> Ich spüre was, was du nicht spürst < von Anna Heintze

Unbezahlte Werbung

Wie eine Prinzessin auf der Erbse.“ – das hören hochsensible Menschen oft. Das Umfeld nimmt sie als schwierig, gar exentrisch, wahr und sie selbst leiden oft an ihrer Besonderheit. Tatsächlich liegt in der Hochsensibilität ein großes Geschenk verborgen, das es nur auszupacken gilt.

– so der Klappentext –

Anne Heintze, hat sich hier einem sehr interessanten Thema angenommen und es auf liebevolle Art und Weise gestaltet. Wer davon sozusagen betroffen ist, sich jedoch mit dieser Thematik noch nicht näher auseinader gesetzt hat, ist hier mit kurzweiligen Erklärungen und alltagstauglichen Tipps sehr gut aufgehoben. Hochsensibilität ist eine Veranlagung, die, wenn man sie realisiert hat, postiv zur Stärkung der eigenen Wahrnehmung führen kann. Anne Heintze hat in ihrem Buch wertvolle Informationen zu bewegenden Fragen aufgezeigt. Sie stärkt mit einfachen Übungen die immense Empfindsamkeit von Hochsensiblen. Dieser, nennen wir es Ratgeber, ist sehr sorgsam und gefühlvoll ausgestattet. Aber nicht nur für Hochsensible sind die Übungen durchaus geeignet, denn sie bringen den Körper und den Geist zur Ruhe. Das ist für jede Art von Mensch sehr hilfreich. Sehr kreative Aufmachung, die sich als Geschenk oder Mitbringsel sehr gut eignet!

GU / ISBN: 9783833841323 / 126 Seiten

< Herr Rudolf <

Als ich die Bürotüre öffne und in den Flur trete, steht Herr Rudolf dort und lächelt mich hoffnungsvoll an. Er steht mit den Händen an seinen Rollatorgriffen haltend da und versucht die Balance zu halten. Herr Rudolf hat Parkinson, er nimmt an den Gruppenaktivitäten nicht teil, er schämt sich. Die anderen Bewohner haben ihn ausgelacht und kritisiert, da er sehr zeitverzögert auf Fragen antworten kann. Jedoch sind seine Antworten stets intelligent und mit einer Brise Schalk gewürzt. Herr Rudolf bekommt Einzelbetreuung, zu zweit gehen wir auf die Dachterasse oder verweilen am großen Panoramafenster und plaudern. Herr Rudolf war beruflich erfolgreich und hat viel gemalt. Das gehört schon lange der Vergangenheit an.
Nun steht er vor mir, mit einem Lächeln und blickt dann auf das liegende Telefon auf seinem Rollator.
The same procedure as every time…….wir verstehen uns ohne Worte. Ich blicke auf meine Uhr, 17 Uhr ist es, gut dann könnte seine Tochter Susanne schon zu Hause sein.
Ich bitte ihn auf der Bank platz zu nehmen und wähle die Nummer an, beim Freizeichen reiche ich das Telefon an Herrn Rudolf weiter und entferne mich diskret. Ich höre ihn reden : “ Ja hier ist Papa………..“

