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Literatur & Zeitgeschehen

Monat: August 2019 (Seite 1 von 2)

> Graue Bienen < von Andrej Kurkow

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Der Bienenzüchter Sergejitsch lebt alleine in der grauen Zone. Dort bekämpfen sich ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten. Nur Sergej und sein Kindheitsfeind Paschka sind im Ort geblieben. Alle anderen Bewohner sind geflohen oder zu Tode gekommen. Doch in dieser Not, die dieser Krieg mit sich führt, nähern sich die zwei Männer, mehr als behutsam an. Sergejitsch lebt für seine Bienen. Er behütet sie wie seinen wertvollsten Augapfel.

> Merkt euch!<, sagte er und blickte auf die Bienenstöcke, die hinter den Metallplatten verborgen waren. > Wir haben jetzt eine neue Adresse! Schewtschenkostraße! Das Haus ist Nummer siebenunddreißig geblieben, nur die Straße ist eine andere!< Sergejitsch stand noch eine Weile vor seinen Bienenstöcken und lauschte auf die Stille. Ihm schien, als hörte er in der Stille des Schuppens ein Bienensummen. Also hatten sie ihn ebenfalls gehört. Es konnte garnicht anders sein. ( Seite 125 )

Im dritten Frühling des Krieges, beschließt Sergejitsch seine Bienen aus der gefährlichen Kriegszone zu bringen, um ihnen eine unbeschwerte Zeit zu ermöglichen. Sie sollten in Ruhe ihren Nektar sammeln dürfen.

>………….Abrupt lief er los zu den Bienestöcken, zu seinen vom Schicksal gebeutelten Bienen – Flüchtlingen.< ( Seite 287 )

Doch auf seiner Reise und seinen Stationen trifft Sergejitsch nicht immer auf Freeundlichkeit. Dabei ist sein bestreben doch so einfach und pragmatisch.

> Sergejitsch grinste über seine Gedanken, weil er sich dabei ertappte, dass er gleichzeitig für sich, für das Auto und für die Bienen dachte. Als wären sie alle eine Familie, die dieselbe Sprache sprach. So war es ja auch. < ( Seite 290)

Andrej Kurkow gewährt in seinem Buch den Blick auf Konflikte und ihre Auswirkungen. Doch nicht nur dies. Er führt uns mit weisen Worten durch Situationen und durch die Natur. > Graue Bienen < ist ein entschleunigendes Buch, das unaufgeregt mit einer Portion Ironie und einer Prise Humor daher kommt. In der Tat hätte es der Story gut getan, sie nicht so ausschweifen zu lassen. So wurde sie im Kaugummi – Style in die Länge gezogen. Die zuerst aufkommende Süße, gar honiggleich, verlor sich beim immerwährenden kauen. Trotz diesen Abstrichen spricht es für eine Leseempfehlung!

Diogenes Verlag / 9783257070828 / 444 Seiten

Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Sein Roman ›Picknick auf dem Eis‹ ist ein Welterfolg. Kurkow lebt als freier Schriftsteller in Kiew und arbeitet auch für Radio und Fernsehen. ( Quelle Diogenes Verlag )

> Eine Träne. Ein Lächeln < von Luna Al - Mousli

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Meine Kindheit in Damaskus. Luna Al – Mousli hat ein Jugendbuch über Emigration geschrieben. Vierzehn Jahre hat sie in Damaskus gelebt. Mit vierundvierzig kleinen Geschichten erzählt sie über den langanhaltenden Krieg, das immense Elend, die furchtbare Angst und ihre Erinnerungen. Erinnerungen an Gebäude und Dinge, die schon längst zerstört wurden. Jede Seite ist ins arabische übersetzt und mit wunderschönen Illustrationen verziert. Auf gerade mal 128 Seiten hat Luna al – Mousli ein sinnliches Zeitdokument geschaffen, dass die Härte des Krieges, des flüchtens und die Liebe zur Heimat sehr veranschaulicht. Ein berührendes Büchlein.

