Literatur & Zeitgeschehen

Autor: sabinekrass (Seite 2 von 39)

> Das achte Kind < von Alem Grabovac

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Dieser autobiografisch anmutende Roman beginnt in den 1970ger Jahren mit Alems Mutter Smilja, die aus Kroatien nach Deutschland kommt. Sie findet alsbald eine Arbeitsstelle und den Erzeuger von Alem, Emir. Nach der Geburt von Alem kommt es zum Bruch von Smilja und Emir. Emir der sich vor allem durch Kleinkriminalität, üppigen Alkoholgenuss und ständige Frauengeschichten auszeichnet. Alems Mutter behauptet, Emir sei tot.

Schon sehr bald kommt Alem in eine deutsche Pflegefamilie. Marianne und Robert haben schon 7 eigene und Pflegekinder. Alem wird zu ihrem achten Kind. Alle vierzehn Tage, am Wochenende, kommt Alem heim zu seiner Mutter und zu ihrem neuen Gefährten Dušan. Dušan ist ein Choleriker, ein ständig alkoholisierter Mann mit schlagkräftigen Argumenten. Für Alem sind die Wochenenden die Hölle.

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> Geliebter Schmerz < von David Wonschewski

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Melancholien. Braucht man das? In der Form von David Wonschwskis Buch, sicher. Der Autor hat seine Erzählungen zum Bersten voll gepackt. Um was geht es?

In achtzehn Kurzgeschichten und Erzählungen, finden wir das pure, ungeschönte Leben. Die Wortakrobatik des Autors sucht seinesgleichen. Diese Geschichten kann man nicht einfach mal so runter lesen. Nein, sie sind geradezu prädestiniert in Ruhe diese Worte, Ereignisse, Schicksale in Häppchen angereicht zu werden. Die Worte treffen genau dort wo sie wohl hin sollen, in die Seele.

In >Sommerromanze<, mein absoluter Favorit, geht es um einen jungen Mann der eine junge Frau in einer Bibliothek kennenlernt. Die Frau ist sehr schüchtern und trägt einen unvorteilhaften, viel zu großen Pullover.

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> Mit der Reife wird man immer jünger < von Hermann Hesse

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Betrachtungen und Gedichte über das Alter.

Hermann Hesse gehört zu den Autoren, die das Glück hatten, alle Lebensstufen auf charakteristische Weise erfahren und darstellen zu können. Zu den schönsten dieser Schilderungen gehören seine Betrachtungen über das Alter, über die Lebensjahre, wo Wirklichkeit und Umwelt eine spielerische Surrealität gewinnen, wo die Erinnerung an die Vergangenheit im Verhältnis zur Gegenwart an Realität zunimmt. Diese Zeit des Übergangs reaktiviert als Ausgleich zu den wachsenden körperlichen Gebrechen »den Schatz an Bildern, die man nach seinem langen Leben im Gedächtnis trägt und denen man sich mit dem Schwinden der Aktivität mit ganz anderer Teilnahme zuwendet als je zuvor. Menschengestalten, die nicht mehr auf Erden sind, leben in uns weiter, leisten uns Gesellschaft und blicken uns aus lebenden Augen an. – Inhaltsangabe des Verlages.

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#showthreequotes – aus > Herztier < von Herta Müller

Wir lesen Bücher, wir beurteilen sie und legen sie ab. Das war es, schöne oder wenige schöne Gedanken an das gelesene Buch bleiben zurück. Doch was geschieht mit den vielen schönen Zitaten, der geschmeidigen Wortakrobatik, der kunstvoll geformten Buchstabengeflechte? Sie bleiben dann verschlossen und bald schon vergessen. Diesem eher bedrüblichen Umstand möchte ich mit #showthreequotes entgegentreten. Seid gespannt oder noch besser, macht mit!

