Louise Erdrich > Der Klang der Trommel <

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>Es gibt Trommeln, die heilen, und Trommeln, die töten können. Sie werden eins mit dem Menschen, der sie hütet. <

Faye Travers hat zwar Indianerblut in ihren Adern, mit ihrer Herkunft verbindet sie nur noch die Begeisterung für indianische Antiquitäten. Bis sie auf eine wunderschöne alte Trommel stößt. Die Suche nach ihrem rechtmäßigen Besitzer führt Faye ins Indianerreservat und wird bald zu einer Entdeckungsreise in die Geschichte ihrer eigenen Familie……..so der Klappentext.

Faye lebt mit ihrer Mutter Elsie zusammen in einem Haus und führen gemeinsam Haushaltsauflösungen durch. Sie sichten wertvolles Porzellan, kostbare Möbelstücke und zwischen Krimskrams, Hummelfiguren und vieles anderes. Ein meist lukratives Geschäft. Das Faye sich mit ihrer Mutter nun gut versteht war nicht immer so. In der Kindheit von Faye, war die Mutter oftmals nicht da. Über die Jahre haben sich beide einander genähert und bestreiten ein beschauliches Leben. Der Nachbar Kurt besucht Faye ab und an in der Nacht. Nach einem tragischen Ereignis sucht Kurt immer öfter Fayes Nähe. Doch sie kann dies im Moment nicht ertragen. Sie hadert mit sich.

Bei einer erneuten Haushaltsauflösung findet Faye eine Trommel. Magisch von ihrem Fund angezogen, stiehlt sie die Trommel. Doch die Trommel birgt viele Geschichten und Geheimnisse in sich und es ist nicht gewiss ob Faye mit diesem Diebesgut ihr Glück findet.

Mit >Der Klang der Trommel < hat Louise Erdrich wieder einmal ihre poetische und gefühlvolle Prosa unter Beweis gestellt, ohne den Roman schmalzig dahin plätschern zu lassen. Viele Geschichten sind miteinander verwoben und werden ganz klar zu einer großen Story. Im Laufe weist dieser Roman leider etwas zuviel Länge auf . Doch erfolgt eine Belohnung die ich nicht missen möchte, in Form eines Zitates.

>Das Leben wird dich zerbrechen. Niemand kann dich davor schützen, auch nicht das Alleinsein, denn auch die Einsamkeit wird dich mit ihrer Sehnsucht zerbrechen. Du mußt lieben. Du mußt fühlen. Dafür bist du auf der Welt. Du bist hier, um dein Herz aufs Spiel zu setzen. Du bist hier, um dich verschlingen zu lassen. Und wenn du dann zerbrochen wirst oder verraten oder verlassen oder verletzt, oder wenn der Tod dich streift, setz dich unter einen Apfelbaum, hör zu, wie um dich herum die Äpfel zu Boden fallen und ihre Süße verschwenden, und sage dir, daß du so viele von ihnen gekostet hast, wie du konntest. <

4 von 5

Suhrkamp Verlag / ISBN: 978-3-518-46083-2 / 327 Seiten

Louise Erdrich, 1954 in Little Falls, Minnesota als Tochter einer Indianerin und eines Deutschamerikaners geboren, wuchs inNorth Dakota auf. Von 1976 bis 1979 studierte sie Anthropologie an der Johns-Hopkins-Universität. Danach nahm sie Jobs als Kellnerin und als Literaturlehrerin in einem Gefängnis und als Sekretärin einer Baufirma an, bevor sie Redakteurin der Zeitschrift Circle wurde. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit führt sie eine unabhängige Buchhandlung. Erdrich wurde für ihre Romane und Gedichtbände mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihren fünf Kindern in Minnesota.

Katrine Engberg > Blutmond <

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Jeppe Kørner ermittelt mit seiner Kollegin Anette Werner in einem neuen Fall. In einer eiskalten Nacht im Januar, treffen sich die Größen der Modewelt von Kopenhagen. Sie feiern und sie trinken, als der Designer Bartoldy draußen im Schnee zusammenbricht und verstirbt.

Was hat Jeppe’s guter Freund Johannes mit dem Tod zu tun, er kannte den Toten gut, sehr gut. Johannes taucht unter und es gibt einen weiteren Todesfall. Jeppe und Anette geraten unter Druck. Auch im privaten Bereich scheint einiges im Argen. Anette fühlt sich gesundheitlich angeschlagen, Herzrasen und Bluthochdruck versetzen sie in Panik. Und Jeppe, dieser hat sich eine blutjunge Gespielin zugelegt, doch Zweifel plagen ihn. Will er das überhaupt so ?