Meine Tante Maysa überlegte, ob sie noch schnell beten solle, doch wir waren spät dran. Das Musikkonzert fängt gleich an in der Kirche. Das sagte sie, sie werde einfach in der Kirche beten. Meine Cousine drehte sich zu ihr um und sagte: < Du kannst das nicht, es ist nur für Christen.< Meine Tante lächelte und sagte: > Auch das ist Gottes Haus.< Während die Instrumente sich einstimmten, betete Tante Maysa in der hinteren Reihen. ( Seite 53 )

weissbooks.w / ISBN: 978-3-86337-107-4 / Meine Kindheit in Damaskus – Erweiterte Sonderausgabe Zweisprachig (dtsch./ arab.)Mit Illustrationen der AutorinHalbleinen, kleines FormatGeb., 128 Seiten

Luna Al-Mousli, geboren 1990 in Melk, aufgewachsen in Damaskus, lebt und arbeitet heute als Autorin und Grafik Designerin in Wien. Dort studierte sie Grafik Design an der Universität für Angewandte Kunst, »Eine Träne, ein Lächeln« war ihre Abschlußarbeit. Als Schülerin war sie Stipendiatin des START-Stipendienprogramms, heute engagiert sie sich selbst im Bereich Bildung und Integration, wie beispielsweise im Projekt „TANMU – Lernhilfe für jugendliche Flüchtlinge“. Für ihr Debüt wurde sie vielfach ausgezeichnet; unter anderem mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. ( Quelle Weissbooks)

> LieblingsprotagonistenInnen <

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Dies war eine doch sehr innige und intensive Aufgabe, wer wohl in diese Favoritenrolle schlüpfen darf. Der/Die eine oder andere waren sogleich präsent, widerum andere wollten sorgsam ausgewählt werden. Hier nun entblättere ich mich, rein meiner Lieblinge wegen:

