tausendléxi

Literatur & Zeitgeschehen

Monat: Oktober 2019

Gedichte von Gottlob Haag 2.0 > Seelenrein <

Seelenrein

Auch Sie

brauchen unser

neuestes Präparat,

brauchen > Seelenrein <.

 

Nehmen Sie davon

täglich drei Tabletten

und schon bald

werden Sie merken,

dass es Ihnen besser geht.

 

> Seelenrein <

hilft Ihnen Zeit zu sparen.

Es ersetzt Ihnen

das tägliche Morgen –

und Abendgebet

und den allsonntäglichen

Gottesdienstbesuch.

 

Sie brauchen > Seelenrein <,

müssen es haben,

damit sich

Ihre Seele reinigt.

Denn nur eine reine Seele

hält auch den Körper gesund.

 

Tun Sie sich

und ihrer Seele etwas Gutes:

Kaufen und nehmen Sie

> Seelenrein <!

Es wird Ihnen

garantiert helfen.

 

Sollten sich allerdings

im Laufe von sechs Wochen

an Ihrem Zustand,

bei vorschriftsmäßiger Anwendung

von > Seelenrein <,

keine Veränderungen

und keine Besserungen ergeben,

liegt das nicht

an unserem Präparat,

sondern einzig und allein

an Ihnen selbst,

weil Sie nicht in der Lage

und zu schwach sind,

fest an eine wichtige Sache

zu glauben.

 

Seite 17 aus dem Buch > Abschied nehmen ist wie leises Sterben < von Gottlob Haag . 1986 im Verlag Wilfried Eppe erschienen.

36. Baden – Württembergische Literaturtage 2019 in Öhringen > Über Grenzen <

Unbezahlte Werbung

Öhringen liest ein Buch. Das Buch von Pia Ziefle, mit dem Titel < Länger als sonst ist nicht für immer <. An drei Montag – Abenden trafen sich LeserInnen in der Hohenlohe’sche Buchhandlung Rau. Der erste Abend füllte sich mit erwartungsvollen und vertiefenden Gesprächen über das Buch. Der zweite Abend glitt in die Tiefe, denn eine Familientherapeutin durchleuchtete mit verschiedenen Genogrammen die ProtagonistenInnen. Die dritte Abendveranstaltung wurde durch die Autorin Pia Ziefle selbst gekrönt. Sie erzählte auf recht charmante Weise über die Entstehung ihres letzten Buches, über die Hintergründe der Verlagswelt und nahm sich den bewegten Fragen ihres Publikums sehr aufmerksam an. In ausgeglichener und bereichernder Atmosphäre ging auch dieser Abend zu Ende, den Pia Ziefle noch durch diverse Buchwidmungen vollendete. Die Hohenlohe’sche Buchhandlung Rau verabschiedete das Publikum mit kleinen Tütchen, gefüllt mit Buchstabennudeln mit der Empfehlung > Wenn dir mal die Worte fehlen<.

https://tausendléxi.de/laenger-als-sonst-ist-nicht-fuer-immer-von-pia-ziefle

https://rau-buch.buchkatalog.de/

> Wiener Küche < von Thomas Stiegler

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Die Wiener Küche ist weit mehr als nur eine Ansammlung von Rezepten. Vielmehr ist sie ein Sinnbild für die Fähigkeit des Wieners, sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. An gutem Essen, einem guten Wein und dem sonntäglichen Ausflug mit seiner Liebsten. ( So steht es auf dem Buchrücken geschrieben)

Thomas Stiegler hat Rezepte und dazu gehörige Anekdoten zusammen getragen, die er hier seiner Großmutter widmet. Diese Kulturgeschichten stammen aus der Zeit der Habsburgermonarchie.

Hier findet man die klassischen Rezepte für z.B Butternockerln, Tafelspitz, gefüllte Paprika, Wiener Schnitzel, Kaiserschmarrn, Sachertorte, diverse Kaffeespezialitäten und den Frittaten.

>Denk dir einen Menschen mit fröhlichem, gesunden Gesicht; äußerst schlicht angezogen, einen abgeschabten Filz auf dem Kopfe, sorglosen Herzens, voll Mutterwitz und eine Peitsche in der Hand – da hast du einen Wiener Fiaker. < Mit diesen Worten beschrieb der Berliner Journalist Adolf Glaßbrenner 1836 eine wiener Institution, die zu jener Zeit schon mehr als hundert Jahre auf dem Buckel hatte und die heute noch zu Wien gehört wie sonst nur das Riesenrad oder die Sachertorte. ( Seite 124 )

Fazit: Thomas Stiegler hat hier eine Liebeserklärung zu Papier gebracht. Die Liebe zu seiner Großmutter, der Stadt Wien und der einzigartigen Küche nebst der kulturellen Geschichte vermittelt er auf recht anschauliche Weise. Die berühmtesten Wiener Speisen und Getränke sind mit den Entstehungsgeschichten und kleinen Anekdoten geschmückt. Die Rezepte zum ausprobieren, verlocken. Der einzige Kritikpunkt ist sehr offensichtlich. Die Fotografien zu den Gerichten, Süßspeisen und Getränke sind zu klein und in schwarz – weiß gehalten. Das Auge ist mit! Ansonsten sind diese Kulturgeschichten der Wiener Küche sicher für viele Interessierte der klassischen Küche und ihrer Entstehung , zum Lesen und nachkochen zu empfehlen. Ein perfektes Geschenk!