Der Blutmond verkündet das Unheil, dies wollen Jeppe und Anette verhindern, doch scheint es, dass sie immer ihrer Spur hinterherhinken. Johannes steht im Mittelpunkt ihrer Verdächtigen, von diesen es zunehmend mehr werden. Was übersehen sie ? Wird die Zahl der Todesopfer steigen ? Alles und nichts scheint möglich !

Nach dem ersten gelungenen Fall des dänischen Ermittlerduos, > Krokodilwächter <, hat sich dieser > zweite < qualitativ gesteigert. Fesselnd und rassant sind die Abläufe gehalten. Der Spannungsbogen ist kräftig gespannt. Auch zwischenmenschlich wird des Ermittlerduo gefächerter dargestellt. Es menschelt und bringt der Story eine gute Portion Symphatiepunkte.

Katrine Engberg hat hier mit ihrem Buch die Messlatte wieder etwas angehoben. Sie versteht ihr Handwerk eines gut konstruierten Thrillers. Das macht Lust auf mehr von ihr!

5 von 5

Diogenes Verlag / ISBN: 978-3-257-07058-3 /468 Seiten

Katrine Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, arbeitet für Fernsehen und Theater und ist als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin landesweit bekannt. Mit ›Krokodilwächter‹ hat sie in der Welt des skandinavischen Thrillers debütiert. ›Blutmond‹ ist der zweite Fall für Kørner und Werner. Sie lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen.

Martina Bergmann > Mein Leben mit Martha <

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Martina kümmert sich um Martha. Martha ist Mitte achtzig und in einer > poetischen Verfassung <. So nannte es Heinrich, der Mann, mit dem Martha fast vierzig Jahre zusammen lebte . Aber jetzt ist Heinrich tot, und Martina beschließt, sich der alten Dame anzunehmen, ohne mit ihr verwandt zu sein oder sie auch nur gut zu kennen. Sie gründet mit ihr eine Wohngemeinschaft der anderen Art. Kann das gutgehen ? ( So der Buchrückentext. )

Marthas > poetische Verfassung < wird geläufiger als Demenz beschrieben. Sie bemüht sich, alle für sie wichtig erscheinenden Informationen aufzuschreiben. Dies klappt mal mehr und mal weniger. Die Demenz, hat ihr ihre direkte und forsche Art nicht genommen, sondern nur verändert. Martha kommt sehr gut klar mit ihrer geistigen Veränderung, doch ihr Umfeld tut sich schwer. Manche Nachbarn beobachten sie argwöhnisch bei ihren Aktivitäten. Restaurantbesuche mit unemphatischen Personal enden peinlich. Martha hat studiert und ihr Leben gemeistert, nun ist sie aus dem Vakuum der Normalität gefallen und muss sich so manche Unverschämtheit gefallen lassen. Am liebsten möchte man sie > wegsperren <. Doch die Buchhändlerin Martina, nimmt sich ihrer an. Das hat sie Heinrich versprochen. Doch dieses Unterfangen gestaltet sich kräftezehrend.

>Du musst nicht meinen, sie sei dumm < sagte Heinrich später. > Sie war immer geistreich, und das ist sie bis heute. Sie ist nur irgendwie verschaltet.<

Martina Bergmann hat ein literarisches Plädoyer für das würdevolle Zusammenleben der Generationen geschrieben. Sie schildert ihr Leben mit Martha auf liebe – und humorvolle Weise. Der Roman wirkt schnörkellos Klar und weckt die Lust auf ein buntes und bereicherndes Leben im Alter. Wir brauchen mehr Martinas für die vielen Marthas! Innige Leseempfehlung !

Eisele Verlag GmbH / ISBN: 978-3-96161-053-2 / 222 Seiten

Martina Bergmann wurde 1979 in Ostwestfalen geboren und wuchs dort auf. Nach dem Abitur floh sie in große Städte. Sie ist ausgebildete Verlagsbuchhändlerin und studierte Geisteswissenschaften. Mit dreißig bekam sie Heimweh. Ihr Schreibtisch steht seither in Borgholzhausen, wo sie als Autorin, Verlegerin und Buchhändlerin arbeitet. Seit einigen Jahren lebt sie in Gemeinschaft mit einer alten Dame in poetischer Verfassung und ist glücklich dabei.


