wach sind, dringt sie über unsere Sinne in uns ein, um über unsere Körper wieder aus uns herauszufließen. Dabei nimmt sie mit, was sie kriegen kann. Bis wir verwelkt sind und unsere fast erloschenen Augen ein letztes Mal schließen.< – Seite 14

>Alkohol ist ein vorzügliches Lösungsmittel. Es löst nicht nur Familie, Geldbeutel und die Leber. Vor allem aber löst es das Herz und die Furcht. < – Seite 29

>………es ist mir einfach nicht gelungen, diesen inneren Rest meiner Liebe zu befreien oder sie einzusperren. Ganz wie du willst. Ich bin wohl nicht imstande, zufrieden zu sein, weil ich weiß, dass irgendwo in mir immer noch eine Handvoll Liebe ist, die leise schreit, drängt und hinauswill. Diese verfluchte Sehnsucht nach Austausch. Am Ende macht sie alles kaputt. Liebe ist ein Virus, das sich mit der allerersten Sehnsucht in dich geschlichen hat und dort nie wieder fortgeht. Wie ein wildes Fiebertier bricht es aus dir aus, will den Hunger stillen und jagt mit nackten Füßen über Scherben, so lange, bis es schutzlos, elend abgekämpft und hilflos schwach und ausgeblutet ist. < – Seite 117

  • ORPHEUS
  • Salih Jamal
  • Roman
  • Book on Demand
  • ISBN: 9783752822847
  • 268 Seiten

> Wie wir jetzt leben < von Susan Sontag

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Fünf Erzählungen hat Susan Sontag hier in diesem Buch vereint. Für mich persönlich die erste literarische Begegnung mit der Autorin. Doch sicherlich nicht die letzte………

In >Wie wir jetzt leben < treffen wir auf einen sehr großen Freundeskreis. Ein Mann aus ihrer Mitte erkrankt schwer. Es ist die Zeit, als Aids in den Mittelpunkt rückte. 26 Freunde und Freundinnen geben ihre Informationen, Ratschläge und Meinungen über den Erkrankten untereinander ab. Es wird eine Besuchsliste geführt und spekuliert, wer und warum, öfters oder gar nicht erscheint. Die Hauptperson rückt immer mehr zusehends in den Hintergrund.

>Beschreibung ( Einer Beschreibung )< Eine vereinsamte Frau wird durch einen Sturz eines ihr unbekannten Mannes in ihrem wohl strukturierten Tagesablauf gestört. Sie ist ihm behilflich, jedoch lässt sie uns an ihren Gedanken an dieser unglückseligen Situation schonungslos teilhaben.

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> Die Beichte einer Nacht < von Marianne Philips

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Heleen ist eine Patientin in einer Nervenanstalt. Sie hat lange Zeit geschwiegen, doch dann erzählt sie der Nachtschwester ihre Lebensgeschichte. Die Nachtschwester und wir werden Zeugen einer überaus beeindruckenden und ergreifenden Vergangenheit.

Als älteste einer kinderreichen, protestantischen Familie wächst Heleen unter ärmlichen Verhältnissen auf. Sie unterstützt ihre Mutter in vielen Dingen, doch sie weiß schon in sehr jungen Jahren, so ein Leben wie ihre Mutter will sie nicht führen. Der jungen Heleen ist der Sinn für alles Schöne in die Wiege gelegt worden und so schickt sie sich dann auch an, ihren gesellschaftlichen Aufstieg sukzessive voranzutreiben.

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> Die Glasglocke < von Sylvia Plath

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Es gibt so Klassiker, die möchte man schon seit wohl ewigen Zeiten lesen und es geschieht einfach nicht. Nun war die Zeit reif für >Die Glasglocke< von Sylvia Plath und mich.

Zum Inhalt: 1953, die Collegestudentin Esther Greenwood befindet sich für einen Monat in New York, als Volontärin einer Modezeitschrift. Mit elf anderen jungen Frauen lebt sie in einem Hotel, sie alle haben wie sie selbst das Volontariat gewonnen und sind gewillt sich in dieser Weltstadt ins pure Abenteuer zu stürzen. Doch Esther verfällt zusehends in große Selbstzweifel bis hin in eine Depression. Diese Existenzkrise wird von Esther, als Ich-Erzählerin, subtil wiedergegeben. Der ganze Kosmos um Esther scheint sich stark zu verändern. Sie merkt so, dass der junge Mann, für den sie sich ihre Jungfräulichkeit bewahrt hat, ein absoluter Heuchler ist. Um sie herum entstehen neue Freundschaften und Lieben, doch Esther scheint außen vor. Sie beobachtet, umhüllt wie von einer Glasglocke, die sie von der wirklichen Welt abschirmt. Die Lage spitzt sich rapide zu. Das Leben von Esther gerät immer mehr in eine Schieflage, ihr Leben ist bedroht.

Dieser Roman erschien im Jahre 1963, dem Jahr des Todes von Sylvia Plath. Sie war wohl zeitlebens depressiv mit einer bipolaren Störung. So kann man ihren Roman > Die Glasglocke < sicher mit biografischen Fragmenten bewerten. Dieser Roman gilt als ein Klassiker und Plath wurde zu einer Symbolfigur der Frauenbewegung. Zu damaliger Zeit ein wichtiges Spiegelbild der Frau in der Gesellschaft.

Sylvia Plath lässt in einigen Passagen immer wieder lyrisches Prosa, fast schon liebevoll, einfließen. Sie hat ein früheres Tabuthema sehr anschaulich und informativ beleuchtet. Die große Tragik, ist die, dass sie es selbst nicht geschafft hat, sich von dieser vermeintlichen Glasglocke zu befreien, sondern ging daran zugrunde.

