Herzlich willkommen !

Folgendes darf erwartet werden :

– Literatur : gerne Querbeet und durch viele Genres. Diese unglaubliche Fülle, in der Welt der Bücher, bereichert uns enorm. Wir tauchen ab –  in ferne Länder –  in unterschiedliche Persönlichkeiten – in die skurillsten Geschichten und werden beschenkt mit – großartigen Gefühlen –  immenser Spannung – unbändiger Freude – und innigster Trauer. Ein Leben könnte sich nicht ausgewogener präsentieren!

Meine hier aufgeführten Rezesionen halte ich kurz und knackig. Ich kritisiere nicht im herkömmlichen Sinn, dazu habe ich zu viel Achtung vor Autor* und Werk.  Eine kurze Einschätzung dazu, so sollte es passen !

– Zeitgeschehen : das beinhaltet so vieles  – das Geschehene – die Gegenwart – die Zukunft – alles was den Geist bewegt.Dieses Thema wird besser bedient, wenn die Zeit gegeben ist. Doch ich habe es im Visier 😉

– QueenBee: Kreatives , handmade

Paul Auster > Stadt aus Glas <

Unbezahlte Werbung

Der Krimiautor Daniel Quinn sieht nach dem Tod seiner Frau und seines kleinen Sohnes, keinen Sinn mehr in seinem Leben. Isoliert von seiner Umwelt fristet er seinem Dasein. Doch eines Nachts klingelt das Telefon, eine ihm fremde Stimme verlangt den Privatdedektiv Paul Auster. Daniel Quinn übernimmt diesen Part. Sein Auftrag , den verrückten Religionsforscher Peter Stillmann zu observieren, der nach dreizehn Jahren aus eines psychatrischen Klinik entlassen wird. Peter Stillmanns Sohn hat Angst um sein Leben, er hat Angst, dass sein Vater im etwas antun könnte.

Quinn nimmt seinen Auftrag zuerst eher lässig in Angriff, dann jedoch fängt er an, die Angelegenheit sehr enst zu nehmen und seine Observierung entwickelt eine Eigendynamik. Plötzlich, obschon Quinn sich aller größte Mühe gibt, ist der dubiose Peter Stillmann wie vom Erdboden verschluckt. Wo ist er, was macht er ? Quinn ist auf alles gefasst ! Scheinbar !

“ Denn wenn man den Menschen, den man vor sich hat, nicht als menschlich betrachtet, kennt das Gewissen nur wenige Hemmungen im Verhalten ihm Gegenüber.“

Ein Paul Auster Roman vom Feinsten, der durchaus kriminalistisch anmutet. Geschickt windet er die Fäden, alles scheint machbar, doch vieles läuft anders. Sprachlich gehoben, und mit bester Männerprosa aufs Papier gebracht!

5 von 5

Süddeutsche Zeitung/ Bibliothek / ISBN: 3-937793-05-4 / 176 Seiten

Viktor E. Frankl > …..Trotzdem ja zum Leben sagen <

( Unbezahlte Werbung )
Ein Zeugnis großer Menschlichkeit. Ein Vorbild für alle Zeiten.

Mehrere Jahre musste der österreichische Psychologe Viktor E. Frankl in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Doch trotz all des Leids, das er dort sah und erlebte, kam er zu dem Schluss, dass es selbst an Orten der größten Unmenschlichkeit möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen. Seine Erinnerungen, die er in diesem Buch festhielt und die über Jahrzehnte Millionen von Menschen bewegten, sollen weder Mitleid erregen noch Anklage erheben. Sie sollen Kraft zum Leben geben. ( So der Klappentext )

Viktor E. Frankl wird mit seinen Eltern und seiner Frau, im Herbst 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Davor war er als anerkannter Neurologe und Psychiater in Wien tätig. Er hatte ein Visum zur Ausreise erhalten, wollte jedoch seine Eltern nicht alleine zurück lassen.

Hier in seinem Buch, erzählt er seine Erlebnisse in der Zeit der Konzentrationslager. Eine grausame Zeit, die er mit großer Haltung gemeistert hat, wenn man dies so ausdrücken darf.