Jutta Maria Herrmann > Wähle den Tod <

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Jana Langenfeld hat alle Brücken zu ihrem alten Leben eingerissen. Als liebevolle Gattin und Mutter lebt sie vor den Toren Berlins. Niemand ahnt, dass Jana nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Doch als sie eines Morgens den Familienhund tot im Garten findet, kehrt die Angst zurück, und mit ihr die Erinnerung an ein längst vergangenes Unrecht. Dann verschwinden Janas Kinder und Jana muss erkennen: Wenn dich die Vergangenheit einholt, wird die Gegenwart zur Hölle auf Erden … ( so der Klappentext)

Dies war mein vierter Psychothriller von Jutta Maria Herrmann den ich nun gelesen habe. Buch fünf in dieser Art wird wohl im April erscheinen. Die Bücher bedienen keine Reihenfolge und dennoch darf ich sagen, die Qualität steigt von Buch zu Buch. Das ist wunderbar und begeistert mich sehr.

Wie immer hält die Autorin den Spannungsbogen, zum bersten gespannt. Lügen die viele Jahre sich festigen konnten, werden nun zu einer großen Bedrohung. Sie schleichen sich in kleinen Dosen in den Alltag und drohen zu einem großen Ganzen zu werden, dass durch einen Funken ausgelöst, das Lügengebilde zur Explosion hin steuert. Und genau darin liegt die Stärke von Jutta Maria Herrmann. Meine eigenen Ermittlungsversuche wurden immer wieder vereitelt. Das Finale hallt nach! Sehr gut, Jutta Maria Herrmann, ich freue mich schon auf Buch fünf!

5 von 5

Knaur Taschenbuch / ISBN: 9783426519981 / 301 Seiten

Die deutsche Autorin Jutta Maria Herrmann, hat Germanistik und Filmwissenschaften studiert und im Anschluss daran als Buchhändlerin, Putzfrau, Sekretärin und Synchrondrehbuch-Autorin gearbeitet. Ihren ersten Thriller „Hotline“ veröffentlichte die ehemalige Veranstalterin von Punkkonzerten, die mit der Hausbesetzerszene sympathisierte, im Jahr 2014. Inzwischen veröffentlichte die Schriftstellerin, die in der Politikredaktion einer Tageszeitung arbeitet, mehrere Psychothriller.

Tore Renberg > Von allen Seiten <

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Norwegen, Ben und sein älterer Bruder Rikki, fristen ihrem Dasein bei ihrem geizigen und gewalttätigen Vater und ihrer psychotischen Mutter. Der einzige Wermutstropfen der beiden, der sich in der Adoleszenz – Phase befindlichen Jugendlichen, ist das schnüffeln von Benzin. Doch dann, hat der intelligente und charismatische Ben einen unglaublich waghalsigen Plan. Zusammen mit seinem Bruder Rikki will er sich auf den Weg zu Onkel Rudi machen um mit ihm gemeinsam, dem grauenhaften Vater seines vielen Geldes zu berauben.

Rudi und sein Bruder sind sich verhasst und jede Art von Kontakt ist abgebrochen. Er lebt mit seiner schwangeren Freundin Cecilie und seinem besten Freund Jan Inge gemeinsam in einem Haus. Rudi freut sich sehr auf den Nachwuchs und möchte sein chaotisches und gewaltbereites Leben gerne ändern. Er arbeitet daran. Rückfälle nicht ausgeschlossen. Auch Jan Inge möchte sein Leben positiv verändern, doch dafür benötigt er Geld, viel Geld .

Tommy Pogo, Leiter der Projektgruppe > Wiederholungstäter < bei der Polizei, beschäftigt einen Spitzel der die > schwarzen Schafe < beobachtet und aushorcht. Dieser Spitzel, selbst einiges auf dem Kerbolz, hat den nächsten Coup am Start.

