Literatur & Zeitgeschehen

Kategorie: Lyrik (Seite 1 von 2)

> Hinter dem Rauschen der Welt klopft das Herz < von Julie Weißbach

Rezensionsexemplar – Unbezahlte Werbung

Dieses zauberhafte Gedankenbilderbuch passt so gut zum #lyrikmonday. Das Büchlein ist gespickt mit Poesie und sehr anmutigen Illustrationen. Mit > Aurora < sind gleich zu Beginn die Impressionen einer Autobahn der Gedanken im Fokus. (Diese zwanzig Zeilen für sich selbst laut vorlesen…..Magic) Julie Weißbach führt durch die sinnliche Welt und öffnet ihre Gedanken, ob auf der Zugreise , bei Begegnungen mit anderen und vor allem mit sich selbst.

LOTTERIE

Gesichter ohne Namen

Leben am seidenen Faden

Hoffnung auf dünnstem Eis

Dass der Faden nicht zerreißt.

 

Wieviel kostet ein Leben?

Ein Leben so wie meins?

Und wer verteilt die Lose:

Ein Leben < oder > keins < ?

 

Es kommt mir vor wie Tombola

Mit Chancen auf wackligen Beinen

Es kommt mir vor wie Tombola

Mit Chancen nur für die einen

 

Die anderen gefangen im falschen Leben

Den Joker nicht zur Hand

Bereit alles zu geben für ein Leben

In diesem reichen Land

 

Wieviel Leben muss man geben

Für ein Leben so wie meins?

Wieviel Hoffnung muss man weben

Da draußen, auf dünnem Eis?

 

Ein Mensch ist ein Mensch, bleibt ein Mensch.

-Seite 56

 

Dieses Büchlein ist ein perfektes Geschenk für sich selbst und auch für andere. Ein idealer Begleiter für tägliche, kleine Auszeiten. Herzliche Empfehlung!

  • Hinter dem Rauschen der Welt klopft das Herz
  • Julie Weißbach
  • Gedankenbilderbuch
  • Verlag Agentur Altepost
  • ISBN: 9783982242804
  • 71 Seiten

> Weisse Wolken < von Hermann Hesse

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O schau, sie schweben wieder
Wie leise Melodien
Vergessener schöner Lieder
Am blauen Himmel hin!

Kein Herz kann sie verstehen,
Dem nicht auf langer Fahrt
Ein Wissen von allen Wehen
Und Freuden des Wanderns ward.

Ich liebe die Weißen, Losen
Wie Sonne, Meer und Wind,
Weil sie der Heimatlosen
Schwestern und Engel sind.

( Seite 211 )

  • Die Gedichte
  • Hermann Hesse
  • Gedichtband
  • Suhrkamp Taschenbuch
  • 847 Seiten

#lyrikmontag #lyrik #gedichte #hermannhesse #weissewolken

> Ganz kleiner Schwips < von Mascha Kaléko

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Mir ist so kognakfroh zumut!
Schon tanzen Wand und Schränke…
Ich sag dem Tischherrn, was ich von ihm denke
Und schließe draus: der Schnaps war gut.

Wenn andre taumeln, hab ich knapp nen Schwips.
Ich kann mich leider niemals ganz betrinken.
Und wenn die andern Hirne sanft versinken,
…Meins bleibt aus Gips.

Ich trink mit einem Frack auf „Du und Du“
Und hab selbst dabei noch Salonmanieren;
Denn neben mir geht mein Verstand spazieren
Und sieht still zu.

Ich denk an vorges Jahr um diese Zeit
Und möchte heimlich an die Türe gehn.
Nun hab ich einen Schwips, ein neues Kleid…
Für wen?

Du bist natürlich wieder mal nicht hier.
Wenn mir so grau wird, bin ich meist allein.
Mein Kater murrt. Vom Rathaus schlägt es vier.
Und morgen werd ich wieder traurig sein.

– Seite 95

  • Bewölkt mit leichten Niederschlägen
  • Mascha Kaléko
  • Büchergilde Gutenberg
  • ISBN 9783763271825
  • 331 Seiten

> Wislawa Szymborska < Vita #nobelprizeforliteraturewoman

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Maria Wisława Anna Szymborska (* 2.Juli 1923 in Prowent; † 1.Februar 2012 in Krakau) war eine polnische Lyrikerin. Sie zählt zu den bedeutendsten Lyrikern ihrer Generation in Polen, wo ihre Gedichte zur Nationalliteratur gerechnet werden. Im deutschen Sprachraum wurde sie bereits früh durch die Übertragungen von Karl Dedecius bekannt und erhielt mehrere bedeutende Auszeichnungen. 1996 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen. Seitdem ist ihr schmales Werk von rund 350 Gedichten auch international stark verbreitet und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

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> Fahrt ins Staublose < von Nelly Sachs

Wir
von der Erde kommt
Mond zu berühren
oder
anderes Himmelsmaterial das blüht -
angeschossen
von Erinnerung
wird er hoch springen
vom explodierenden Sehnsuchtsstoff
denn
aus bemalter Erdennacht
aufgeflügelt sind seine Gebete
aus täglichen Vernichtungen
suchen die inneren Augenstraßen.


Krater und Trockenmeere
erfüllt von Tränen
durch sternige Stationen reisend
auf der Fahrt ins Staublose.

Quelle aus dem Buch Nelly Sachs Gedichte – Nobelpreis für Literatur 1966 / Coron Verlag in Zürich/ Seite 339

#nobelprizeforliteraturewoman

Gedichte von Gottlob Haag 5.0 > Auf dem Dorf <

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Auf dem Dorf

Abschied nehmen

ist wie leises Sterben.

Die vertrauten Dinge fallen

der Vergänglichkeit anheim.

Biete einem Jüngeren

deinen Gruß,

und du hast Glück

wenn er dir dankt.

 

Es ist an der Zeit

sich von den alten,

liebgewordenen Gewohnheiten

des Umgangs

unter – und miteinenader

zu verabschieden,

weil mit zunehmend,

wachsenden Wohlstand,

die Welt immer ärmer

und unmenschlicher wird,

selbst auf dem Dorf.

 

Aus Abschied nehmen ist wie leises Sterben von Gottlob Haag. 1986 im Eppe Verlag erschienen. ISBN: 3890892051 / Seite 72

> Oktoberabend

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Oktoberabend

Unter dem
Einmaleins ihrer Hände
hinken die Reden
der Bauern.


Wenn die
Dämmerung gerinnt,
meditiert in den Kellern
Rübezahls Schatten.


Bacchus
geht durch den Weinberg.
Prächtig
gedeiht diesem Jahr
der Säuerling.


Unter dem
brennenden Ahorn
tanzt Rumpelstilzchen
um seinen Namen.

Aus Abschied nehmen ist wie leises Sterben von Gottlob Haag. 1986 im Eppe Verlag erschienen. ISBN: 3890892051 / hier Seite 41



 

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