“ Dostojewski hat einmal gesagt : “ Ich fürchte nur eines : meiner Qual nicht würdig zu sein .“

Verschiedene Erlebnismerkmale hat er zusammen gefasst, wie zum Beispiel die Phasen des Daseins in einem solchen Lager.

Die erste Phase – Aufnahme in das Lager – Psychologische Schockwirkung – welches Lager würde es werden – die mit dem Giftgas waren bekannt, die Hoffnung lag gepaart mit blankem entsetzen danieder. Die zweite Phase – Das Lagerleben – Aphatie – Das Abtöten der normalen Gefühlsregung. Dritte Phase – Nach der Befreiung aus dem Lager – Man hat buchstäblich verlernt sich zu freuen, man wird es erst wieder lernen müssen.

Und jetzt soll man auf einmal glauben! Jetzt soll diese Freiheit wirkliche Wirklichkeit geworden sein ? Und doch so ist es eines Tages. der Körper hat weniger Hemmungen als die Seele. Von der ersten Stunde an, in der es nun möglich wird, nützt er die Wirklichkeit, greift er zu, buchstäblich: man beginnt nämlich zu fressen. Man isst stundenlang, tagelang, halbe Nächte lang. Unbegreiflich was man da alles zusammenessen kann. „

Totz dieses großen Leids was Viktor E. Frankl widerfahren ist, hat er diese Aufgabe als Aufgabe des menschlichen und seelischen Wachstums angesehen. Das Menschliche als Teil was es ist -, als eine Legierung von gut und böse ! Was ist also der Mensch ? Er ist ein Wesen, das immer entscheidet was es ist.

“ Da fällt mir etwas auf : Ich weiß garnicht, ob meine Frau noch lebt! Da weiß ich eines – jetzt habe ich es gelernt: So wenig meint Liebe über die körperliche Existenz eines Menschen, so sehr meint sie zutiefst das geistige Wesen des geliebten Menschen. Sein “ So – sein “ ( wie es die Philosophen nennen ), daß sein “ Dasein „, sein Hier – bei – mir – sein, ja seine körperliche Existens überhaupt, sein Am – Leben – sein, irgendwie garnicht mehr zur Diskussion steht.“

Diesem Buch gelingt der Spagat zwischen Abscheu und Bewunderung. Es glückt, die Haltung des Menschen in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und gibt vor allen Dingen, uns eines mit auf den Weg : aus vermeintlichen prekären Situationen, das Positive entspringen zu lassen. Das ist die große Kunst unseres Daseins !

5 von 5

Peguin Verlag / ISBN: 978-3-328-10277-9

Hier noch ein herzliches Dankeschön an meinen Sohn Maximilian für diesen wertvollen Tipp !

Louise Erdrich > Das Haus des Windes <

Ein altes Haus, eine ungesühnte Schuld und die Brüste von Tante Sonja – Louise Erdrich führt uns nach North Dakota. Im Zentrum ihres gefeierten Romans steht der 14 jährige Joe, der ein brutales Verbrechen an seiner Mutter rächt und so dabei zum Mann wird.

An dem Tag, an dem Joes Mutter brutal überfallen und schwer gepeingt wird , verändert sich die Welt in einem Ort in North Dakota. In einem Indianerreservat. Die Mutter verschweigt die Details der Tat und verkriecht sich wochenlang in ihrem Zimmer. Der Vater, ein Stammesrichter, hat einen Verdacht, doch ihm sind die Hände gebunden. Joe ist fassungslos und versteht die Welt nicht mehr. Seine Eltern haben große Mühe mit diesem Schicksalsschlag, irgendwie zurecht zu kommen. Joe möchte die häusliche Idylle seines Elternhauses wieder geraderücken. Er will seine Davor – Eltern wieder zurück. Mit seinen Freunden Cappy, Angus und Zack nimmt er die Ermittlungen auf. Die Jungs suchen, mit teils halsbrecherischen aber auch sehr lustigen Aktionen, nach dem Täter. Joe will seine Mutter rächen !