Drei Erzählstränge fügen sich hier zum großen Ganzen, speedmäßig zusammen. Doch das Schicksal wählt einen ganz anderen Weg. Tore Renberg glänzt mit einer dichten Story, die an Intensität, schrägem Humor und absoluter Spannung kaum zu toppen ist. Sein brillianter Erzählstil ist teilweise obszön und hemmungslos anmutend, doch dies verleiht dem Ganzen die gewisse Würze. Mit einem rasanten Tempo fliegen die Seiten nur so dahin und lassen uns in faszinierende Situationen abtauchen. Und ganz obendrauf, nach all der großen Spannung, der Tragik und des wärmenden Humors, kredenzt er uns als Sahnehäupchen, die Angst. Tore Renberg, gehört zu einer meiner Entdeckungen 2019! Wärmste Leseempfehlung !

5 von 5

Wilhelm Heyne Verlag / ISBN: 978-3-453-27145-6 / 541 Seiten

Tore Renberg, 1972 in Stavanger geboren, ist Schriftsteller und Musiker. Seit seinem Debüt 1995 hat er mehrere preisgekrönte Romane geschrieben, die durch ihre Sprachgewalt für Aufsehen sorgten. Der kommerzielle Durchbruch gelang mit »Mannen som elsket Yngve« (»Der Mann, der Yngve liebte«), der zu einem der meistgelesenen Romane des Jahrzehnts in Norwegen avancierte und später erfolgreich verfilmt wurde.

Angela Lehner > Vater unser <

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Eva Gruber, wird von der Polizei in die psychiatrische Abteilung eines alten Wiener Spitals gebracht. Sie erzählt dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Aufgewachsen in einer erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Sie erzählt vom Zusammenleben mit ihren Eltern und ihrem Bruder, der seit langem krank ist. Auf ihren Vater ist Eva nicht gut zu sprechen. Sie würde ihn am liebsten umbringen.

>Ein freier Tod ist eine Gnade, die einem die Gesellschaft nicht zugesteht.<

Eva erweckt den Anschein, dass sie ihren Bruder retten will. Dieser ist ebenfalls im selben Spital. Behauptet sie deshalb, dass sie Kinder eines Kindergartens getötet hat, um ihm nahe zu sein ? Verfolgt sie eine Strategie ? Ja, nein, vielleicht………….

Intrigant und gemeingefährlich , gespickt mit Intelligenz, ist eine explosive Mischung. So wirkt Eva auf ihr Umfeld. Ist sie wirklich so, oder führt sie alle an der Nase herum ? Der Bruder hingegen, scheint äußerst labil, schwach und unfähig. Bernhard, ist nicht erfreut Eva wieder zu sehen und begegnet ihr mit Ablehnung und Misstrauen. Was hat Eva vor?

Fragen über Fragen, ziehen sich durch diesen Debütroman von Angela Lehner. Kaum, scheinbar einer Lösung nahe, wird die nächste Lüge präsentiert. Aber was ist denn hier die Wahrheit, und was die Lüge ? Angela Lehner versetzt den Leser* ist eine gefühlsmäßige, chaotisch und turbulente Achterbahnfahrt. Die Story heizt mit Tempo vom einem zum anderen Debakel. Gemütliche Lesezeit funktioniert anders, aber so ist auch der Roman gehalten: schnell, frech, rotzig !

Ich habe das Buch gerne und mit Spannung gelesen. Es ist besonders ! Doch kann ich es nicht wirklich einordnen, da sich mir der Sinn der Story nicht wirklich erschlossen hat. Es lässt mich nachdenklich zurück.

Hanser Verlag / ISBN: 978-3-446-26259-1 / 284 Seiten

Angela Lehner, geboren 1987 in Klagenfurt, lebt in Berlin. Für ihr Schreiben hat sie mehrere Literaturpreise und -stipendien erhalten. “ Vater unser “ ist ihr erster Roman.

Heinz Helle > Eigentlich müssten wir tanzen <

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Eine Gruppe junger Männer verbringt ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Zu Fuß versuchen sie, sich in ihre Heimatstadt durchzuschlagen. Sie funktionieren so gut sie können. Tagsüber streifen sie durch das zerstörte Land, Nachts durch ihre Erinnerung. Auf der Suche nach dem Grund am Leben zu bleiben. ( So der Klappentext)

Der Ich – Erzähler ist mit seinen Kumpels Fürst, Golde, Drygalski und Gruber unterwegs. Sie versuchen sich durch Reste, die sie in geplünderten Häusern und Läden finden, am Leben zu halten. Die Stimmung zwischen ihnen ist deutlich abgekühlt. Der Kampf um das nackte Leben hat sie alle auf das furchtbarste überrollt. Traumatisiert versuchen sie ihr Glück.