Hauptverband des Österreichischen Buchhandels / ISBN: 978-3950480009 / 144 Seiten

Thomas Stiegler, https://www.der-leiermann.com/

Gedichte von Gottlob Haag 1.0 > Eines Tages vielleicht <

Öhringen – eigene Aufnahme – unbezahlte Werbung

Bei einem Besuch in Rothenburg o.d. Tauber fand ich ein bezauberndes Antiquariat – Die Büchertruhe am Plönlein http://www.buch-kett.de/index.html

Dort fiel mir ein Gedichtband von Gottlob Haag ( 1926 – 2008) in die Hände. > Abschied nehmen ist wie leises Sterben < Gottlob Haag war ein deutscher Dichter. Er war ein renommierter Vertreter der hohenlohischen Mundart-Literatur. Die Welt, die er in seinen Gedichten beschrieb, ist die Kleinstadt, das Dorf, die Hohenloher Heimat, die alles umgebende Natur und das Leben in ihr, auf dem Lande.( Quelle Wikipedia) Nach dem durchblättern dieses Bandes war ich sehr angetan und möchte, immer Mittwochs ein Gedicht von Gottlob Haag zu veröffentlichen. Hier das erste der Reihe:

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

wirst du von den Schatten

der Bäume sprechen,

die einmal

längs des Weges standen,

der deinen Schritt trug.

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

wirst du deinen Enkeln

von den Blumen erzählen,

die einst

auf dem Feld blühten

wo heute die Stadt steht.

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

daß es einmal Vögel gab,

die des Abends und des Nachts

dort in des Hecken gesungen haben,

wo heute

die Autobahn

die Felder zerschneidet.

Eines Tages vielleicht

wirst du dich erinnern,

daß unter den Steinen

in den Wassern des Baches,

einmal Krebse und Fische

gelebt haben,

die an den Chemikalien

in den Abwässern,

langsam zugrunde gegangen sind.

Eines Tages vielleicht

wird sich mancher erinnern,

daß es einmal Sitte war

sich für eine Gabe zu bedanken,

die zu fordern ihm heute

zur Selbstverständlichkeit

geworden ist.

Eines Tages vielleicht,

wenn der Profit

endlich einmal fett

und übersättigt ist,

werden wir nicht mehr sterben,

sondern langsam krepieren,

wie die Maden im vergifteten Speck,

ohne zu wissen,

wofür wir eigentlich gelebt haben.

Eines Tages vielleicht…..

Vielleicht schon bald.

Aus Abschied nehmen ist wie leises Sterben – von Gottlob Haag – Verlag Wilfried Eppe – 1986 – ISBN 3890892051

>Nicht mit mir < von Per Petterson

Unbezahlte Werbung

Zwei Freunde treffen sich eher zufällig nach dreißig Jahren wieder. Jim und Tommy waren in ihrer Jungend dicke Freunde. Jim lebte mit seiner religösen Mutter alleine . Tommy dagegen, mit seiner Schwester Siri und den jüngeren Zwillingsmädchen, mit ihren Eltern. Einem sehr gewalttätigen Vater und der Mutter Tya, die eines Nachts einfach verschwand.

> Scheiße. Haben sie dich gefeuert.< Das hätte ich besser nicht gesagt, ein Hammer fiel und traf auf einen Riegel, der Riegel verkantete und bewegte sich nicht mehr vor und nicht zurück, und es war zu spät, um umzukehren. Langsam stand er auf. Ich blieb stehen. Ich atmete schnell mit offenen Mund, ein und aus, ich war zwei Jahre lang gerannt, seit meine Mutter verschwunden war. Jetzt blieb ich stehen. ( Seite 34 )

Zwischen Tommy und seinem Vater kommt es zu einem unerbittlichen und folgenschweren Kampf. Daraufhin verschwindet der Vater ebenfalls. Tommy ist mit seinen Geschwistern allein. Mit seiner jüngeren Schwester Siri, versucht er ein normales Familienleben zu gestalten. Doch die Behörden schalten sich ein und die Kinder werden in Pflegefamilien verteilt. Siri kommt in ein Pfarrhaus, die Zwillinge zu einem kinderlosen Ehepaar im Ort. Noch bevor Tommy einer Familie zugeteilt wird, schaltet sich der alleinstehende Nachbar Jonsen ein. Er nimmt den Jungen zu sich und die zwei kommen recht gut miteinander aus. Tommy Elternhaus steht einsam und verlassen, die Türen und Fenster mit Brettern vernagelt.