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> Das Kind redet weiter. Beim Reden bleibt etwas auf der Zunge liegen. Das Kind denkt sich, es kann nur die Wahrheit sein, die sich auf die Zunge legt wie ein Kirschkern, der nicht in den Hals fallen will. Solange die Stimme beim Reden ins Ohr steigt, wartet sie auf die Wahrheit. Aber gleich nach dem Schweigen, denkt sich das Kind, ist alles gelogen, weil die Wahrheit in den Hals gefallen ist. Weil der Mund das Wort gegessen nicht gesagt hat.< – Seite 15

>Daß die Wolken am Himmel wie helle Kleider über der Stadt hingen. Daß die Räder der Straßenbahn staubten und die Wagen sich ziehen ließen und denselben Weg hatten wie ich. Daß die Fahrenden, kaum eingestiegen, sich ans Fenster setzten, als wären sie zu Hause. < – Seite 146

> Auch zu Kurt hatte ich gesagt: Halte dich an Tereza. Eine Freundschaft ist keine Jacke, die ich von dir erben kann, meinte er. Hineinschlüpfen kann ich. Von außen könnte sie passen, aber von innen hält sie nicht warm.< – Seite 241

  • Herztier
  • Herta Müller
  • Roman
  • ISBN: 9783596175376
  • 251 Seiten

> Wir Herrenmenschen < von Bartholomäus Grill

Unser rassistisches Erbe: Eine Reise in die deutsche Kolonialgeschichte

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Der Autor hat hier ein Buch aus Reportage und Analyse geschrieben. Es kommen die Einzelheiten der deutschen Kolonialgeschichte, wie sie sich in Afrika zugetragen hat deutlich zum Tragen. Das ist keine leichte Kost, denn es geht um abscheuliche Gräueltaten von Lothar von Trotha in Namibia und Jesko von Putkamer in Kamerun. Um nur einmal zwei Namen zu nennen.

Es ist für mich schwierig die richtigen, beziehungsweise überhaupt Worte zu finden, bei all der Unterdrückung und der Taten. Somit habe ich eine positive Stelle des Buches herausgesucht:

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> Mein Bruder < von Karin Smirnoff

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Schweden – Jana kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück. Zurück zu ihrem Zwillingsbruder Bror, dieser gibt sich der Trunksucht hin, nachdem er von seiner Liebe verlassen wurde. Jana findet ihren Bruder im verwahrlosten Elternhaus auf. Der Vater der beiden ist verstorben und die Mutter nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim. Der Plan Janas war Bror zu besuchen, doch einige Umstände bewegen sie dann doch zu bleiben.

>Mein Bruder war gekentert und brauchte Hilfe um sich wieder aufzurichten. Bestimmt aß er kaum was, sondern lebte von Kippen und Alkohol. Er war mager wie ein Almosenempfänger. < -Seite 22

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> Melnitz < von Charles Lewinsky

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Eine jüdische Familiensaga vor dem Hintergrund der Schweizer Geschichte in den Jahren 1871 bis 1945.

Die Familiengeschichte beginnt mit dem stolzen Viehhändler Salomon Meijer in Endingen. Der dort ehrliche Geschäfte betreibt, wie gern behauptet. Hinzu kommt der Verwandte Janki, der bei der Familie von Salomon Meijer, Unterkunft und Frau findet. Janki will hoch hinaus, er ist ein Mann mit großem Geschäftssinn und eröffnet einen Laden für feines Tuch und edle Stoffe. Die Rechnung geht zuerst etwas schwerfällig auf. Doch die Nachfahren von Salomon Meijer werden zum Beispiel der erste Warenhausbesitzer Zürichs, ein Arzt, ein Landwirt oder gar ein Zionist. Der Chronist ist, der längst verstorbene doch immer wieder mahnend auftauchende Onkel Melnitz. Er begleitet die Familie über fünf Generationen lang und beobachtet wie seine Verwandten um Erfolg und Akzeptanz ringen. Bis hin zu der Zeit als die Welt so sehr aus den Fugen gerät und den Juden immens verstärkt nach dem Leben getrachtet wird.

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> Über Menschen < von Juli Zeh

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Juli Zeh´s neuer Roman > Über Menschen < polarisiert. Während die Meinungen von großartig zu klischeebedient gehen und zurück, wollte ich mir meine persönliche Meinung darüber bilden.