  • Talk Talk von T.C. Boyle : Als die junge, gehörlose Dana Halter ein Stoppschild überfährt, wird sie verhaftet und wegen Delikten angeklagt, die sie nie gegangen hat. Es dauert Tage, bis sich herausstellt, daß Dana Opfer eines Betrügers geworden ist. Nach erniedrigenden Tagen im Gefängnis hat sie nur noch ein Ziel: Diesen elenden Typen zu finden. Der Kampf beginnt! Wie es die gehörlose Dana schafft, gegen immense Widrigkeiten zu bestehen und die Sache selbst in die Hand nimmt, ist für mich geradezu bewundernswert!
  • Novecento von Alessandro Baricco: Dies ist die poetische Geschichte des Jazzpianisten Novecento, der im Jahr 1900 auf einem Ozeandampfer geboren wurdee und ihn zeit seines Lebens nicht verlässt. Er lebt nur für seine Musik, eine Musik, die alle verzaubert, die sie hören. Novecento wird eines Morgens von einem Matrosen im Tanzsaal des Dampfers in einer Pappschachtel auf dem Klavier gefunden. Der Dampfer ist und bleibt sein Zuhause. Sein Leben wird von der Musik bestimmt. Ich habe Novecento einfach ins Herz geschlossen, ihn und seine tragisch anmutenden Geschichte!
  • Wer die Nachtigall stört von Harper Lee: Scout und ihr Bruder Jem wachsen im Süden der Vereinigten Staaten auf. Zu einer Zeit, die von menschlichen Konflikten sehr gefüllt ist. Doch für die noch sehr junge Scout darf es keine Ungerechtigkeiten geben und dafür setzt sie sich vehement ein. Sie hält den Erwachsenen den Spiegel vor und fordert Toleranz und Fairnes. Scout ist schon seit vielen, vielen Jahren mein Vorbild. Ist und bleibt es. Sie steht für Courage, Toleranz, Wertschätzung, Gerechtigkeit und so vieles mehr. Zu Recht die Protagonistin meines Herzens.
  • Harry Hole kreiert von Jo Nesbo: Harry Hole ist der Ermittler schlechthin und in keinster Weise so, wie man sich einen Ermittler bei der Polizei wohl vorstellen kann oder mag. Und genau das ist es was diesen zu exzessiven Alkoholkonsum neigender, mit Liebe eher suboptimal umgehender und schlagkräftig so mache Ermittlung führender Norweger, ausmacht. Irgendwie mein Typ…..grins.
  • Middlesex von Jeffrey Eugenides: In einem griechischen Bergdorf fängt alles an. Ein junger Mann und eine junge Frau, Bruder und Schwester, fliehen vor den Türken nach Amerika. Auf dem Schiff weit weg von allem, heiraten sie, verbringen ihre erste Nacht in einem Rettungsboot. In Detroit, die Stadt der Autos, lassen sie sich nieder. Jahrzehnte später, nach abenteuerlicher Reise eines Gens, entpuppt sich die Enkeltochter Calliope als Junge, und eine neue Odyssee beginnt. Calliope gelingt es nach vielen Jahren des großen Schmerzes um das ringen der wahren Identität, endlich als Mann, als Cal angekommen zu sein. Was für eine story!
  • Abendrot von Kent Haruf: Holt, eine Kleinstadt im Herzen Colorados. Zwei alte Viehzüchter müssen den Wegzug ihrer Ziehtochter verkraften. Ein Ehepaar kämpft in seinem verwahrlosten Trailer um ein Stückchen Würde und um seine Kinder. Ein elfjähriger Junge kümmert sich rührend um seinen kranken Großvater. So hart das Schicksal auch zuschlägt – die Menschen in Holt sind entschlossen, dem Leben einen Sinn abzutrotzen. Und begegnen einander dabei neu. Raymond ist einer der Viehzüchter, der mit seiner bescheidenen, warmherzigen und intelligenten Art mein Herz erobert hat. Ihm gelingt es aus prekären Situationen das Beste heraus zu holen, ihnen auf beschauliche Art ihrer Spitze zu entledigen. Ein Mann der mir total imponiert!
  • Deutschstunde von Siegfried Lenz: Siggi Jeppsen sitzt in einer Jugendstrafanstalt. Er soll einen Aufsatz zu Thema> Die Freuden der Pflicht < schreiben, doch die Erinnerungen und Einfälle überschwemmen ihn unkontrolliert. Siggis Erinnerungen führen ihn zurück ins Jahr 1943. Damals war sein Vater Polizist einem Norddeutschen Dorf und musste im Auftrag der Nationalsozialisten seinen ehemaligen Jugendfreund, den Maler Nansen überwachen, der mit einem Malverbot belegt wurde. Siggi aber wird zum Verbündeten des Malers, versteckt seine Bilder und warnt ihn vor drohenden Gefahren. Siggi beweist Haltung und setzt sich für andere ein. Er ist wie ein Fels in der Brandung und fürchtet den Sturm nicht. Ein Junge mit Courage, das imponiert mir!
  • Die Kinder der Elefantenhüter von Peter Hoeg: Auf den ersten Blick sind die Finøs aus Dänemark eine ganz normale Familie – Der Vater ist Pastor, die Mutter spielt Orgel, Peters großer Bruder studiert Astronomie. Doch an einem Karfreitag sind plötzlich die Eltern verschwunden, die schon einmal durch zweifelhafte Wundertaten mit der Justiz in Konflikt geraten waren. Um Vater und Mutter vor weiteren Torheiten zu bewahren, beginnen Peter und seine erstaunliche Schwester Tilte eine großangelegte Suchaktion. Inmitten falscher Heiliger und fanatischer Sinnsucher finden sie ihre eigene Tür zur Freiheit und zum Glück. Tilte und Peter die mutig und mit unglaublichen Ideenreichtum in ein Feuerwerk von brenzligen Situationen geraten und diese mit Bravour meistern. Dieses Geschwisterpaar ist einfach Top!

> Nicky geht zum Arzt < von Richard Scarry

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Nicky Hase ist auf dem Weg durch die Stadt, zum Arzt. Dies verkündet er allen Tieren die ihm auf seiner Route begegnen. Die Schwester Nächstebitte heißt ihn in der Praxis herzlich willkommen. Dr. Doktor untersucht Nicky Hase sehr gründlich. Er misst, wiegt und tastet ab. Er erklärt seinem kleinen Patienten das Stethoskop, den kleinen Hammer und die Spritze. Nicky Hase ist sehr lieb bei Dr. Doktor und dafür bekommt er am Ende der Untersuchung eine ganz tolle Belohnung. Wieder zu Hause angekommen, berichtet Nicky Hase von seinem Erlebnis bei Dr. Doktor.

