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Literatur & Zeitgeschehen

> Dshamilja < von Tschingis Aitmatow

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In Kirgisien, im Sommer des Kriegsjahres 1943, hat sich abgespielt, < die schönste Liebesgeschichte der Welt < ( Louis Aragon ) Said, der damals Fünfzehnjährige, der nicht wusste, wie Liebe sich zuträgt, erzählt sie mit großem Erstaunen. – so der Buchrücken.

Said ist der jüngste von drei Brüdern. Die beiden älteren sind an der Front. Einer von ihnen, Sadyk, ist mit der schönen und selbstbewussten Dshamilja verheiratet. Da fast alle Männer in den Krieg mussten, ist es an den Frauen die Arbeit in der Kolchose zu verrichten. Und dies tut Dshamilja mit großer Kraft und Leidenschaft. Said beobachtet seine Schwägerin mit großen Wohlwollen, ohne zu erahnen, was er für Gefühle für diese junge Frau hegt.

Der im Krieg verletzte Danijar kehrt in das Dorf zurück und hilft tatkräftig bei den anfallenden Arbeiten. Der Brigadeführer veranlasst, dass Dshamilja, Danijar und Said ihre Arbeiten gemeinsam erledigen. Dshamilja, in ihrem tollkühnen Leichtsinn, meint die beiden Männer anzuführen. Sie versucht lang gehegte Traditionen zu durchbrechen. Der in sich gekehrte Danijar wird noch ruhiger und zieht sich immer mehr zurück. Und Said? Said ist ein genauer Beobachter. Fasziniert registriert er die sanfte, zarte Annäherung zwischen dem leidenden Danijar und der innerlich zerrissenen Dshamilja. Dann kommt der Tag, der alles komplett verändert und Said feststellen muss, dass er seine erste Liebe verloren hat, noch bevor es ihm wahrhaft bewusst war.

Ich suche nach den richtigen Worten und verweile bei > So schön <. Eine Geschichte für´s Herzerl! Und je länger ich nachsinne bestätigt sich das vermutete: Dshamilja ist eine berührende Liebesgeschichte die gänzlich ohne weichgespülten Kitsch auskommt. Die Sprache ist klar und unverschnörkelt. Die Landschaftsbeschreibungen geben den Zauber der Steppe preis. Einfach nur schön und somit eine große Leseempfehlung!

Sabine Krass

Das Cover zeigt im unteren Bereich ein Bild von einem liegenden weißen Pferd. Daneben eine auf dem Bauch liegende Frau die es streichelt.

  • Dshamilja
  • Tschingis Aitmatow
  • Novelle
  • Suhrkamp Verlag
  • ISBN: 9783518380796
  • 122 Seiten
  • Übersetzt von Gisela Drohla
  • Mit einem Vorwort von Louis Aragon

> Weisse Wolken < von Hermann Hesse

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O schau, sie schweben wieder
Wie leise Melodien
Vergessener schöner Lieder
Am blauen Himmel hin!

Kein Herz kann sie verstehen,
Dem nicht auf langer Fahrt
Ein Wissen von allen Wehen
Und Freuden des Wanderns ward.

Ich liebe die Weißen, Losen
Wie Sonne, Meer und Wind,
Weil sie der Heimatlosen
Schwestern und Engel sind.

( Seite 211 )

  • Die Gedichte
  • Hermann Hesse
  • Gedichtband
  • Suhrkamp Taschenbuch
  • 847 Seiten

#lyrikmontag #lyrik #gedichte #hermannhesse #weissewolken

> Das Eis-Schloss < von Tarjei Vesaas

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Ein zu Herzen gehendes Buch, dass durch seine eindrücklichen Beschreibungen besticht!

Tarjei Vesaas nimmt uns mit in die norwegische Einsamkeit. Er erzählt eine Geschichte von zwei elfjährigen Mädchen, Siss und Unn. Unn kommt als Waise zu ihrer Tante. Sie scheint ganz in ihrer Trauer gefangen und wirkt unter ihren neuen Klassenkameraden als Außenseiterin und unnahbar. Doch Siss kann sich Unn anähern und es bahnt sich eine Freundschaft zwischen den Mädchen an.