Mit vielen Facetten der Erzählkunst ist dieser Roman von Louise Erdrich geschrieben. Von zärtlich, humorvoll, traurig, spannend und ab und an deftig , wird hier die ganze Vielfalt geboten. Ihr Stil ist mitreißend und besticht durch das Kaleidoskop der Gefühle. Die Traurigkeit versöhnt sich mit dem Humor, die Hilflosigkeit mit dem Mut und der Strategie. Eine grausame Tat katapultiert einen kindlichen Jugendlichen zu einem tatkräftigen Heranwachsenden. Die Traditionen und Mythen der Indianer werden hier sehr interessant beschrieben. Nach der letzten Seite des Buches wird eines klar : Bitte mehr von Louise Erdrich !

6 von 5 !

Aufbau Verlag / ISBN: 978-3-7466-3150-9

Karen Louise Erdrich ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie lebt in Minneapolis.
Erdrich stammt väterlicherseits von einem deutschen Metzger ab, ihr Großvater mütterlicherseits war Häuptling der Chippewa in North Dakota. Ihr Vater Ralph Erdrich arbeitet im Wahpeton-Reservat im Büro für Indianerfragen und unterrichtet Deutsch und Englisch. Durch ihn wurde Louise Erdrich auch auf Karl MaysIndianerbücher aufmerksam. Ihre Mutter Rita Erdrich betreute als Sozialarbeiterin alkoholgeschädigte Kinder. 45 Bücher sind von Louis Erdrich veröffentlicht.

David Whitehouse > Der Blumensammler <

> Rezesionsexemplar <







New York, 1983. Als Peter Manyweathers in einer Bibliothek einen alten Brief entdeckt, weiß er noch nicht, dass er gerade das größte Abenteuer seines Lebens in den Händen hält. Sechs seltene Blumen sind in dem geheimnisvollen Brief notiert. Sechs Blumen, die so unvergleichlich sind, dass Peter Manyweathers für sie um die ganze Welt reisen wird.

Peter Manyweathers führt ein recht unauffälliges Leben. Er ist Chef und einzigster Angestellter seiner Reinigungs – und Entrümpelungsfirma. Seine Aufträge erledigt er außerordentlich gewissenhaft. Peter ist alleinstehend und besitzt auch keinen nennenswerten Freundeskreis. Sein Leben schaukelt sehr betulich dahin, bis er zum einen diesen alten Brief entdeckt und zum anderen die Bekanntschaft von Hens Berg macht.

Peter und Hens freunden sich an und begeben sich gemeinsam auf die abenteuerliche Suche nach den sechs seltenen Blumen dieser Welt. Auf ihrer Reise durch verschiedene Länder finden sie nicht nur die gesuchten Pflanzen sondern auch Harum. Harum ist ebenfalls sehr interessiert an diesen seltenen Blumen und so bestreiten sie die Reise fortan zu dritt. Soweit so gut, bis auf die Tatsache das Harum eine Frau ist und beide Männer, Peter und Hens, nun um ihre Gunst buhlen. Dieser Umstand macht die Reise nicht gerade leichter.

“ Todesblume war nicht ihr richtiger Name. In Wirklichkeit hieß sie Rafflesia arnoldii – oder < Riesenafflesie <, wurde aber von vielen auch > Leichenblume < genannt.“

Dove, ein junger Mann ohne sichtliche Leidenschaften, fällt auf dem Weg zu seiner Arbeit, aus dem Nichts ein Moorveilchen wieder ein . Er weiß nicht das geringste über Blumen, aber irgend etwas aus seiner Vergangenheit scheint an die Oberfläche kommen zu wollen. Noch weiß er nicht was es genau ist, doch er geht der Sache auf den Grund .

“ Das Moorveilchen hat die gleiche violette Farbe wie eine aufblühende Prellung. Es ist acht Zentimeter hoch, mit kleinen, niederförmigen Blättern. Das unterste der fünf an der Spitze eingekerbten Blütenblätter wird von einem sturmblauen Sporn gekrönt, und das Fruchtblatt ist so zart und fein wie frisch gesponnene Zuckerwatte.“

Auf einer spektakulären Tauchfahrt in seinem Ein-Mann-Tauchboot, findet Professor Cole die Blackbox eines vor vielen Jahren abgestürzten Passagierflugzeuges. Erinnerungen werden geweckt.