Richard Scarry bezaubert mit seinem äußerst liebenswerten Buch! Ein gelungenes Mutmach – Buch für kleine Angsthasen. Die Texte und die bezaubernden Illustrationen sind perfekt auf einander abgestimmt. > Nicky geht zum Arzt < ist für Kinder ab 2+ empfohlen. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Doch auch für LeserInnen ab 2++++++++++++ ist dieses Büchlein ein kleiner Seelenstreichler!

Diogenes Verlag / ISBN: 9783257012477

Richard Scarry, geboren 1919 in Boston, studierte Kunst an der School of the Museum of Fine Arts in Boston. Er begann seine Karriere als Illustrator und Freelancer, bis er 1963 ›Mein allerschönstes Wörterbuch‹ veröffentlichte, das ein internationaler Bestseller wurde. Viele seiner über 300 Bücher sind in Zeichentrickserien umgesetzt. Richard Scarry starb 1994 in Gstaad. ( Quelle Diogenes Verlag )

> Vintage < von Grégoire Hervier

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Dem 25 jährigen Ich – Erzähler Thomas Dupré, Gitarrist und Schreiberling, mit wenig lukrativen Einkommen, bietet sich der super Deal. Für eine Million Dollar soll er Beweise liefern, dass die legendärste Gitarre aller Zeiten, die Gibson Moderne, je existiert hat. Diese große Herausforderung reizt Thomas über die Maßen und er nimmt dieses Angebot abenteuerlustig an. Ein gewisser Lord Winsley, ein exklusiver Gitarrenliebhaber mit mysteriösem Touch, ist sein Auftraggeber.

>Und nur keine Bange, lassen Sie sie erzittern. Diese Gitarre ist ein reinrassiger Araber, die kauft man nicht, um nur damit zu traben.< ( Seite 40 )

Thomas reist von Frankreich aus zuerst nach Australien, dann weiter nach Amerika, dort geht er verschieden Spuren nach. Kein leichtes Unterfangen, denn er trifft auf allerlei Musik – Freaks die nicht immer das Beste im Schilde führen. Doch Thomas ist regelrecht angefixt, Beweise für die Existenz der >Modernen< zuliefern und die Million zu kassieren.

Diesen Song den Grégoire Hervier in > Vintage < präsentiert , beinhaltet alles, was einen Hit wohl weislich ausmacht. Intro, Strophen, Bridge und Refrain, so hat er seine Kapitel alle unterteilt. Gemeinsam lassen sie uns den Blues, den Rock und eine Fülle von faszinierenden Tönen und Klängen vergangener Tage, huldvoll unsere Ohren und Musikseelen füllen. Herviers Stil ist charmant und amüsiert auf gar köstliche Weise. Seine Begeisterung zur Musik veranschaulicht er vortrefflich. Und dennoch muss ich hier eine eigene Befindlichkeit einfließen lassen. Auf der Seite 50 sind folgende Zeilen zu finden. <1976 wurde die Explorer neu aufgelegt, und zwei Jahre später entdeckte der Gitarrist von U2 sie für sich.< Der weltbeste Gitarrist The Edge wird namentlich nicht erwähnt! Ich fasse es nicht! Alle möglichen Musiker oder Persönlichkeiten sind benannt wie z.B Eric Clapton, Bill Gibbons, Neil Young, Van Halen, die Rolling Stones u.v.a. Doch nicht The Edge, das schmerzt mich schon. Jedoch möchte ich dieses Buch sehr gerne allen empfehlen, die den Blues in sich tragen und denjenigen deren Interesse, so hoffe ich, geweckt habe.

Diogenes Verlag / ISBN: 9783257244502 / 389 Seiten

Grégoire Hervier, geboren 1977 in Villeneuve-Saint-Georges, hat eine Schwäche für Rockmusik, Science-Fiction-Filme und Karate. ›Vintage‹, in dem Fakten in eine raffinierte Erzählung hineinverwoben sind, ist sein dritter Roman. ( Quelle Diogenes Verlag )

> Die Weite fühlen < von Pia Solèr

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Aufzeichnungen einer Hirtin

Pia Solèr ist Hirtin im schweizerischen Graubünden. Sie verbringt ihre Sommer fernab jeglicher Zivilisation, in zweitausend Metern Höhe. In dieser Natur sind ihre Tiere, die Schafe und Hunde ihre engsten Begleiter. Fern von der Hektik des normalen Alltags, sucht und findet sie Ruhe. Ihre Ruhe. Diese verhilft ihr zu einer inneren Stärke.

