Tore Renberg > Von allen Seiten <

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Norwegen, Ben und sein älterer Bruder Rikki, fristen ihrem Dasein bei ihrem geizigen und gewalttätigen Vater und ihrer psychotischen Mutter. Der einzige Wermutstropfen der beiden, der sich in der Adoleszenz – Phase befindlichen Jugendlichen, ist das schnüffeln von Benzin. Doch dann, hat der intelligente und charismatische Ben einen unglaublich waghalsigen Plan. Zusammen mit seinem Bruder Rikki will er sich auf den Weg zu Onkel Rudi machen um mit ihm gemeinsam, dem grauenhaften Vater seines vielen Geldes zu berauben.

Rudi und sein Bruder sind sich verhasst und jede Art von Kontakt ist abgebrochen. Er lebt mit seiner schwangeren Freundin Cecilie und seinem besten Freund Jan Inge gemeinsam in einem Haus. Rudi freut sich sehr auf den Nachwuchs und möchte sein chaotisches und gewaltbereites Leben gerne ändern. Er arbeitet daran. Rückfälle nicht ausgeschlossen. Auch Jan Inge möchte sein Leben positiv verändern, doch dafür benötigt er Geld, viel Geld .

Tommy Pogo, Leiter der Projektgruppe > Wiederholungstäter < bei der Polizei, beschäftigt einen Spitzel der die > schwarzen Schafe < beobachtet und aushorcht. Dieser Spitzel, selbst einiges auf dem Kerbolz, hat den nächsten Coup am Start.

Drei Erzählstränge fügen sich hier zum großen Ganzen, speedmäßig zusammen. Doch das Schicksal wählt einen ganz anderen Weg. Tore Renberg glänzt mit einer dichten Story, die an Intensität, schrägem Humor und absoluter Spannung kaum zu toppen ist. Sein brillianter Erzählstil ist teilweise obszön und hemmungslos anmutend, doch dies verleiht dem Ganzen die gewisse Würze. Mit einem rasanten Tempo fliegen die Seiten nur so dahin und lassen uns in faszinierende Situationen abtauchen. Und ganz obendrauf, nach all der großen Spannung, der Tragik und des wärmenden Humors, kredenzt er uns als Sahnehäupchen, die Angst. Tore Renberg, gehört zu einer meiner Entdeckungen 2019! Wärmste Leseempfehlung !

5 von 5

Wilhelm Heyne Verlag / ISBN: 978-3-453-27145-6 / 541 Seiten

Tore Renberg, 1972 in Stavanger geboren, ist Schriftsteller und Musiker. Seit seinem Debüt 1995 hat er mehrere preisgekrönte Romane geschrieben, die durch ihre Sprachgewalt für Aufsehen sorgten. Der kommerzielle Durchbruch gelang mit »Mannen som elsket Yngve« (»Der Mann, der Yngve liebte«), der zu einem der meistgelesenen Romane des Jahrzehnts in Norwegen avancierte und später erfolgreich verfilmt wurde.

Angela Lehner > Vater unser <

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Eva Gruber, wird von der Polizei in die psychiatrische Abteilung eines alten Wiener Spitals gebracht. Sie erzählt dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Aufgewachsen in einer erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Sie erzählt vom Zusammenleben mit ihren Eltern und ihrem Bruder, der seit langem krank ist. Auf ihren Vater ist Eva nicht gut zu sprechen. Sie würde ihn am liebsten umbringen.

>Ein freier Tod ist eine Gnade, die einem die Gesellschaft nicht zugesteht.<

Eva erweckt den Anschein, dass sie ihren Bruder retten will. Dieser ist ebenfalls im selben Spital. Behauptet sie deshalb, dass sie Kinder eines Kindergartens getötet hat, um ihm nahe zu sein ? Verfolgt sie eine Strategie ? Ja, nein, vielleicht………….

Intrigant und gemeingefährlich , gespickt mit Intelligenz, ist eine explosive Mischung. So wirkt Eva auf ihr Umfeld. Ist sie wirklich so, oder führt sie alle an der Nase herum ? Der Bruder hingegen, scheint äußerst labil, schwach und unfähig. Bernhard, ist nicht erfreut Eva wieder zu sehen und begegnet ihr mit Ablehnung und Misstrauen. Was hat Eva vor?

Fragen über Fragen, ziehen sich durch diesen Debütroman von Angela Lehner. Kaum, scheinbar einer Lösung nahe, wird die nächste Lüge präsentiert. Aber was ist denn hier die Wahrheit, und was die Lüge ? Angela Lehner versetzt den Leser* ist eine gefühlsmäßige, chaotisch und turbulente Achterbahnfahrt. Die Story heizt mit Tempo vom einem zum anderen Debakel. Gemütliche Lesezeit funktioniert anders, aber so ist auch der Roman gehalten: schnell, frech, rotzig !

Ich habe das Buch gerne und mit Spannung gelesen. Es ist besonders ! Doch kann ich es nicht wirklich einordnen, da sich mir der Sinn der Story nicht wirklich erschlossen hat. Es lässt mich nachdenklich zurück.