Alle drei Erzählstränge sind fein mit einander verwoben. David Whitehouse gelingt es virtuos die Spannung bis zum Ende zu halten. Sein poetischer, mit liebevoll bedachten Metaphern gespickter Schreibstil, lässt die Zeit und die Seiten nur so davon schweben.

Klare Leseempfehlung !

Klett-Cotta / Tropen / ISBN: 978-3-608-50373-9

David Whitehouse wurde 1981 in Nuneaton, England geboren. Sein Debut »Bed« wurde 2010 mit dem »To Hell with Prizes Award« ausgezeichnet. Er lebt in London.


Emily St. John Mandel > Das Licht der letzten Tage <

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war…………………………………………………..

Die Rahmenhandlung dieses Romans, bildet das Ausmaß der > Georgischen Grippe <, eine Pandemie die in kürzester Zeit den Großteil der Menschheit dahin rafft. Nichts ist und wird wieder wie es war. Es war vorbei mit Medikamenten, dem Fliegen, den Nationalstaaten, der Feuerwehr, Polizei, mit der Virtualität , Elektrizität. Eigentlich mit allem. Das pure Überleben wurde immens und mit aller Härte in den Vordergrund gerückt.

“ So stand ich da, blickte auf mein zerstörtes Zuhause und versuchte zu vergessen, wie süß das Leben auf der Erde gewesen war.“

Zwei Stränge fügen sich sehr gefühlvoll und poetisch zu einer homogenen Story, die Vergangenheit und die Gegenwart. Emily St. John Mandel lässt uns an einigen Schicksalen, mit leicht melancholischem Blick, teil haben. Wie zum Beispiel Arthur, ein bekannter Schaupieler, der von der Katastrophe, durch sein ableben auf der Bühne vor Publikum, verschont bleibt. Oder Kristin, die nach der Pandemie, mit der Fahrenden Symphonie, eine Theatertruppe, durch gespenstische Orte zieht, um den Sommernachtstraum oder gar König Lear darzubieten. Der Slogan der Truppe ist auf dem ersten Wagen, durch ein Pferd gezogen, in weißen Lettern geschrieben < Überleben alleine ist unzureichend.<

“ Manchmal dachte die Symphonie, dass ihre Tätigkeit eine noble war. Es gab Momente am Lagerfeuer, da sagte jemand etwas Erhebendes über die Wichtigkeit der Kunst, und in der Nacht schlief jeder besser.“

Kirsten bekommt von Arthur, am Tag seines Todes, dystopische Comics über Dr. Eleven mit dem Titel > Das Licht der letzten Tage < geschenkt. Diese Comics werden Kirsten über viele Jahre begleiten und ein wichtiger Teil der Erinnerungen werden. Überhaupt ist Arthur, auch im Jahre 20 nach der Katastrophe immer noch präsent, in Gedanken, im Herzen, oder auf gehüteten Artikel zu ihm, aus der früheren Klatschpresse. Er ist das Bindeglied von einigen Überlebenden.

Dystopien sind ansich garnicht mein Genre, doch was Emily St. Johhn Mandel hier gelungen ist, ist schlichtweg < Klasse <. Dieser Roman beinhaltet alles was man sich unter guter Unterhaltung vorstellen kann: Ein stimmiger Plot, Spannung, Liebe, Gefühle und der wunderschöne Sprachstil, gespikt mit lauter kleinen Sternen aus Poesie, runden das Ganze ab.

Große Leseempfehlung !

Piper Verlag / ISBN: 978-3-492-31023-9

Emily St. John Mandel, geboren 1979, wuchs an der Westküste von British Columbia in Kanada auf. Sie studierte zeitgenössischen Tanz an der »School of Toronto Dance Theatre« und lebte danach kurze Zeit in Montreal, bevor sie nach New York umzog und anfing, für das literarische Online-Magazin »The Millions« zu schreiben. Sie lebt dort mit ihrem Ehemann. »Das Licht der letzten Tage« war auf der Shortlist des National Book Award, eines der renommiertesten Literaturpreise der USA, und stand monatelang auf der New-York-Times-Bestsellerliste.