>Aber auch hier braucht es Stärke, um mit allem fertig zu werden. Der größte Feind, liegt in einem selber.Ihn oder den Feind in sich kann man nähren. Die Auseinandersetzung mit sich selber ist unumgänglich. In der Stadt oder im Dorf kann man davor besser flüchten und sich ablenken. Man kann sich faul berieseln lassen. < ( Seite 18 )

Die Natur beschenkt mit ihrer Schönheit, doch birgt sie auch Gefahren mit sich. Wie zum Beispiel ein plötzlicher Steinschlag. Selbst wenn dieser Weg schon zig Male beschritten wurde, kann sich aus heiterem Himmel ein Stein lösen. Dann kann nur noch der Schutzengel helfen.

> Die Kleidung muss funktionell sein. Wasserdicht, wenn es warm ist, leicht. Das wichtigste sind aber gute Schuhe, Stecken und Feldstecher. Der Hirte muss nur sich selber und den Tieren gefallen, und die legen keinen Wert auf Mode und den letzten Schrei. Wenn der Hirte gut zu den Tieren ist, ist das Tier gut zum Hirten.< ( Seite 63 )

Die Aufzeichnungen von Pia Solèr sind in einem natürlichen Strauß voller poetischen, leicht verständlicher Weisheiten gebunden. Die Hirtin ist der Hektik entflohen und lässt sich in der vollkommenen Stille dahin gleiten. Sie hat Achtung und Wertschätzung den Tieren und der Natur gegenüber. Wenn jeder Mensch, auch nur einen Hauch von Pia Solèrs Philosophie in sich tragen würde…..nicht auszudenken diese Fülle an Freude, die einem zuteilwerden könnte! > Die Weite fühlen < ist ein sanftes Buch für Zwischendurch, um der Betriebsamkeit zu entfliehen. Leseempfehlung!

Diana Verlag / ISBN: 9783453357235 / 121 Seiten

Pia Solèr ist eine Schweizer Schriftstellerin. Geboren 1971.

> Schöne neue Welt < von Aldous Huxley

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Im Jahre 632 nach Ford, eine totale Herrschaft verspricht das genormte Glück. Die Menschheit lebt in einer Wohlstandsgesellschaft und nehmen am Luxus teil. Den Tod bringende Krankheiten, Kriege, Elend oder gar Naturkatastrophen sind vollständig ausgemerzt. Doch mit ihnen ebenfalls die Kunst, die Religion, die Humanität und die Freiheit.

Vor langen Zeit, als Ford der Herr noch auf Erden wandelte, lebte ein kleiner Knabe namens Rubin Rabinowitsch. Ruben war das Kind polnisch sprechender Eltern. > Er unterbrach sich. > Sie wissen doch was Polnisch ist?< < Eine tote Sprache. < Wie Deutsch oder Französich<, ergänzte ein anderer, stolz auf sein Wissen. ( Seite 35 )

Die Gattung Mensch wird gezüchtet. Embryos in Kategorien unterteilt. In Alfas, Betas, Gammas, Deltas und Epsilons. Diese sehr ausgefeilte Wirklichkeit könnte mehr oder weniger beschaulich ihren weiteren Verlauf nehmen. Wenn nicht………………………………..

> Aber wenn Sie etwas über Gott wissen, warum sagen Sie es nicht den Menschen? < fragte der Wilde empört. > Warum geben Sie Ihnen nicht diese Bücher über Gott? < > Aus dem gleichen Grund, warum wir Ihnen nicht Othello geben. Weil sie alt sind. Sie handeln davon, wie Gott vor hunderten von Jahren war, nicht, wie er heute ist. < >Gott ändert sich doch nicht. < > Aber die Menschheit.< ( Seite 200)

Aldous Huxley hat mit seinem Roman < Schöne neue Welt < eine Utopie geschaffen, die im ersten Blick sehr futuristisch und surreal erscheint. Doch wird diese Vorverurteilung revidiert und die Story erscheint plausibel und durchaus glaubhaft. Der Roman erschien 1932 und spielt in der Zeit 2540 n. Chr. die Menschheit ist in der totalitären Diktatur angekommen. Die Stabilität steht im Vordergrund und persönliche Bedürfnisse können sofort befriedigt werden. Eigeninitiative und Selbstbewusstsein sind nicht gewünscht. Klingt nicht gerade einladend, doch in der Tat glückt es Aldous Huxley seine Zeilen verständlich, schlüssig und mit einer Dosis an Satire sehr lehrreich darzustellen. Eine große Leseempfehlung für diese dramatisch dystopische Parabel! Sie gehört zu Recht in das Klassement der Weltliteratur!