>Andere Fragen werden seltener. Wir sind ein über mehrere Körper verteilter Wille geworden, und neben dem Teil des Willens, den jeder von uns in sich trägt, ist kein Raum für irgendetwas anderes.

Wir wollen leben. <

Gespräche unter den Freunden, werden nur über die Notwendikeiten des Tages geführt. Wer sammelt Holz, wer holt Wasser, wer macht Feuer, wer hat ein totes Tier.

Werden es die fünf allesamt schaffen ? Werden sie gemeinsam überleben ?

Heinz Helle hat sich mit diesem Buch, an existentielle Fragen heran gewagt. Was bedeutet Freundschaft im Angesicht des Todes ? Und was bedeutet Leben, wenn das einzige, was bleibt, der Kampf gegen das Verhungern ist? Diese Apokalypse die hier beschrieben wird, ist von einer massiven und beklemmenden Art. Die Verrohung der Menschheit geschieht in sehr kurzer Zeit. Ebendas macht der Autor in einigen Situationen deutlich sichtbar. Die Story ist dicht und ohne Schnörkel, und gerade dies fängt die Gegebenheiten besonders heftig ein. Wer eine Schwäche für Dystopien hat, ist hier gut aufgehoben. Aber auch für neugierige Leser*, bietet dieses Buch interessante Einblicke. Klare Leseempfehlung !

4 von 5

Suhrkamp Verlag / ISBN 978-3-518-42493-3 / 172 Seiten

Heinz Helle, geboren 1978, Studium der Philosophie, Arbeit als Texter in Werbeagenturen, Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts, lebt mit Frau und Kind in Zürich. Sein Romandebüt Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin stand auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises 2014. Sein zweiter Roman, Eigentlich müssten wir tanzen, war für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert.


Joey Goebel > Irgendwann wird es gut <

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>Irgendwann wird es gut < dies scheint der allgemeine Slogen der Stadt Moberly, in Kenntucky, zu sein. Anthony Dent bereitet jeden Abend kurz vor sechs Uhr zwei Drinks zu. Für sich und seine Angebetete. Sie kommt wie immer pünktlich, im Fernsehen. Anthony nimmt eine Chance wahr > seine Frau < endlich kennen zu lernen. In real life !

Elena und Paul Bockelmann, Mutter und Sohn, sind ein tragisches Paar in Moberly. Beide sind geplagt von Depressionen und Zusammenbrüchen. Doch sie halten rührend zusammen. Immer in der Hoffnung nach Besserung der Gemütslage.

Luke, Ryan und Kevin sind eine junge Band, die vor ihrem ersten Auftritt steht. Sie üben, organisieren und sind sehr aufgeregt. Wird das Publikum ihre Musik mögen?

Die junge Aushilfslehrerin Stephanie, macht ihren Kursteilnehmern ein ungewöhnliches Angebot. Einer nimmt es an.

Dan ist genervt ! Sein Leben läuft seit längerer Zeit unrund. Erschwerend dazu muss er täglich während der Arbeitszeit einen bestimmten Radiosender hören. Seine Chefin will dies so. Eines Tages beschließt er dem Moderator seine Meinung kund zu tun.

Matt steigt in einem Motel ab. Im Gepäck einige Dosen Bier. Mit jeder getrunkenen Dose fühlt er sich einsamer. Seine Versuche mit anderen Motelbewohnern in Kontakt zu treten gestalten sich zäh bis aufregend.

Die zwöljährige Charly, freundet sich mit Mr. Baynham an. Sie führen intelligente und sehr höfliche Gespräche. Doch böse Zungen sehen diese Zweisamkeit unter anderem Licht.

Bubbles, eine deutsche Dogge, ist für seine sehr betagte Herrin, das ein und alles. Doch dieser Hund ist zu mehr fähig.

Beth liegt im Krankenhaus, sie erwartet ihren Retter. Dieser offenbart ihr den wahren Grund seiner Tat.

Winston Hermann hat seit drei Jahren sein Haus nicht mehr verlassen. < Er hat der Welt den Rücken gekehrt.< Jedoch eines Tages, bei einem Blick aus dem Fenster, sieht er eine Frau die ihn fasziniert. Ab da sieht er sie täglich vorbeigehen. Was wird er tun ?