Anna Seghers > Das siebte Kreuz<

>Das siebte Kreuz <, geschrieben von einer in Frankreich lebenden Emigrantin, spielt 1937 in Deutschland und erzählt die Geschichte von Flüchtlingen aus einem Konzentrationslager. Geschrieben von einer Kommunistin, ist es gleichwohl kein politisches Kampfbuch. Denn es kennt keine Aggressivität: Die Trauer der verjagten Autorin ist stärker als ihre Empörung. Nicht ein Rachegesang ist > Das siebte Kreuz<, sondern eine Elegie, nicht ein Buch des Hasses, sondern der Barmherzigkeit. Im Unterschied zu den meisten ihrer Romane verkündet Anna Seghers hier keine Philosophie, sie wirbt für keine Ideologie, sie deutet kein Programm an. Ihr ist nur noch die einzige Hoffnung geblieben: die Redlichkeit, die Rechtschaffenheit des Individuums. Im innersten gäbe es etwas, > was unangreifbar war und unverletzbar<. So überwinden die Menschen auf dem Fluchtweg jenes Mannes, auf den im Konzentrationslager das siebte Kreeuz wartet, ihre Angst und helfen dem Ausgestoßenen. Das poetische Meisterwerk ist zugleich ein Kriminalroman, doch mit ungekehrten Vorzeichen: Verbrecher in den Uniformen der SS und SA verfolgen einen Unschuldigen.

> Marcel Reich – Ranicki <

Aus sieben gekappten Platanen wurden im Konzentrationslager Westhofen Folterkreuze für sieben geflohene Häftlinge vorbereitet. Sechs der Männer müssen die Flucht mit dem Leben bezahlen. Das siebste Kreuz aber bleibt frei: Georg Heisler kann entkommen, er findet den Weg in die Freiheit. Sein langer, dramatischer Fluchtweg gleicht einem sezierenden Schnitt durch Schichten und Mentalitäten des nationalsozialistischenDeutschlands.

Dieser Roman von Anna Seghers läßt uns Leser nach Beendigung des Buches in einem riesigen Vakuum, gefüllt mit Emphatie und Beklemmung, etwas mitgenommen zurück. Wir werden uns bewußt, dies war die Zeit bevor die ganze Welt Kopf stand. Das Übel brodelte schon massiv, der Gestank dieser braunen Kloake schwebte unheilvoll über das Land.

Das siebte Kreuz, ist das antifaschistische Buch schlechthin und gehört zu Recht in den Kanon der Literatur. Es sollte als allgemeine Schullektüre integriert werden.

Klare Leseempfehlung !


“ Dieses Buch ist den toten und lebenden Antifaschisten Deutschlands gewidmet.“

Anna Seghers

Anna Seghers (eigentlich Netty Reiling) wurde 1900 in Mainz geboren. Den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928. Von 1920 bis 1924 studierte sie in Heidelberg und Köln Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. 1924 veröffentlichte sie „Die Toten auf der Insel Djal“. 1925 heiratete sie den Ungarn Laszlo Radvanyi, mit dem sie nach Berlin zog. Sie trat in die KPD ein und 1929 dem Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller bei. 1933 floh Anna Seghers über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs 1941 weiter nach Mexiko. 1947 kehrte sie nach Ost-Berlin zurück und bekam den Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952 bis 1978 war sie Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR, Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. Anna Seghers starb 1983 in Berlin. Zu ihren bekanntesten Romane zählen „Die Rettung“ (1937), „Das siebte Kreuz“ (1942), „Transit“ (1944) und „Die Entscheidung“ (1959). ( Quelle Perlentaucher )

Tom Rachmann > Die Unperfekten <

Rom – die ewige Stadt. Eine internationale Tageszeitung, die ihrem Ende entgegen schlingert, ihre Macher und Leser.