Es wurde Siss klar, worauf Unns Worte eingentlich hinausliefen: Sie würde für immer hierbleiben. Ihre Freundschaft lag offen vor ihnen wie ein verlockender Weg in die Zukunft. Etwas Großes war geschehen. – Seite 23

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> Vom Schwimmen in freien Gewässern < von Katja Bohlander - Sahner

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Rolf Neumann lebt ein ruhiges Leben. Er arbeitet, schwimmt leidenschaftlich gern und lässt sich von einer guten Freundin bekochen. Rolf ist Witwer. Seine Frau starb vor zwei Jahren auf tragische Weise. Rolfs Sohn Jerome war kurz nach seinem sechzehnten Geburtstag, aus unerklärlichen Gründen, verschwunden. Hi und da gab er ein Lebenszeichen. Anni, Rolfs Tochter, war nun in Paris wohnhaft. Nun könnte man annehmen, das Leben von Rolf verliefe in ruhigen Gewässern.

Doch dann lernt er Elaine kennen. Sie ist um einiges jünger als Rolf und sie hat ihre eigene geheimnisvolle Geschichte. Und diese Elaine wirbelt Rolfs Leben immens durcheinander.

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> Roman eines Schicksallosen < von Imre Kertész

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Es ist schon etwas her, seit ich dieses Buch las. Es brauchte Zeit um die Worte zu finden, die diese Geschichte so hoffe ich, würdig zu beschreiben.

Imre Kertész kam 1944 als 14- jähriger Junge in das Konzentrationslager von Auschwitz, dann weiter nach Buchenwald. In kindlicher Naivität, beschreibt er seine Erlebnisse. Ohne Wertung und frei von Emotionen. Er lässt die Geschehnisse in aller Demut über sich ergehen. Deportation, Zwangsarbeit und Vernichtung, all das kann dem jungen Imre nichts anhaben.

Ich lese und lese und bin äußerst erstaunt über die Haltung eines noch so jungen Menschen. Und so, fast unmittelbar, kommt mir Viktor F. Frankl in den Sinn. Sein Buch > Trotzdem ja zu Leben sagen < ist ebenso von dieser Qualität des Geistes. Beiden gelingt die Entnazifizierung der Gräuel.

Doch zurück zu Imre Kertész, der das Nazi-Inferno überlebt hat. Er hatte ein Urvertrauen an die Zeit und hat sich an den Gegebenheiten festgehalten. Was in den Konzentrationslagern geschah, darauf möchte ich nicht näher eingehen. Ich setze voraus, dass dies sehr wohl bekannt ist. Imre Kertész, der 2002 den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk erhielt, verschafft dem Leser m/w/d den Blick auf das wesentliche, die Fakten zu richten und das Erlebte in einer ganz anderen, in einer besonderen Art und Weise zu betrachten. > Der Roman eines Schicksallosen < gehört sicher zu einem literarischen Meisterwerk! Lest dieses Buch! #gegendasvergessen

Sabine Krass

Das Cover zeigt einen Vogel, der Rücklings und mit dem Nacken auf einem Ei liegt.

  • Roman eines Schicksallosen
  • Imre Kertész
  • Roman
  • Rowohlt Verlag
  • ISBN: 9783499225765
  • 286 Seiten
  • Übersetzung von Christina Viragh

> Ganz kleiner Schwips < von Mascha Kaléko

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Mir ist so kognakfroh zumut!
Schon tanzen Wand und Schränke…
Ich sag dem Tischherrn, was ich von ihm denke
Und schließe draus: der Schnaps war gut.

Wenn andre taumeln, hab ich knapp nen Schwips.
Ich kann mich leider niemals ganz betrinken.
Und wenn die andern Hirne sanft versinken,
…Meins bleibt aus Gips.

Ich trink mit einem Frack auf „Du und Du“
Und hab selbst dabei noch Salonmanieren;
Denn neben mir geht mein Verstand spazieren
Und sieht still zu.

Ich denk an vorges Jahr um diese Zeit
Und möchte heimlich an die Türe gehn.
Nun hab ich einen Schwips, ein neues Kleid…
Für wen?

Du bist natürlich wieder mal nicht hier.
Wenn mir so grau wird, bin ich meist allein.
Mein Kater murrt. Vom Rathaus schlägt es vier.
Und morgen werd ich wieder traurig sein.