Hanser Verlag / ISBN: 978-3-446-26259-1 / 284 Seiten

Angela Lehner, geboren 1987 in Klagenfurt, lebt in Berlin. Für ihr Schreiben hat sie mehrere Literaturpreise und -stipendien erhalten. “ Vater unser “ ist ihr erster Roman.

Heinz Helle > Eigentlich müssten wir tanzen <

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Eine Gruppe junger Männer verbringt ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Zu Fuß versuchen sie, sich in ihre Heimatstadt durchzuschlagen. Sie funktionieren so gut sie können. Tagsüber streifen sie durch das zerstörte Land, Nachts durch ihre Erinnerung. Auf der Suche nach dem Grund am Leben zu bleiben. ( So der Klappentext)

Der Ich – Erzähler ist mit seinen Kumpels Fürst, Golde, Drygalski und Gruber unterwegs. Sie versuchen sich durch Reste, die sie in geplünderten Häusern und Läden finden, am Leben zu halten. Die Stimmung zwischen ihnen ist deutlich abgekühlt. Der Kampf um das nackte Leben hat sie alle auf das furchtbarste überrollt. Traumatisiert versuchen sie ihr Glück.

>Andere Fragen werden seltener. Wir sind ein über mehrere Körper verteilter Wille geworden, und neben dem Teil des Willens, den jeder von uns in sich trägt, ist kein Raum für irgendetwas anderes.

Wir wollen leben. <

Gespräche unter den Freunden, werden nur über die Notwendikeiten des Tages geführt. Wer sammelt Holz, wer holt Wasser, wer macht Feuer, wer hat ein totes Tier.

Werden es die fünf allesamt schaffen ? Werden sie gemeinsam überleben ?

Heinz Helle hat sich mit diesem Buch, an existentielle Fragen heran gewagt. Was bedeutet Freundschaft im Angesicht des Todes ? Und was bedeutet Leben, wenn das einzige, was bleibt, der Kampf gegen das Verhungern ist? Diese Apokalypse die hier beschrieben wird, ist von einer massiven und beklemmenden Art. Die Verrohung der Menschheit geschieht in sehr kurzer Zeit. Ebendas macht der Autor in einigen Situationen deutlich sichtbar. Die Story ist dicht und ohne Schnörkel, und gerade dies fängt die Gegebenheiten besonders heftig ein. Wer eine Schwäche für Dystopien hat, ist hier gut aufgehoben. Aber auch für neugierige Leser*, bietet dieses Buch interessante Einblicke. Klare Leseempfehlung !

4 von 5

Suhrkamp Verlag / ISBN 978-3-518-42493-3 / 172 Seiten

Heinz Helle, geboren 1978, Studium der Philosophie, Arbeit als Texter in Werbeagenturen, Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts, lebt mit Frau und Kind in Zürich. Sein Romandebüt Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin stand auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises 2014. Sein zweiter Roman, Eigentlich müssten wir tanzen, war für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert.


Joey Goebel > Irgendwann wird es gut <

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>Irgendwann wird es gut < dies scheint der allgemeine Slogen der Stadt Moberly, in Kenntucky, zu sein. Anthony Dent bereitet jeden Abend kurz vor sechs Uhr zwei Drinks zu. Für sich und seine Angebetete. Sie kommt wie immer pünktlich, im Fernsehen. Anthony nimmt eine Chance wahr > seine Frau < endlich kennen zu lernen. In real life !

Elena und Paul Bockelmann, Mutter und Sohn, sind ein tragisches Paar in Moberly. Beide sind geplagt von Depressionen und Zusammenbrüchen. Doch sie halten rührend zusammen. Immer in der Hoffnung nach Besserung der Gemütslage.

Luke, Ryan und Kevin sind eine junge Band, die vor ihrem ersten Auftritt steht. Sie üben, organisieren und sind sehr aufgeregt. Wird das Publikum ihre Musik mögen?

Die junge Aushilfslehrerin Stephanie, macht ihren Kursteilnehmern ein ungewöhnliches Angebot. Einer nimmt es an.

Dan ist genervt ! Sein Leben läuft seit längerer Zeit unrund. Erschwerend dazu muss er täglich während der Arbeitszeit einen bestimmten Radiosender hören. Seine Chefin will dies so. Eines Tages beschließt er dem Moderator seine Meinung kund zu tun.

Matt steigt in einem Motel ab. Im Gepäck einige Dosen Bier. Mit jeder getrunkenen Dose fühlt er sich einsamer. Seine Versuche mit anderen Motelbewohnern in Kontakt zu treten gestalten sich zäh bis aufregend.

Die zwöljährige Charly, freundet sich mit Mr. Baynham an. Sie führen intelligente und sehr höfliche Gespräche. Doch böse Zungen sehen diese Zweisamkeit unter anderem Licht.