Dora hat Robert verlassen und ist alleine aufs brandenburgische Land gezogen. Robert der Klimaaktivist mutierte, als das Virus die Welt unter Beschlag nahm, kurzerhand zu einem Epidemiologen. Das war dann für Dora zu viel des guten. Nun lebt sie in einem ältlichen Haus und versucht sich in Gartenarbeit. Doch so ruhig wird es für Dora noch nicht werden, wie sie es vielleicht wünscht. Ihr nächster Nachbar ist Grote, der sich selbst als Dorfnazi vorstellt. In diesem Dorf gerät Doras Weltbild in eine wankelmütige Schieflage.

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> Herr Klee und Herr Feld < von Michel Bergmann

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Dieser Roman hat mich bestens unterhalten und köstlich amüsiert!

Die Geschichte dreht sich um zwei in die Jahre gekommene Brüder, Moritz (77) und Alfred Kleefeld (75). Alfred ist zu seinem verwitweten Bruder in dessen Villa eingezogen, er ist Schauspieler, doch die Anfragen sind spürbar ausgedünnt. Moritz hingegen ist Akademiker, Professor für Psychologie. Nun, diese beiden jüdischen Brüder werden bestens von der langjährigen Haushälterin versorgt. Doch als diese überraschend kündigt, ist die Not groß. Per Annonce hoffen sie auf eine neue Perle. Die wird ihnen auch beschieden in Form von der jungen, hübschen Zamira. Klingt erstmal perfekt, doch Zamira ist Palästinenserin.

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#showthreequotes – aus > Die Entdeckung des Himmels < von Harry Mulisch

Wir lesen Bücher, wir beurteilen sie und legen sie ab. Das war es, schöne oder wenige schöne Gedanken an das gelesene Buch bleiben zurück. Doch was geschieht mit den vielen schönen Zitaten, der geschmeidigen Wortakrobatik, der kunstvoll geformten Buchstabengeflechte? Sie bleiben dann verschlossen und bald schon vergessen. Diesem eher bedrüblichen Umstand möchte ich mit #showthreequotes entgegentreten. Seid gespannt oder noch besser, macht mit!

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>Max sah ihn kurz an. Sie hatten einander gefunden – das war der Moment. Wußten sie es, wußten sie es beide? Mit diesen wenigen Worten war eine Brücke geschlagen worden. Max wußte sich von Onno durchschaut wie von nie jemandem zuvor, und Onno fühlte sich von Max verstanden, weil seine aggressive Ironie nicht wie immer auf Widerstand gestoßen war, sondern aufgefangen wurde von einem Lachen, das etwas Unverletzliches hatte. Sie hatten einander erkannt. < – Seite 35

>Wer von einer Reise zurückkehrt, trägt die zurückgelegten Strecken noch mit sich wie ausgebreitete Flügel – bis er den Schlüssel in das Schloß der Wohnungstür steckt. In dem Augenblick, in dem er die Tür hinter sich schließt, kann er sich nicht mehr vorstellen weg gewesen zu sein. Alles ist so, wie es war: der Flur, die Treppe, das Geländer.< – Seite 154

>Ada wußte nicht, daß sich Onno im Dunkeln genauso schämte wie sie selbst, und Onno wußte es nicht von Ada. Vielleicht, dachte er, gedieh die wirkliche, die wahre, die reine Liebe, wie alle Blumen am besten mit den Wurzeln in Dung und Schlamm. Vielleicht war das ein Gesetz des Lebens, das alles zusammenhielt: der Tag war nur Tag dank der Nacht. Aber wenn der Tag erst durch die Nacht zum Tag wurde, verbarg sich dann nicht die Nacht im Herzen des Tages? War dann der Tag eigentlich noch der wahre, reine Tag?< – Seite 261

  • Die Entdeckung des Himmels
  • Harry Mulisch
  • Roman
  • Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • ISBN: 9783499134760
  • 867 Seiten
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