– Seite 95

  • Bewölkt mit leichten Niederschlägen
  • Mascha Kaléko
  • Büchergilde Gutenberg
  • ISBN 9783763271825
  • 331 Seiten

> Johanna < von Fritz Rosenfeld

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Zuerst…….das Cover ist einfach nur schön! Doch das hilft leider nur wenig über die traurige Lebensgeschichte der Waisen Johanna hinweg. Johanna ist vier Jahre alt als sie Vollwaise wird. Wir schreiben die goldenen 1920er Jahre. Doch die sind für das einfache Volk, alles andere als golden. Niemand will einen zusätzlichen Esser bei sich aufnehmen. So kommt es, dass Johanna versteigert werden soll. Es geht kein Gebot ein, da die Not zu groß ist. Der Bürgermeister bringt die kleine Johanna zu einer alten Häuslerin, an der Grenze des Dorfes. Zu Beginn gibt sich die alte Frau noch etwas Mühe mit Johanna. Jedoch verfällt die Alte alsbald dem Alkohol und für das Kind wird es die Hölle auf Erden. Die Nahrung wird ihr tagelang verweigert und sie wird zu einer billigen Arbeitskraft. Ein Unglück beschert Johanna eine neue Bleibe. Doch auch dort gilt sie nur als niedrigste Magd. Da ihr die Schule verwehrt wurde, gilt sie unter ihren Mitmenschen nichts. Johanna sehnt sie nach Zuwendung und Anerkennung. Aber auch dies mag nicht eintreten. Johanna reift zu einer Schönheit heran und die Männer lechzen nach ihrem Körper. Und so zieht es sich durch das karge, mühselige Dasein von Johanna. Harte Arbeit, immenser Hunger und ihr Körper dient für die männlichen Begierden.

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> Offene See < von Benjamin Myers

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Dieser Roman, wurde als > Lieblingsbuch < des -Unabhängigen Buchhandels- 2020 gekürt. Und ich falle gleich mit der Türe ins Haus: vollkommen zu Recht! Nun jedoch zuerst um was geht es in diesem Roman?

England im Jahre 1946, der Zweite Weltkrieg ist vorüber, wie auch die Schulzeit des 16 – jährigen Robert. Doch bevor Robert die Tradition seines Vaters und Großvaters weiterführt, nämlich unter Tage zu arbeiten, macht er sich allein auf den Weg. Robert will das Meer sehen und spüren. Er ist einige Tage per Pedes unterwegs, schläft im Freien und befindet sich zusehends mit der Natur im Einklang. Seinem Ziel schon sehr deutlich nahe kommt er unverhofft an einem verwunschenen Cottage vorbei. Die Besitzerin Dulcie zeigt sich dem jungen Mann wohlwollend. Robert wird üppig verpflegt und fühlt sich sichtlich wohl in Dulcies Gesellschaft. Diese ältere Frau zeichnet sich durch ihren Scharfsinn, ihre Intelligenz und die unglaublichen Kochkünste aus. Nun, aus einer Rast werden mehrere Tage……….

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> Die Liebe einer Frau < von Alice Munro

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Kurzgeschichten liegen mir an sich überhaupt nicht, doch Alice Munro ist nun mal eine sehr bekannte und mit dem Literaturpreis ausgezeichnete Autorin. Sie hat über einhundertfünfzig Kurzgeschichten und Erzählungen geschrieben, da blieb mir nichts anderes übrig. Ich gebe zu, ich bin eine Wiederholungstäterin, ich las vor ein paar Jahren > Tricks < von ihr und auch bei > Die Liebe einer Frau < kam ich zu dem gleichen Ergebnis. Doch erst einmal zum Inhalt:

Die Liebe einer Frau – eine Gruppe von drei Jungs findet eine männliche Leiche im See, nahe ihres Wohnortes. Es ist die Leiche des Optiker Willens. Die Umstände seines Todes bleiben zuerst unklar, denn Alice Munro schwenkt abrubt in eine andere Geschichte. Die Geschichte von der todkranken Mrs. Quinn und ihrer Krankenpflegerin Enid. Erst im weiteren Verlauf der Story vermischen sich beide Erzählstränge und werden zu einem stimmigen Ganzen. Doch lässt die Autorin den Schluss offen und bietet somit Raum für eigene Überlegungen.

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> Die Wahnsinnige < von Alexa Hennig von Lange

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Spanien, 1503: Johanna, die Tochter der unbarmherzigen Königin Isabella, soll, nachdem die Thronerben zu früh verstorben waren, ebendiesen beizeiten besteigen. Doch Johanna fühlt sich nicht als künftige Königin. Sie will nicht in die Fußstapfen ihrer bigotten und hartherzigen Mutter treten. Johanna ist zwar im Grunde gläubig, lehnt jedoch alles damit verbundene, schon allein aus Protest, ab. Diese junge, leidenschaftliche Frau neigt zu extremen Gefühls – und Wutausbrüchen. Ihre Tobsucht ist im Reich überall bekannt. So gilt sie schon bald als > Die Wahnsinnige < . Niemand scheint die Leiden von Johanna zu deuten. Sie strebt nach der Freiheit. Sie beansprucht die Selbstbestimmung. Doch dies, ist in dieser Zeit nur den Männern vorbehalten.

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