Sabine Krass

Das Cover zeigt eine schwarz-weiß Aunahme von Sylvia Plath, an einer Schreibmaschine.

  • Die Glasglocke
  • Sylvia Plath
  • Suhrkamp Verlag
  • ISBN: 9783518456767
  • 261 Seiten

> Das eiserne Herz des Charlie Berg < von Sebastian Stuertz

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Für Charlie steht die Welt in den frühen1990 Jahren offen. Er steckt voller Tatendrang und möchte das pure Leben genießen. Geplant hat er, dass er zuerst einmal von zu Hause auszieht, um endlich einen Roman zu schreiben. Guter Plan! Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Als mit seinem Opa auf die Jagd geht, wird leider nicht nur der vermeintliche Hirsch getroffen, sondern auch der Opa. Charlie erweist sich als überaus erfinderisch und versucht die unglaubliche Misere zu vertuschen. Dies erzeugt Stress und Charlies Leben gerät immer weiter aus den Fugen. Seine heimliche Liebe und jetzige Brieffreundin Mayra verkündigt ihre baldige Heirat. Das Herz von Charlie läuft auf Hochtouren mit so manchem Ruckler.

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> Die Stille des Meeres < von Donal Ryan

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Eine kleine Stadt in Irland, drei Männer werden sich auf unfassbare Weise begegnen. Mit extremen Folgen.

Farouk ist ein syrischer Arzt der mit seiner Frau und seiner Tochter ein gutes Leben führt. Doch der Krieg steht vor seiner Tür und er beschließt mit seiner kleinen Familie sein Heimatland zu verlassen und irgendwo anders den Frieden und den Schutz zu suchen. Mit einem Schleuser wird der Fluchtplan geschmiedet. Und zuerst sieht auch alles vielversprechend aus, doch hat diese Flucht fatale Konsequenzen. Dann ist Farouk allein in Irland, sucht lange Zeit nach seiner Frau und Tochter. Immer wieder kommt er an das Meer und hofft auf ein Wunder.

Der junge Ire Lampy, ist ein ganz besonderer Zeitgenosse. Seine Mutter Florence liebt ihn sehr, doch verschweigt sie ihm vehement wer sein Vater ist. Sein Großvater Pops reißt gerne schmutzige Witze und ist wohl jenseits allen guten Benehmens. Alle drei wohnen gemeinsam in dem Haus, dass einmal Lampy sein Eigen nennen darf. Lampy hat einige Träume, die sich nicht so richtig realisieren lassen. Nach der Schule beginnt er als Aufsicht in einem Seniorenheim. Seine Unreife und seine aggressiven Emotionen kann er nicht vertuschen.

Und dann ist da noch John, ein Mann mit abscheulichem Benehmen. Ein Mann der immer wieder falsch Zeugnis redet, nur zu seinem Nutzen und um der anderen Schaden. Ein Mann der mit fünfundzwanzig heiratet und sich mit fünfundvierzig zum ersten Man verliebt.

Eine schicksalhafte Begegnung von Farouk, Lampy und John katapultiert zu einem phänomenalen Showdown. Explosiv und überaus berührend. Donal Ryan, hat seine Protagonisten sehr subtil herausgearbeitet. Sie wirken authentisch, verletzlich, tendenziell nervig und ziemlich abstoßend. Eine toxische Mischung. Drei ganz unterschiedliche Leben, die doch so unwahrscheinlich es auch erscheint, miteinander verknüpft sind. Ein wahrer Pageturner mit einer schwindelerregenden Geschwindigkeit! Große Leseempfehlung!

Sabine Krass

Das Cover zeigt eine Illustration von Leonard Weisgard mit dem Titel > Look at the moon.< In blau gehaltene Wellen mit einem Vollmond am Himmel.

  • Die Stille des Meeres
  • Donal Ryan
  • Roman
  • Diogenes Verlag
  • ISBN: 9783257071160
  • 274 Seiten

> Klaras NEIN < von Soazig Aaron

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Frankreich, Ende Juli 1945. Klara, eine aus Frankreich deportierte Deutsche, hat 29 Monate im Konzentrationslager Auschwitz verbracht. Sie ist eine der letzten heimkehrenden Überlebenden. Ihre Schwägerin Angelika nimmt sich Klara an und hält diese > neue Zeit < mit Klara in einem Tagebuch fest. Klara ist total abgemagert und ihr Wesen hat sich sehr verändert.

>Klara: Ich fühle mich schuldig für all die Toten. Vernünftiger Weise kehrt man aus der Hölle nicht zurück.< – Seite 42

Angelika versucht ihrer Schwägerin halt zu geben, ein kräftezehrendes Unterfangen. Denn Klara ist nicht mehr die junge Frau, die sie noch vor einigen Monaten war, ihre Seele ist qualvoll gestorben. Sie will ihre Tochter nicht sehen und sie auch nicht wiederhaben. Sie hat andere Pläne.

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> Erschlagt die Armen! < von Shumona Sinha

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Zuerst, dieser provokative und verstörende Titel entstammt einem Gedicht von Charles Baudelaire. Ein Bettler beschimpft den Almosengeber, der dann bereit ist mehr zu geben.

Eine junge Frau, die Ich-Erzählerin, selbst Migrantin, arbeitet als Dolmetscherin in einer Asylbehörde in Frankreich. Sie ist das Bindeglied zwischen dem Asylsuchenden und den Entscheidern. Jedoch haben die meisten der männlichen Bittsteller ein Problem mit einer dunkelhäutigen Frau die arbeitet. Der Stress ist vorprogrammiert. Doch was bringt die junge Frau dazu einem anderen dunkelhäutigen Migranten eine Weinflasche über den Kopf zu schlagen?

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