< Karl <

Ich besuche Karl, einmal die Woche für zwei Stunden, in meiner Tätigkeit als Hospizbegleitung. Karl und ich, wir haben uns gleich sehr gut verstanden. In den zwei Stunden entlaste ich seine Frau Gerda, sie geht dann ins Hallenbad schwimmen. Karl und Gerda waren schon immer ein sehr reges und sportliches Paar. Schwimmen, wandern, walken und gerne auf Reisen. Das kann Karl seit fast 3 Jahren nicht mehr, er ist sehr schwer Herzkrank, alles strengt ihn immens an. Damit hadert er jetzt, dass er nicht mehr so kann wie er möchte, mit seinen fast 80 Jahren. Großgewachsen und ausgezehrt sitzt er neben mir in seinem Rollstuhl. Das Wohnzimmer scheint auf Anschlag beheizt. Doch Karl friert noch trotz der Decke über seinen Beinen. Er bittet mich den Heizlüfter zusätzlich einzuschalten, mir rollen die Schweißperlen den Nacken herunter. Karl sieht gerne fern, der Ton ist laut damit er auch etwas verstehen kann. Mittendrin unterhalten wir uns über sein Lieblingsthema: Autos. Er erzählt von seiner Lehrzeit, von seinen Fahrzeugen und seiner Leidenschaft, das Motorrad fahren. Bei seinen Erzählungen entstehen häufiger Lücken weil ihm die passenden Worte nicht einfallen möchten. Er entschuldigt sich oft. Ich erkläre ihm, das es keine Eile hätte, ich habe Zeit für ihn. Er stützt seinen Ellenbogen auf die Rollstuhllehne und neigt den Kopf auf seinen erhobenen Handrücken, er scheint zu überlegen. Nach ein paar Minuten, hebt er den Kopf und fragt > Ist das bei euch auch so?< ich warte auf eine weitere Ausführung. Karl nochmals > Ist das bei euch auch so ?> > Was genau < frage ich nach. > Ist das bei euch auch so, dass der Auspuff hinten ist < Ich gebe zu, ich bin im ersten Moment recht verblüfft über diese Frage. > Ja Karl, bei unserem Auto ist das auch so < Karl strahlt mich an. Ich mag ihn.

> Anna <

Ich klopfe drei Mal an die Zimmertüre von Anna B., sie wird mir nicht antworten, denn Anna B. redet kaum noch. Mal ein > Heija < oder ein > Jaja < mehr spricht sie nicht mehr. Anna B. ist 88 Jahre und lebt seit 8 Jahren in einem Altenpflegeheim. Die Demenz hat sie so sehr in Besitz genommen, dass ich sie an manchen Tagen nicht erreichen kann. Sie reagiert auf kein Wort, selbst die Geheimwaffe Musik besitzt dann keinerlei Wirkung. Ich trete in das Zimmer, ein Geruch von Urin fliegt mir entgegen. Leichte Übelkeit keimt bei mir hoch. Ich begrüße laut Anna B. und erkläre ihr, dass ich das Fenster kurz kippe. Sie antwortet mit > Jaja <. Das ist ein gutes Zeichen. Ich stelle mich wieder einmal mit Namen vor und nenne ihr den Wochentag und das Datum. Anna B. grinst und lacht, ihre Augen strahlen. Da muss man einfach mitlachen. Ihr Blick richtet sich geradeaus. Ein Familienbild, hängt in DinA 3 Größe, gerahmt an der Wand. Ich schaue mit und erwähne lobend und positiv die große Familie die sie hat. Auf dem Bild sind 14 Familienmitglieder zu sehen, Erwachsene und Kinder. Die Aufnahme dürfte schon ein paar Jahre alt sein. Zwei der Personen vom Bild habe ich selbst zwei – dreimal gesehen, die anderen sind mir gänzlich unbekannt.Ich stimme > Die Gedanken sind frei < an, Anna B. fängt zu lachen an und dreht den Kopf zu mir. Sie summt eine Melodie, ihre Melodie. Die Freude hat sie in Besitz genommen und wir beide machen einfach so weiter. Heute ist ein guter Tag, wir machen gemeinsam Musik.