Der rätselhafte Cyrus Ott, gründet in der italienischen Metropole eine englisch sprachige Zeitung. Fünf Jahrzehnte ist dieses Unternehmen auch recht erfolgreich, doch die Veränderungen im Zeitungshandel und vor allem in der Führungsriege , lassen es zu, dass die Zeitung langsam aber sicher seinem Ende entgegen sieht.

Der Erbe der Zeitung , Oliver Ott, ist ein junger Man ohne jegliches > know how <. Seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit gehört seinem Hund , Namens Schopenhauer. Er ist überfordert mit der gegenwährtigen finanziellen Situation des Unternehmens. Wenn er die Zeitung nicht retten kann, was wird dann aus den vielen Mitarbeitern die viele Jahre für ihren Job , mehr oder auch weniger gebrannt haben ? Was wird aus der Chef – Redakteurin Kathleen, verheiratet, die den Mann wieder trifft, den sie einst verlassen hat? Was wird aus Ed, der gefeuert wird und sich an der zuständigen Sachbearbeiterin Miss Buchhaltung rächt. Was wird aus Arthur, dem Spezialisten für Nachrufe und Nichtstun. Was wird aus Ruby, einer unglückseligen Texterin, mittleren Alters, die immer auf der Suche nach dem Mann fürs Leben ist. Was wird aus Ornella, der leidenschaftlichen Leserin der Zeitung. Sie liest die Zeitung täglich komplett durch, dies auch der Grund, dass sie sich aktuell im Jahre 1994 befindet.

Was wird aus ihnen allen ?

Was Tom Rachmann hier in seinem Buch gelungen ist, zeugt von einer brillianten Beobachtungsgabe. Er coloriert diesen Haufen von Individualisten auf eine sehr lebendige Art. Jede seiner Personen, ist auf seine Art faszinierend. Gerade diese Faszination lässt die Seiten im Nu dahin gleiten. Sie bestechen mit der Eigenschaft, unglaublich komisch und zugleich unfassbar traurig zu sein.

Mich hat dieses Buch schwer beeindruckt. Es besitzt Klasse ! Der sprachliche Stil ist durchwoben mit Intelligenz, Charme, Humor und Emphatie. Einfach prima !

5 von 5

Deutscher Taschenbuchverlag / ISBN: 978-3-423-14097-3

Tom Rachmann, geboren 1976 in London, wuchs in Vancover auf. Die Unperfekten wurden ein internationaler Bestseller. Tom Rachmann lebt in London.


Ellen Dunne >Schwarze Seele<

Erscheint am 14.01.2019

Ein ertrunkener Ire wird aus dem Schwabinger Bach im Englischen Garten gefischt. Spuren gibt es keine, Motive dafür umso mehr. Keine gute Ausgangslage für Patsy Logan, deutsch-irische Kommissarin bei der Münchner Mordkommission. Mehr als je zuvor ist ihr Instinkt gefragt – doch ausgerechnet der scheint sie plötzlich im Stich zu lassen.
Patsy Logan ist im seelischen Tief: ihr Kinderwunsch will sich nicht erfüllen, die Hormonbehandlungen setzen ihr zu. Da kommt ihr der Fall um einen toten Iren gerade recht: Donal McFadden, ein Mann mit Charme und vielen Feinden, war in München, um seine Exfrau Fiona zurückzugewinnen, wenn nötig mit Gewalt. Doch ob er aus Versehen im Wasser gelandet ist oder jemand nachgeholfen hat, lässt sich nicht sagen. Gründe, ihn loszuwerden, hatten jedenfalls viele – Gelegenheit auch. Und Patsys Theorien führen eine nach der anderen in die Sackgasse. Erst ein zweiter Todesfall scheint einen entscheidenden Hinweis zu liefern. Ungünstig nur, dass Patsys Krise sich ausgerechnet jetzt wieder in den Vordergrund drängt …

…….so der Klappentext.

Fazit :

Mit Patsy Logan hat Ellen Dunne eine Protagonistin geschaffen, die mit ihrer eigensinnigen und kantigen Art, immer wieder in ihrem Umfeld aneckt. Doch gerade diese Eigenarten machen Patsy aus. Sie will es wissen. Will den Dingen auf den Grund gehen. Und dies führt sie konsequent aus.

