tausendléxi

Literatur & Zeitgeschehen

Monat: September 2019

> Messer < von Jo Nesbø

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Rakel, die große Liebe von Ermittler Harry Hole, wird ermordet in ihrem Hause aufgefunden. Dies zu einer Zeit als die beiden getrennt leben. Harry verliert mal wieder mehr und mit aller Härte den Boden unter den Füßen und frönt seinem besten Kumpel, dem Alkohol, in einem unüberschaubaren Maße.

Doch auch in seiner alkoholisierten Trauer geht Harry auf Spurensuche. Harry will den Mörder von Rakel zur Strecke bringen. Einer seiner Hauptverdächtigen ist Svein Finne. Er wurde schon einmal von Harry ins Gefängnis gebracht und sinnt wohl auf Rache. Hat Finne seine Rakel so grausam getötet, um sich an ihm zu rächen. Ein sehr hoher Preis. Doch liegt Harry Hole mit seiner Vermutung richtig?

> Svein Finne seufzte. Warum hatten alle solche Angst vor Messern? Es waren die ersten Werkzeuge der Menschheit, die Menschen hatten zweieinhalb Millionen Jahre Zeit gehabt, um sich daran zu gewöhnen, und noch immer gab es Leute, die deren Schönheit nicht erkannten und nicht einsehen wollten, dass unsere Vorfahren nur dank des Messers von den Bäumen hatten herabsteigen können. Das Messer nahm nicht nur Leben, es schenkte es auch. Das eine war ohne das andere nicht möglich. Nur wer das verstand, wer diese menschliche Seite konsequent akzeptierte, konnte das Messer lieben. Fürchten und lieben. Zwei Seiten derselben Medaille. <

Kaja, eine seiner Kolleginnen aus längst vergangenen Zeiten, unterstützt Harry bei der Beweisaufnahme. Mit ihr war er schon einmal zusammen, kehrte dann aber zu seiner geliebten Frau Rakel zurück. Nun leistet Kaja so gut sie kann beistand und den kann Harry nur zu gut gebrauchen. Nichts ist so, wie es scheint.

Mein Fazit: Mit sehr großer Freude wurde der 12.te Harry Hole Band, wie ein guter alter Bekannter in die Hände geschlossen. Sich gemütlich im Sessel zurücklehnend, erwartungsvoll und zum bersten gespannt, die Seiten gierig lesend. Doch Jo Nesbø und Harry Hole ließen sich fast 250 Seiten Zeit um mich wirklich zu interessieren. Da hinterfragt sich die Lesende, ob es wohl an ihr selbst liege. War sie wohl der Harry Hole Thriller, schlichtweg entwachsen. Ratlosigkeit machte sich breit und der leichte Anflug eines Abbruches wurde verzweifelt in Erwägung gezogen. Doch als hätten es Jo Nesbø und Harry Hole gespürt, schliffen sie ihre Messer sorgfältig nach und präsentierten einen manierlichen Thriller.

Die Startschwierigkeiten stimmen mich schon nachdenklich. Meine Tendenz oder Intension zu meinem vermeintlichen Täter, begann sich ab der Mitte des Buches langsam zu konkretisieren. Ein Bauchgefühl a´la Harry. Die Auflösung war vorhersehbar, doch in der Tat noch spannend erzählt. Wie man merkt, stehe ich diesem neuen Band von Jo Nesbø etwas ambivalent entgegen und kann nicht wie sonst eine eindeutige Empfehlung zu seinen Büchern aussprechen. Schade!

Ullstein – Buchverlage / ISBN: 9783550081736 / 574 Seiten

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker und lebt in Oslo. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit.
Die Hollywood-Verfilmung seines Romans – Der Schneemann – wurde mit Michael Fassbender in der Rolle des Harry Hole von u.a. Martin Scorsese produziert.
Die Filmrechte an »Blood on Snow. Der Auftrag« sicherte sich Leonardo di Caprio.