Fischer Taschenbuchverlag / ISBN: 3596200261 / 222 Seiten

Aldous Leonard Huxley wird am 26. Juli 1894 in Godalming in der südenglischen Grafschaft Surrey geboren. Er ist der Sohn des Schriftstellers Leonard Huxley und seiner Frau Julia. Sein Großvater Thomas Henry Huxley unterstützte Charles Darwin bei der Verteidigung seiner Evolutionslehre. Er wurde „Darwins Bulldog“ genannt.
1908 Tod der Mutter.
1911 Huxley erkrankt am Auge, was eine Sehbehinderung zur Folge hat.
1914 Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Von der Teilnahme ist Huxley wegen seiner Sehbehinderung befreit. Er studiert Literatur am Balliol College in Oxford. Nach dem Krieg arbeitet er als Kunstkritiker, Dozent und Journalist. 
1916 Aldous Huxley veröffentlicht den Gedichtband „The Burning Wheel“.
1921 Der Roman „Chrome Yellow“ (Eine Gesellschaft auf dem Lande) erscheint.
1937 Aldous Huxley zieht nach Kalifornien. Inspiriert durch den Religionsphilosophen Jiddu Krishnamurti wendet er sich der Mystik zu. Er beschäftigt sich mit dem Hinduismus, dem Buddhismus und der indianischen Spiritualität.
Huxleys wichtigsten Buch erscheint. In „Brave New World“ (Schöne neue Welt) beschreibt er das Leben in einem total kontrollierten Staat. Im Zeitalter der Genforschung und Überwachung ist seine Vision heute nicht mehr weit von der Realität entfernt. 
Wie auch in George Orwells Roman „1984“ beschreibt Huxley keine ideale Welt im Sinne von Thomas Morus der das Genre der Utopie begründete, sondern ein Horrorszenario, eine negative Utopie. Sie wird auch als „Dystopie“ bezeichnet.
1945 George Orwellveröffentlich seine Fabel „Animal Farm“ (Farm der Tiere) als Anspielung auf den Stalinismus. Im Jahre 1948 folgt seine Dystopie „1984“. Zwischen Orwell und Huxley bestehen viele Parallelen. Doch Huxley hat die Schilderung des Totalitarismus noch vor seiner Umsetzung durchHitler und Stalin verfasst.
1953 – 1954 Unter ärztlicher Kontrolle hatte Huxley Selbstversuche mit Drogen durchgeführt. Mit seinem Statement über die Ungefährlichkeit von Mescalin bei kontrollierter Anwendung löst er eine gesellschaftliche Debatte aus. Die Experimente beschreibt Huxley 1954 in seinem Essay „The doors of Perception“ (Die Pforten der Wahrnehmung).
1956 Huxley veröffentlicht „Heaven and Hell“ (Himmel und Hölle) als Fortsetzung der „Doors of Perception“. 1965 gründen Jim Morrison und Ray Manzarek die Band „The Doors“. Der Sänger Jim Morrison hat selbt Erfahrungen mit Meskalin. Der Bandname spielt auf Huxleys „Doors of Perception“ an.
1962 In seinem letzter Roman „Island“ (Eiland) beschreibt Huxley eine Utopie im klassischen Stil von Thomas Morus. Auf einer Insel lebt eine freie kommunistische Gesellschaft. ( Quelle http://dibb.de/huxley.php )

>Als Hemingway mich liebte< von Naomi Wood

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Wir schreiben das Jahr 1920. Ernest Hemingway ist einundzwanzig als er in einer Bar die achtundzwanzig jährige Hadley kennen – und lieben lernt. Die beiden heiraten, bekommen einen Sohn und leben in Chicago. Die gutherzige Hadley lernt Pauline, Rufname Fife, kennen. Die beiden Frauen werden zu engen Freundinnen und Fife ist auch bald schon des öfteren bei den Hemingways zu Gast. Auch Ernest findet gefallen an Fife, jedoch mehr als dieser á trois gut tun würde.