Patsy ist eine Frau, die inmitten des pulsierenden Lebens steht. Der Fokus ist nicht nur auf ihre Ermittlungen gerichtet, sondern zeigt sie in einem wirklich symphatischen Gesamtpaket. Dieses besagte Gesamtpaket zeichnet sich durch Leidenschaft, Ängste, Wünsche, Hoffnungen, Cleverness und einiges mehr aus.

Die Figuren dieses Kriminalromanes sind geheimnisvoll coloriert. Es ermöglicht wohl auch, dass die Spannung Seite um Seite gesteigert wird. Bis zum furiosen Ende ! Alle Handlungsstränge fließen homogen zusammen. Ein raffiniert konstruierter Krimi, der Lust auf mehr verbreitet. Die Lust auf Ellen Dunne & Patsy Logan!

Leseempfehlung !

5 von 5

Insel Verlag / ISBN: 978-3-458-36383-5

Ellen Dunne,
1977 geboren, arbeitete als Texterin/Konzeptionistin in Werbeagenturen, danach in verschiedenen Positionen bei Google im Europa-Hauptquartier in Dublin. Sie lebte in Berlin, München und Mexiko-Stadt, seit 2004 in Dublin. Von ihr wurden bereits zwei Kriminalromane veröffentlicht. Harte Landung war der Auftakt der neuen Krimireihe um Patsy Logan. Schwarze Seele ist der zweite Fall.

Leseprobe :https://www.suhrkamp.de/download/Blickinsbuch/9783458363835.pdf


Kristin Helberg – Der Syrien Krieg

Lösung eines Weltkonfliktes

Seit Jahren produziert der Syrien-Konflikt weltweit die meisten Geflüchtete. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung musste ihr Zuhause verlassen.

In ihrem Buch erklärt Kristin Helberg die Hintergründe dieses schon seit Jahren andauernden Konfliktes. Der Krieg scheint militärisch entschieden, aber ist er auch vorbei ? Präsident Bashar al-Assad ist immer noch an der Macht, seine brutalen und perfiden Methoden, das Menschenrecht mit Füßen zu treten, gehen weiter. Nicht in Ungnade zu fallen ist für Assad-Verbündete eine Frage des Überlebens. Auch im vermeintlich sicheren Europa. Viele der in Deutschland lebenden Syrer reden lieber nicht über die Politik in ihrer Heimat, sie beschränken sich auf ihr eigenes Schicksal oder den allgemeinen Frust über den Konflikt. Zweierlei macht ihnen Angst : Hierher geflüchtete Anhänger oder Schergendes Regimes und der lange Arm des syrischen Sicherheitsapperates, der bis nach Deutschland reicht – schließlich unterhält das Regime in Berlin bis heute eine Botschaft.

Europa sind drei entscheidende Versäumnisse zu zu schreiben:

  1. Europa war nicht bereit, die Syrer in ihrer Heimat zu beschützen , statt weniger Bomben brachten Europäer und Amerikaner mehr Bomben.
  2. Die Versorgung der Syrer im Libanon, in Jordanien und der Türkei ist gescheitert. Gemessen an ihren Bevölkerungen beherbergen diese drei Länder laut UNHCR ( das ist der engste Partner der UNO Flüchtlingshilfe)weltweit die meisten Geflüchtete. Trotz ausländischer Hilfsgelder in Milliardenhöhe leben die Syrer in großer Not und ohne Perspektive.
  3. Statt einen Teil der schutzbedürftigen Syrer geregelt nach Europa zu holen, um die Nachbarländer zu entlasten und ein gewisses Maß an Verantwortung für die anhaltende Katastrophe zu übernehmen, zwang Brüssel die Menschen zur illegalen und gefährlichen Flucht und machte daraus ein Jahrhundertgeschäft für Schlepper und Schmugler.


Dieses dreifach Versagen Europas, hat zu dem Schlamassel geführt in dem wir uns heute wiederfinden.

Solange politische und diplomatische Lösungen in Syrien nicht greifbar sind, müssen die Versorgung und Integration der Geflüchtete Priorität haben.