Bereits sein Krimidebut, »Der Fledermausmann« mit dem Ermittler Harry Hole wurde in Norwegen als »Bester Krimi des Jahres« ausgezeichnet. Mit »Rotkehlchen« gelang ihm international der Durchbruch. Die Reihe um Harry Hole umfasst inzwischen 12 Romane.  Daneben hat Jo Nesbø weitere Thriller wie »Headhunter«, »Der Sohn« oder die zweiteilige Reihe »Blood on Snow« geschrieben. ( Quelle Ullstein )

> Öhringen liest ein Buch < - 1.0

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Im Rahmen der 36. Baden – Württembergische Literaturtage 2019 und unter dem Motto > Öhringen liest ein Buch < traf man sich in der Hohenlohe’sche Buchhandlung Rau, um das ausgewählte Buch von Pia Ziefle > Länger als sonst ist nicht für immer < zu bereden, zu diskutieren und um neue Eindrücke zu erlangen und auch wieder zu geben.

Unter der Leitung von Markus Hassler, Bianca Föll und Marion Ehrenfried, die umrahmt wurden von LeserInnen des genannten Buches, entstand so ein sehr unterhaltsamer und interessanter Lesekreis. Kritische, positive, aufschlussgebende und hinterfragende Meinungen wurden in recht angenehmer Atmosphäre, wohlwollend, begeisternd, aber auch prüfend und beurteilend besprochen. Die interessanten Protagonisten, die verschiedenen Handlungsstränge, wurden beleuchtet und die individuellen Wahrnehmungen kund getan. Der daraus folgende Meinungsaustausch war bereichernd und lies einen wohl für alle TeilnehmerInnen stimmigen Abschluss des Abends zu.

Nächste Termine: Montag, 23. September 2019 – Montag, 30. September – jeweils ab 19.30

https://tausendléxi.de/laenger-als-sonst-ist-nicht-fuer-immer-von-pia-ziefle

> Ein wenig Leben < von Hanya Yanagihara

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Willem, Malcom, JB und Jude werden schon in jungen Jahren enge Freunde, mit Höhen und Tiefen. Bekannt waren sie als < Boys in the hood<.

Willem ist das einzigste, überlebende Kind seiner Eltern. Er fühlt sich für Jude auf gewisse Weise verantwortlich und hinterfragt nicht das Tun und Handeln von Jude.

Malcom, kommt aus gut situiertem Hause ohne jegliche Geldsorgen. Er ist Architekt und möchte endlich aus dem Schatten seines Vaters treten.

JB, ist ein innerlich zerrissener Mensch. Er wird von seiner Kunst aufgerieben und auch aufgetrieben.

Jude, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, betört mit seiner charismatischen Art und verschleiert so etwas seine Gehbehinderung.

Vier Leben zu einem großen Ganzen innigst verbunden. Jude, die gequälte Seele, keiner seiner Freunde weiß von seiner Vergangenheit. Er hält die furchtbaren Erlebnisse ganz tief unten in seinem gebeutelten Herz verborgen. Nur manchmal reagiert sein geschundener Körper und dann hat Jude sehr große Mühe seine Emotionen in Zaum zu halten.

> Bist du glücklich? < hatte er Jude einmal gefragt ( sie mussten betrunken gewesen sein).

> Ich glaube, Glücklichsein ist nichts für mich<, hatte Jude nach einem kurzen Zögern geantwortet, so als hätte Willem ihm etwas zu essen angeboten, auf das er keinen Appetit hatte.

> Aber für dich schon, Willem.< ( Seite 311)

JB fügt, durch eine sehr unverschämte Aktion, dem starken Vierblättrigen – Freundschafts – Kleeblatt, empfindliche Risse zu.

Mein Fazit: Es fällt mir schwer diesem Buch wohl wirklich gerecht zu werden. Diese Männergemeinschaft ist eine Ode an die Freundschaft. Eine Freundschaft mit gegenseitiger Zuneigung und Fürsorge. Sie wird gebeutelt und schwer geprüft. Diese miteinander verwobenen Leben, sind faszinierend beschrieben und vermögen so ein leichtes Abtauchen in diesen Roman. Ein Roman der mit gewaltigen Gefühlen randvoll gefüllt ist. Hanya Yanagihara hat in ihrem Buch > Ein wenig Leben< einen ganz besonderen Epos geschaffen. Alle Charaktere sind detailreich coloriert und in sieben Kapiteln zu finden. Die Stimmungen und Schwingungen vortrefflich herausgearbeitet. Da finden wir innigste Glückseligkeit aber auch den heftigsten, ja sogar brutalsten Schmerz. Und dennoch, oder gerade weil dieses Buch so konzipiert ist, ist es ein Buch zum verschlingen und abtauchen. Ein wahrlich schrecklicher und sehr schöner Roman. Große Leseempfehlung!