Hadley und Ernest schlafen in einem großen, weißen Zimmer der Villa, während Fife unten nächtigt, in einem als Einzelzimmer gedachten Raum. In der Villa herrscht Stille und Anspannung, bis einer ihrer Freunde mit Seife und Lebensmitteln auftaucht, am Gartentor verharrt und sich fragt, ob man die drei vielleicht besser nicht stören sollte. ( Seite 9 )

Fife ist eine wohlhabende, junge Frau, die weiß was sie will. Das offensichtliche wird wahr. Hadley gibt Ernest frei, frei für Fife. Ernest und Fife bekommen zusammen zwei Söhne. Ernest wird beruflich stetig erfolgreicher. Alles könnte von Glück gekrönt sein. Doch der Jäger und Sammler Ernest hat eine neue Frau erspäht, die er unbedingt besitzen will.

Sie essen an diesem Abend zusammen im Speisezimmer, sie Ernest, Sara und Gerald. Doch es gibt noch einen weiteren Gast am Tisch: Martha, unsichtbar und stumm und dennoch ohrenbetäubend laut. ( Seite 176 )

Martha ist Kriegsreporterin und Martha wird Mrs. Hemingway Nr. 3. Sie berichtet mit Ernest über Geschehnisse in Kriegsgebieten. Mal sind sie zusammen, mal getrennt an anderen Orten. Doch auch Martha kann Ernest nicht halten. Er hat seine Wahl getroffen. Mary!

Doch sie fühlte sich durch Marys unerwartendes Auftauchen betrogen – als hätte eine Truppe Clowns ihr den sorgfältig einstudierten Text geklaut…………….( Seite 252 )

Mary wird die vierte Mrs. Hemingway. Mit Mary ist Ernest fünfzehn Jahre zusammen. Ihr gehören die unschönen Jahre. Ihr Mann verändert durch langjährigen maßlosen Alkoholkonsum und der massiven Depressionen, seine Persönlichkeit. Mary muss auch körperliche Gewalt ertragen. Sie wird es sein, die Ernest Hemingway an einem Morgen des Jahres 1961 leblos im Haus auffindet.

Naomi Wood vermittelt mit ihrem Buch tiefe, fast schon intime Einblicke in das Liebesleben von Ernest Hemingway. Jedoch stehen hier die Hemingway – Frauen im Mittelpunkt. Ernest bleibt trotz seines Charmes, seiner Unfälle, seiner Alkoholexzesse und seiner wechselnden Partnerinnen, eher eine imposante und tragische Begleiterscheinung. In der Tat scheint Ernest ein getriebener und suchender zu sein. Er braucht die extremen Abenteuer, die schönen Frauen und die Liebe, die ihn ausfüllen sollen. Er lebt zügellos und unersättlich, Grenzen scheinen ganz und gar zu fehlen, das wird ihm zum Verhängnis. > Als Hemingway mich liebte < ist eine zu Herzen gehende Geschichte, über vier Frauen, die dachten es wäre für immer. Doch sie scheitern an diesem außerordentlich charismatischen Mann, der sich menschlich selbst demontiert. Dieses Buch ist eine Hommage an Ernest Hemingway und seine Frauen! Ein Buch das durch seine Feinfühligkeit und durch seine liebevolle Betrachtung besticht. Gerne mehr von Naomi Wood!

1.Hadley Richardson (*1891-1979), verheiratet von 1921 bis 1927. Ein Sohn Jack.  2. Pauline Pfeiffer – genannt Fife (*1895-1951) – verheiratet von 1927 bis 1940. Zei Söhne.
3.Martha Gellhorn (*1908-1998) – US-Amerikanische Journalistin und Schriftstellerin.  Verheiratet von 1940 bis 1945.Kinderlos.
4.Mary Welsh (*1906-1986) verheiratet von 1946 bis zu seinem Tode.