Verlag Herder / ISBN: 978-3-451-38145-4

Kristin Helberg, geb. 1973 in Heilbronn, gilt als eine der besten Syrien-Kennerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie studierte Politikwissenschaften und Journalistik in Hamburg und Barcelona. Nach einigen Jahren beim NDR ging sie 2001 nach Damaskus, wo sie lange Zeit die einzige offiziell akkreditierte westliche Korrespondentin war. Bis 2008 berichtete sie von Syrien aus über die arabische und islamische Welt für die Hörfunkprogramme der ARD, den ORF und das Schweizer Radio und Fernsehen SRF sowie verschiedene Print- und Onlinemedien. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Nahostexpertin in Berlin.

Weitere Stimmen zum Buch bitte hier:

https://buchvogel.blogspot.com/2019/01/der-syrienkrieg-loesung-eines-weltkonflikts.html#more

Kai Wieland > Amerika <

Rezesionsexemplar

Denis Scheck urteilte über > Amerika > von Kai Wieland : >Ein eigener Ton, eine eigene Weltsicht, ein schwäbischer William Faulkner, der zur Entdeckung einlädt.<

Im beschaulichen Rillingsbach geht es gemütlich zu. Das Dorf ist überschaubar und die Bewohner lässig. Ein junger Chronist kommt des Weges und mischt sich unter die Stammgäste des Gasthauses Schippen, das einzige Gasthaus im Ort. Dort steht die Wirtin Martha hinter der Theke. Zu ihren Stammgästen gehören, die wilde Hilde, die einst auszog um die Männer zu studieren. Alfred der eine Leidenschaft für tote amerikanische Politiker pflegt und Frieder, den keiner mag.

Diese fünf Personen sitzen beieinander und vier sinnieren über ihr eigenes Leben und vorallem über die Taten der anderen.

Hildes Vater Erwin wurde vor vielen Jahren tot aufgefunden . Wurde er von seinen Nachbarn getötet? Martha ist wohl nie weiter als Murrhardt gekommen und gehört fast schon wie ein Mahnmal zu Rillingsbach. Der Alfred hat mit seiner Frau Amerika bereist, jedoch nur Schauplätze besucht an denen amerikanische Politiker zu Tode kamen. Ja und der Frieder, hat zu allem eine Meinung und selbstverständlich auch seine Story. Und zu guter letzt kommen Erinnerungen an die amerikanische Besatzungszeit zu Tage. Der Chronist notiert emsig das gehörte und versucht sachlich zu bleiben. Doch geht das so einfach bei den Geschichten die sich in dieser Runde offenbaren ?

Fazit:

Kai Wieland versprüht in seinem Roman eine besondere Art von Charme. Er setzt die Schwaben liebevoll ins warme Licht. Mit einem Blick für das Wesentliche, beschreibt er seine Protagonisten / innen in einer so eindrücklichen Art, dass der Automatismus einsetzt und man sich beim lesen mitten dieser besagten Rillingsbacher befindet. Kai Wieland hat mich sehr positiv überrascht. Überrascht mit seiner warmherzigen und humorvollen Story, die es schafft, die Facetten des Landlebens in einer Fülle von Erinnerungen großartig darzustellen.

Zitat : >Für die meisten Rillingsbacher war schon das bloße Überschreiten der Landesgrenze ein unvorstellbares Abenteuer, und ein unnötiges dazu. Wieso sollte man überhaupt woanders hingehen, schließlich gab es auch im Schwabenland Hügel im Nebel.<

Oder: >Politik ist nichts für Menschen mit harmonischem Gemüt. <

Der Roman Amerika, ist eine wertvolle Entdeckung ! Klare Leseempfehlung !

5 von 5

Klett – Cotta / ISBN: 978-3-608-96261-1

Kai Wieland, geboren 1989 in Backnang. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Medienkaufmann, studierte anschließend Buchwissenschaft an der LMU in München und arbeitet seit 2016 für ein Verlagsbüro in Stuttgart. Mit seinem Debüt Amerika wurde er Finalist beim Blogbuster, dem Preis der Literaturblogger.