Joey Goebel ist hier ein besonderer Plot gelungen. Zehn Story´s rund um die Bewohner aus Moberly und alle sind irgendwie mitteinander verwoben. Ob als Freund, Nachbar, Kollege oder Familienmitglied. Er schreibt lässig, mit Blick auf die Gefühlswelt. Diese ist skizzenhaft tragisch angehaucht. Joey Goebel schafft es, auch die fragmentarischen , ausweglosen Situationen mit einer guten Portion an Humor zu versüßen. Dieser ganze Moberly – Brei hat es in sich. Die Zutaten sind gut gewählt, Depression und Manie, Angst und Mut, Verzweiflung und Hoffnung. Sie geben gut temperiert eine homogene Konsistenz. Diesen Brei löffelt man mit Genuss! Klare Leseempfehlung !

5 von 5

Diogenes Verlag / ISBN: 978-3-257-07059-0 / 313 Seiten

Joey Goebel, 1980 in Henderson, Kentucky, geboren, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Musiker – ein weltweit gefeiertes Multitalent. Seine Romane ›Vincent‹, ›Freaks‹ und ›Heartland‹ wurden in 14 Sprachen übersetzt. Joey Goebel hat einen kleinen Sohn und lebt in Henderson, wo er englische Literatur unterrichtet.

Dörte Hansen > Mittagsstunde <

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Ingwer Feddersen, Archäologe und Hochschullehrer, kehrt seinem Kieler Domizil, den Rücken, um nach 25 Jahren in sein nordfriesisches Heimatdorf Brinkebüll zurückzukehren. Seine Großeltern benötigen seine Hilfe. Die Großmutter Ella ist demenziell erkrankt und der Großvater Söhnke, versucht in seinem hohen Alter noch die Stellung in seinem verlebten Gasthof zu halten.

Ingwer selbst hat das Sabbatical gewählt, schon um seinen Großeltern bei zu stehn, aber auch um in verschiedenen Angelegenheiten seines Lebens eine klarere Sicht zu erlangen. Er wohnt seit vielen Jahren in einer WG, mit Ragnhild, mit ihr führt er eine langjährige Beziehung, und mit Claudius. Die Luft ist raus. Doch was nun ?

Brinkebüll hat sich sehr verändert, der Fortschritt hat auch hier nicht halt gemacht. Es gibt keine Schule mehr im Dorf, keinen Bäcker und keinen Kaufmann. Auf den Feldern keine Kühe, nur noch Mais und Wind. Doch noch immer steht Söhnke Feddersen hinter seinem Tresen.

Mit großer Geduld umsorgt Ingwer seine Großeltern, die ihn wie ihren Sohn aufzogen, da seiner Mutter, dies nicht möglich war. Viele Geheimnisse werden im Dorf gehütet, nur ab und an wollen sie an die Oberfläche, um sie dann wieder für lange Zeit zu ignorieren.

> Es gab in Brinkebüll viel Ungesagtes, manches schwebte jahrzehntelang durchs Dorf, von Haus zu Haus, von Hof zu Hof. Mal landete es kurz, wenn jemand ein paar Worte fallen ließ, betrunken meistens, nicht sehr treffsicher. Dann trieb es weiter, Angehauchtes und Vermutetes und Unaussprechliches und halb Vergessenes.<

Dörte Hansen hat ein ruhiges Buch geschrieben, ein sehr ruhiges Buch! In wunderschönen Worten, wie eine liebevoll gehäkelte Spitzeborte, führt sie uns nach Brinkebüll. Sie erzählt von der Gegend und den Menschen, sie sagt aber nichts. Der Plot ist im wahrsten Sinne – platt! Klar, gibt es auch gelungene Geschehnisse, doch die sind leider für die 319 Seiten einfach zu wenig. Mittagsstunde hat mich in einem Moment getroffen, an dem ich nicht sehr empfänglich für in die Länge gezogene Beschreibungen war. Schade !

3 von 5

Penguin Verlag / ISBN:978-3-328-60003-9

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, arbeitete nach ihrem Studium der Linguistik als NDR-Redakteurin und Autorin für Hörfunk und Print. Ihr Debüt »Altes Land« wurde 2015 zum »Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels« gekürt und avancierte zum Jahresbestseller 2015 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman »Mittagsstunde« ist im Herbst 2018 erschienen und wird von Lesern und Kritik gefeiert. Dörte Hansen lebt mit ihrer Familie in Nordfriesland.