Drinnen war alles unverändert. Es war vier Jahre her, aber es fühlte sich länger an. Sie waren nicht mehr dieselben. Tommy nicht. Es war allerhand passiert. Die Zeit war passiert. Er war damals dreizehn gewesen, jetzt war er siebzehn, fast achtzehn. Es waren die längsten Jahre der Welt. ( Seite 87 )

Tommy ist ein wohlhabender, aber unglücklicher Investment – Banker. Jim ist Bibliothekar, angelt lieber statt zur Arbeit zu gehen. Dieses plötzliche Wiedersehen wirbelt beider Leben durcheinander.

Aber das hier war meine Chance, davon war ich überzeugt. Wenn du sie verpasst, dachte ich, bist du erledigt. Dann würde alles so bleiben wie es war. Das ging nicht. Sonst war ich erledigt. ( Seite 240 )

Fazit: Per Petterson glückt es außerordentlich, eher ganz gewöhnliche Lebensgeschichten, faszinierend zu erzählen. Er ist ein sehr präziser Beobachter und blickt hinter die Fasaden, der vermeintlichen heilen Welt. Emotionen und Geschehnisse werden punktuell platziert und treffen auffallend den Lesernerv. Verschiedene Ereignisse werden von den Protagonisten unterschiedlich wahrgenommen. Und genau dies, scheint der springende Punkt zu sein, der uns von Per Petterson aufgezeigt wir. Jeder Mensch begibt sich in seine eigenen Wahrnehmungen. Diese klaffen bei gemeinsamen Erlebnisse oftmals empfindlich auseinander. Was richtig und was falsch ist, steht wohl niemanden wirklich zu, zu beurteilen. Es ist immer der besondere Moment, der die Wertigkeit in ein sensibles Licht aufkeimen lässt.

5 von 5

Fischer Taschenbuch / ISBN: 9783596034130 / 285 Seiten

Per Petterson, 1952 in Oslo geboren, ist ausgebildeter Bibliothekar und arbeitete als Buchhändler und Übersetzer, bevor er sich als Schriftsteller etablierte. Im Fischer Taschenbuch sind von ihm ›Sehnsucht nach Sibirien‹, ›Pferde stehlen‹, ›Im Kielwasser‹ und ›Ich verfluche den Fluss der Zeit‹ erschienen. Per Petterson wurde für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet u. a. mit dem renommierten IMPAC Literaturpreis. ( Quelle Fischerverlage )

Leben Schreiben Atmen – eine Einladung zum schreiben von Doris Dörrie

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Auf dem Buchrücken steht geschrieben: Schreiben heißt für Doris Dörrie, das eigene Leben bewusst wahrnehmen. Wirklich zu sehen, was vor unseren Augen liegt. Oder wiederzufinden, was wir verloren oder vergessen haben. Es ist ein Trost, Selbstvergewisserung, Anklage, Feier des Lebens.

Schreiben heißt die Welt einatmen.

Doris Dörrie ist mit diesem Buch etwas ganz zauberhaftes gelungen. In kleinen Geschichten, gibt sie zum einen Möglicheiten des schreibens vor und animiert am Ende immer wieder zum jeweiligen Thema, den Stift in die Hand zu nehmen und einfach drauf loszuschreiben. Doris Dörrie selbst gibt sich hier als sehr genaue Beobachterin, die leicht und ohne Schnörkel durch die Seiten führt. Sie schafft behänd Anreize die in der Tat gerne bedient werden, mit dem Resultat der großen Freude.

Der alte Trick: In der dritten Person schreiben, wenn es zu kompliziert oder zu traurig wird. Das macht es oft leichter, manchmal kann man sogar ehrlicher sein als in der ersten Person. Schreib etwas, was dir wirklich nahegeht, in der ersten Person, und dann nochmal in der dritten Person. Was ist einfacher? Was ist wahrer. Was geht tiefer?

Leben Schreiben Atmen bedient sehr viele Ressourcen, wie zum Beispiel: Animation, Unterstützung, Inspiration, Impuls gebend bis hin zu meditativen Ansätzen. Denn Schreiben kann sehr befreiend sein. Ein rundherum gelungenes Buch, dass es sehr einfach macht, die Einladung zu schreiben, sehr gerne anzunehmen.

Diogenes Verlag / ISBN: 9783257070699 / 271 Seiten

Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Filmarbeit (zuletzt der Spielfilm ›Kirschblüten und Dämonen‹) veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie unterrichtet an der Filmhochschule München ›creative writing‹ und gibt immer wieder Schreibworkshops. Sie lebt in München. ( Quelle Diogenes Verlag )

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