Piper Verlag / ISBN: 9783492308700 / 957 Seiten

Hanya Yanagihara, 1974 geboren, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Mit ihrem Roman “ Ein wenig Leben“ gewann sie den Kirkus Award und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize, des National Book Award und des Baileys Prize. „Ein wenig Leben“ ist eines der bestverkauften und meistdiskutierten literarischen Werke der vergangenen Jahre. Eine TV-Serie, produziert von Scott Rudin (The Social Network, No Country for Old Men, Frances Ha, Grand Budapest Hotel), ist in Vorbereitung. Yanagihara ist Chefredakteurin des „T Magazine“ der „New York Times“. ( Quelle Hanser Literaturverlage )

> Der Stotterer < von Charles Lewinsky

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Johannes Hosea Stärckle ist ein Stotterer. Er verbüßt wegen Betruges eine Haftstrafe. Dieser besagte Johannes Hosea ist ein hochintelligenter, jedoch psychisch gestörter Mensch. Dem Anstaltspfarrer, Johannes nennt ihn Padre, schreibt er in vielen Briefen seine turbulenten, fantastischen und überaus raffiniert wirkende Lebensgeschichten.

Diese Lebensgeschichten sind zu bersten gefüllt mit gelungener Spannung, scharfsinnigen Witz, reizvollem Charme, innigster Traurigkeit und einem lebenslustigen Galgenhumor. In diesen Briefen ist es Johannes Hosea möglich, seine überaus brillante Sprachgewalt ins gleißende Licht zu stellen.

> Ich liebe Worte. Ich liebe es zu lesen, und ich liebe es zu schreiben. Beim Schreiben stottere ich nicht. Win – win.<

Das Lügengebinde von Johannes Hosea ist gar abenteuerlich zusammengestellt. Er besticht durch seine bibelfesten Ausführungen und vor allem, durch seine Schoppenhauer – Zitate. Johannes Hosea Stärkle ist eine lebende Wundertüte.

> Die Wahrheit kann warten, denn sie hat ein langes Leben vor sich. < Arthur Schoppenhauer

Mein Fazit: Charles Lewinsky führt temporeich durch seine Story, er hat den höchsten Gang eingestellt. Wir rasen von einer Episode zu nächsten. Sehr eloquent und überladen sind die Ausführungen und ein leiser Verdacht kommt auf. Ist das hier Manipulation durch die Sprache, die Charles Lewinsky gewählt hat? Manipulation in Form von einer bombastisch geschwängerten Wortwahl. Nun, die Story ist durchaus gelungen, doch hätte es ihr in der Tat gutgetan, sie nicht so zu überladen. Eines ist hier in diesem Hörbuch wirklich herausragend, der Sprecher Robert Stadtlober. Er konnte mich sehr begeistern mit seiner Stimme, die so perfekt zum Roman passte. Allein schon seine Ausführungen sind es absolut wert, dieses Hörbuch zu genießen.

Diogenes Hörbuch / ISBN: 9783257804065 / 610 Minuten

Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, ist seit 1980 freier Schriftsteller. International berühmt wurde er mit seinem Roman ›Melnitz‹. Er gewann zahlreiche Preise, darunter den französischen Prix du meilleur livre étranger sowie den Preis der Schillerstiftung. Sein Werk erscheint in 14 Sprachen. Charles Lewinsky lebt im Sommer in Vereux (Frankreich) und im Winter in Zürich.

https://robertstadlober.com/

> #5redbooks < auf Instagram

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Aus einer sehr spontanen Idee, entwickelte sich unerwartet Schönes. Bei der Absicht ein Foto von 5 roten Büchern zu posten, fand ich den hashtag #5redbooks gar jungfräulich danieder liegen. So habe ich die Gunst der Stunde ergriffen und kurzerhand entwickelte sich eine geradezu bombastische challenge!