Bubbles, eine deutsche Dogge, ist für seine sehr betagte Herrin, das ein und alles. Doch dieser Hund ist zu mehr fähig.

Beth liegt im Krankenhaus, sie erwartet ihren Retter. Dieser offenbart ihr den wahren Grund seiner Tat.

Winston Hermann hat seit drei Jahren sein Haus nicht mehr verlassen. < Er hat der Welt den Rücken gekehrt.< Jedoch eines Tages, bei einem Blick aus dem Fenster, sieht er eine Frau die ihn fasziniert. Ab da sieht er sie täglich vorbeigehen. Was wird er tun ?

Joey Goebel ist hier ein besonderer Plot gelungen. Zehn Story´s rund um die Bewohner aus Moberly und alle sind irgendwie mitteinander verwoben. Ob als Freund, Nachbar, Kollege oder Familienmitglied. Er schreibt lässig, mit Blick auf die Gefühlswelt. Diese ist skizzenhaft tragisch angehaucht. Joey Goebel schafft es, auch die fragmentarischen , ausweglosen Situationen mit einer guten Portion an Humor zu versüßen. Dieser ganze Moberly – Brei hat es in sich. Die Zutaten sind gut gewählt, Depression und Manie, Angst und Mut, Verzweiflung und Hoffnung. Sie geben gut temperiert eine homogene Konsistenz. Diesen Brei löffelt man mit Genuss! Klare Leseempfehlung !

5 von 5

Diogenes Verlag / ISBN: 978-3-257-07059-0 / 313 Seiten

Joey Goebel, 1980 in Henderson, Kentucky, geboren, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Musiker – ein weltweit gefeiertes Multitalent. Seine Romane ›Vincent‹, ›Freaks‹ und ›Heartland‹ wurden in 14 Sprachen übersetzt. Joey Goebel hat einen kleinen Sohn und lebt in Henderson, wo er englische Literatur unterrichtet.

Dörte Hansen > Mittagsstunde <

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Ingwer Feddersen, Archäologe und Hochschullehrer, kehrt seinem Kieler Domizil, den Rücken, um nach 25 Jahren in sein nordfriesisches Heimatdorf Brinkebüll zurückzukehren. Seine Großeltern benötigen seine Hilfe. Die Großmutter Ella ist demenziell erkrankt und der Großvater Söhnke, versucht in seinem hohen Alter noch die Stellung in seinem verlebten Gasthof zu halten.

Ingwer selbst hat das Sabbatical gewählt, schon um seinen Großeltern bei zu stehn, aber auch um in verschiedenen Angelegenheiten seines Lebens eine klarere Sicht zu erlangen. Er wohnt seit vielen Jahren in einer WG, mit Ragnhild, mit ihr führt er eine langjährige Beziehung, und mit Claudius. Die Luft ist raus. Doch was nun ?

Brinkebüll hat sich sehr verändert, der Fortschritt hat auch hier nicht halt gemacht. Es gibt keine Schule mehr im Dorf, keinen Bäcker und keinen Kaufmann. Auf den Feldern keine Kühe, nur noch Mais und Wind. Doch noch immer steht Söhnke Feddersen hinter seinem Tresen.

Mit großer Geduld umsorgt Ingwer seine Großeltern, die ihn wie ihren Sohn aufzogen, da seiner Mutter, dies nicht möglich war. Viele Geheimnisse werden im Dorf gehütet, nur ab und an wollen sie an die Oberfläche, um sie dann wieder für lange Zeit zu ignorieren.

> Es gab in Brinkebüll viel Ungesagtes, manches schwebte jahrzehntelang durchs Dorf, von Haus zu Haus, von Hof zu Hof. Mal landete es kurz, wenn jemand ein paar Worte fallen ließ, betrunken meistens, nicht sehr treffsicher. Dann trieb es weiter, Angehauchtes und Vermutetes und Unaussprechliches und halb Vergessenes.<

Dörte Hansen hat ein ruhiges Buch geschrieben, ein sehr ruhiges Buch! In wunderschönen Worten, wie eine liebevoll gehäkelte Spitzeborte, führt sie uns nach Brinkebüll. Sie erzählt von der Gegend und den Menschen, sie sagt aber nichts. Der Plot ist im wahrsten Sinne – platt! Klar, gibt es auch gelungene Geschehnisse, doch die sind leider für die 319 Seiten einfach zu wenig. Mittagsstunde hat mich in einem Moment getroffen, an dem ich nicht sehr empfänglich für in die Länge gezogene Beschreibungen war. Schade !

3 von 5

Penguin Verlag / ISBN:978-3-328-60003-9

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, arbeitete nach ihrem Studium der Linguistik als NDR-Redakteurin und Autorin für Hörfunk und Print. Ihr Debüt »Altes Land« wurde 2015 zum »Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels« gekürt und avancierte zum Jahresbestseller 2015 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman »Mittagsstunde« ist im Herbst 2018 erschienen und wird von Lesern und Kritik gefeiert. Dörte Hansen lebt mit ihrer Familie in Nordfriesland.