Hofmann und Campe Verlag / ISBN: 978455405590 / 366 Seiten / Originalausgabe erschien 2014

Tausendléxi – Nominiert für den Buchblogaward 2019

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Mit großer Freude und Dankbarkeit! Bis 30.08.2019 kann noch gevotet werden!

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> Länger als sonst ist nicht für immer < von Pia Ziefle

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Unter dem Motto : https://literaturtage-oehringen.de/oehringen-liest-ein-buch-literaturtage-oehringen-2019/ wurde dieses Buch ausgesucht!

Drei Menschen, geboren in den siebziger Jahren und aufgewachsen in den Achtzigern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und deren Wege sich immer wieder kreuzen.

Lew reist nach Indien, als er die Mitteilung bekommt, dass seine Mutter dort verstorben ist. Dort wird er seinen Vater wohl wiedersehen, nach über dreißig Jahren. Die Mutter und der Vater gelang damals die Republikflucht aus der DDR. Lew und seinen Bruder Manuel ließen sie alleine zurück.

Ihr langes braunes Haar hielt sie mit einem schmalen Band zusammen. Zauberhaare nannte er sie, weil goldene Strähnen hervorblitzten. Als seine Mutter die ersten grauen dazwischen entdeckte, da hatte sie gesagt > Endlich kann jeder sehen, das ich alt und weise geworden bin < ( Seite 109)

Ira steht ihrem sterbenden Vater Cornelius bei. Die beiden verstanden sich immer recht gut, wenn auch mit einer Portion Distanz. Ein großer Trost für Ira, denn ihre Mutter war für sie unberechenbar. Auf Anti – Atom – Demos missbrauchte sie ihr Kind sammt Kinderwagen als Schutzschild. Auch sonst schreckt die Mutter nicht zurück Ira zu demütigen. Ira ist nun selbst Mutter.

Unsichtbar ist Iras leichteste Übung, schon immer gewesen. Mit voller Blase im Kinderzimmer hat sie gewartet, bis es nicht mehr auszuhalten war, ist zur Tür geschlichen, um zu sehen, ob draußen jemand war. ( Seite 103 )

Fido ist in den siebziger Jahren, als damals vierjähriger mit seinem Großvater aus Jugoslawien nach Deutschland geflohen. Beide haben sich gut in ihr neues Leben integriert. Wenn auch Fido Probleme hat sich dazu gehörig zu fühlen. Er ist ein Getriebener auf der Suche nach seinem Platz. Vielleicht mag daran liegen, dass seine Mutter ihn im Haus des Großvaters geboren und ihn kurz danach verlassen hat.

Länger als sonst, hat er gesagt, und er hat mich nicht angesehen dabei. Auf den Boden hat er gesehen, seine Locken haben sein Gesicht verdeckt, und ich wusste, dass es diesmal nicht um ein paar Wochen ging. ( Seite 250 )

Fazit: Pia Ziefle hat hier drei Leben aufgezeichnet. Das von Ira, Lew und Fido und mit den Menschen die sie durch das Leben begleiten. Drei Familiengeschichten durch äußere Einflüsse zart miteinander verwoben. Pia Ziefle gewährt ihren Protagonisten immer wieder ein Kapitel für sich und schafft so die Möglichkeit diese Leben etwas genauer zu betrachten. Leben, die schon früh in den Kindertagen gesteuert wurden und sich durch alles je erlebte ziehen. In der Tat ist dies für Ira, Lew und Fido eher ein schmerzlicher Ballast und die drei versuchen, jeder auf seine Art, sich von dieser Last zu befreien. > Länger als sonst ist nicht für immer < ist ein sehr behutsames und zu herzen gehendes Buch, mit all´seiner Tragik, die so manches Mal die Bauchmuskeln leicht verkrampfen lässt. Sprachlich gestaltet sich die Zeilen eher schlicht, jedoch tut das den Geschichten sicherlich gut. Die Wirkung ist klar und deutlich. Ein Buch mit Nachhall!

4 von 5

List – Taschenbuch / ISBN: 9783548612256 / 282 Seiten

Pia Ziefle ist eine deutsche Schriftstellerin und Bloggerin. Ihre Themen sind Migration, Biografie und Identität, und die Auswirkungen teils längst vergangener Ereignisse in der Familiengeschichte auf gegenwärtige, scheinbar individuelle Entscheidungen. ( Quelle Wikipedia)

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