Allen Mitwirkenden nochmals ein herzliches vergelt´s Gott! Ihr habt die Bücherwelt bereichert und verschönt!

> Die unbewohnbare Erde< von David Wallace - Wells

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Wie wird die Erde in 30 Jahren aussehen? Wie in 50 Jahren? Und wie lange wird unser Planet überhaupt noch bewohnbar bleiben?

Die heute schon spürbaren und die schlimmstmöglichen Folgen der Klimaerwärmung sind das Thema des Journalisten David Wallace-Wells in diesem spektakulären Report. Wie kann und wird das Leben auf der Erde in nur 40, 50, 60 Jahren aussehen? Sicher ist: Heutige Teenager und Kinder werden noch erleben, wie sich die Bedingungen für die Menschheit auf der Erde dramatisch verschlechtern, sie werden erleben, wie sie in Teilen unbewohnbar wird. Wallace-Wells macht die vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Mehrheit der Menschen oft gar nicht erreichen, begreifbar, ja fühlbar. Und am Ende steht die drängende Frage: Haben wir überhaupt noch eine Chance, das Unheil abzuwenden? ( Quelle Randomhouse )

> Denn das ist der Pfad, den wir heute so unbekümmert beschreiten – hin zu einer Erderwärmung um mehr als vier Grad bis 2100. Laut einigen Schätzungen würde das bedeuten, dass große Gebiete von Afrika, Australien und den vereinigten Staaten, die Teile von Südamerika, die nördlich von Patagonien liegen, und ganz Asien südlich von Sibirien durch Hitze, Verwüstung und Überschwemmungen unbewohnbar wären. Ganz sicher wären sie und viele andere Regionen unwirtlich. So sieht unser Fahrplan für die Zukunft aus, zumindest sind das die Eckpunkte. Und wenn unser Planet innerhalb der Lebensspanne einer Generation bis an den Rand einer Klimakatastrophe gebracht wurde, bedeutet das, dass die Verantwortung dafür, das abzuwenden ebenfalls einer einzigen Generation zufällt. Wir wissen auch, wem – uns. < ( Seite 15 )

David Wallace – Wells hat hier in seinem Buch, unglaublich, massenhaft Fakten, Vermutungen und Thesen zusammen getragen. Er veranschaulicht, mit Quellen belegt, die Zukunft von uns und unseren Nachkommen, auf absolut erschreckende Weise. Das Buch ist sehr leicht verständlich, in Kapiteln unterteilt, jedoch schonungslos geschrieben und ich konnte es nur Seitenweise lesen. Denn die Beklemmungen, die ausgelöst wurden, empfand ich geradezu beängstigend. Doch in der Tat gehört es zu den Büchern, die sich ein Jeder / eine Jede tunlichst bald, zu Gemüte führen sollte. So wäre zumindest meine Empfehlung. Ich habe den Einblick in > Die unbewohnbare Erde < bewusst knapp gehalten und zwar aus einem ganz simplen Grund. Um nicht abzuschrecken, sondern, so hoffe ich inständig, Interesse zu wecken. Ein Interesse, das uns alle angeht!

Ludwig – Verlag / Deutsche Erstausgabe / ISBN: 9783453281189 /334 Seiten

David Wallace – Wells ist Kolumnist und stellvertretender Chefredakteur beim „New York Magazine“, wo er häufig zu Themen wie dem Klimawandel und der Zukunft von Wissenschaft und Technologie schreibt. Im Juli 2017 verfasste er eine Titelgeschichte zu den dramatischen Konsequenzen der Erderwärmung, die innerhalb kürzester Zeit Millionen Leser erreichte und der meistgelesene Artikel in der Geschichte des Magazins wurde. Er löste damit eine globale Debatte unter Wissenschaftlern und Journalisten aus, über die Art und Weise, wie über die Bedrohung durch den Klimawandel informiert werden sollte.

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