> Ruth <

Ruth erzählt von ihrem Leben, sie ist 93, sie mag nicht mehr. Hadert mit dem Rollstuhl, sie kann nicht mehr gut gehen, jeder Schritt schmerzt sie ungemein. Mit 30 Jahren stürzte sie vom Kirschbaum, ein Ast brach vom Baum und sie sich die Ferse. Im Laufe ihres Lebens kamen Herzbeschwerden dazu, dies führte, dass sie mit 83 eine neue Herzklappe bekam. > Ich hoffte inständig, das ich nach der Operation nicht mehr aufwache.“
Auf meinen Einwand, wie wertvoll das Leben und das es doch enorm sei, ein so stattliches Alter zu erreichen, winkt sie ab. Nein, so schön war ihr Leben nicht. Der Krieg und die Entbehrungen. Die Nachbarn in ihrem kleinen Dorf, die mißgünstig und nationaltreu waren. Ihre Ehe die Kinder – und Lieblos blieb. Die immens viele und mühselige Arbeit auf dem elterlichen Hof, den sie dann später übernahm. Ruth kämpft mit den Tränen, sie mag nicht mehr. Das Leben hat ihr nicht gut mitgespielt. Ich versuche sie auf schöne Ereignisse und Momente zu lenken. Sie scheint sie verdrängt zu haben. Nun sitze sie in einem Altersheim, am liebsten in ihrem Zimmer, denn in den gemeinschaflichen Räumen hält sie es nicht aus. Zuviel Demente. Ihr verstorbener Mann war dement, Ruth hat ihn lange betreut und gepflegt. Sie kann diese Menschen hier und diese Erinnerung nicht ertragen. Ihr Haus mit Anwesen soll nun verkauft werden. Ihre Nichten und Neffen wollen es nicht. Zu weit weg vom Schuß. Ruth hat trotz ihrer harten Worte einen freundlichen Blick. Ihre Augen wirken verschmitzt. Sie liest jeden Tag die komplette Tageszeitung und ist politisch bestens informiert. Sie kann sich nicht mehr selbst versorgen, darum ist sie hier. Ihre Hoffnung auf eine Kurzzeitpflege wurde ihr genommen. Auf meine Frage ob ich sie ab und an besuchen dürfe, verändern sich ihre Augen, freundlich und geradezu leuchtend. Oh ja, antwortet Ruth, da würde sie sich sehr freuen. Sie mag gute Unterhaltung, auch wenn sie heute fast nur geredet hat, bemerkt sie fast entschuldigend. Zum Abschied drücken wir uns die Hand und lächeln uns an. Auf bald Ruth !

> Herzstücke <

Ich möchte mit der Seite > Vergißmeinnicht < der vergessenen Generation, das bedeutet Menschen, die vor und um 1940 geboren sind, eine Stimme geben. Hier gebe ich Geschichten und Erzählungen dieser Generation weiter. Die Namen sind frei erfunden !

> ANNA < von Erika Pluhar

Unbezahlte Werbung

Gezeugt wurde sie in einem Schloß, das war ein sehr verheißungsvoller Start ins Leben. Anna wird als Tochter von Erika Pluhar, einer Schauspielerin und des Unternehmers Udo Proksch geboren. Ihre Kindheit verläuft alles andere als majestätisch. Der Vater ist äußerst exzentrisch und kaum anwesend, die Mutter schlüpft von einer Rolle in eine andere. Die meiste Zeit verbringt Anna mit lieblosen Kinderfrauen oder mit ihren sorgsamen Großeltern. Doch die Eltern selbst sind alles andere als fürsorglich. Gut, die Mutter schon in irgendeiner Weise, jedoch gibt sie Anna immer wieder in die Obhut von anderen Menschen. Dabei sehnt sich die kleine Anna nach der Liebe und Fürsorge ihrer Mutter. Die Mutter, die immer bekannter wird, die Mutter, die es zwar schafft sich von ihrem alkoholsüchtigen und gewalttätigen Mann zu trennen, andererseits sich gleich wieder in eine neue Liebschaft stürzt. Nämlich in die mit dem Künstler Andre Heller. Anna wird immer mehr von Asthmaanfällen heimgesucht, doch alle Menschen in ihrem näheren Umfeld sind gut instruiert, um dem Kind immer wieder Erleichterung zu verschaffen. Einige Zeit verbringt sie in einem schweizer Sanatorium, die mit < dem Onkel< wie das Asthma in Annas Familienkreis genannt wird, gut um zu gehen wissen. Die Kindheit erlebt Anna, ohne die große Nähe ihrer Eltern und mit schlimmen Asthmaanfällen.

Erika Pluhar erzählt von ihrer Tochter Anna, die 1961 geboren wurde. In einem lakonisch anmutenden Stil zeigt sie die Kindheit ihres einzigen Kindes auf. Kein Wort der Reue ist hier zu spüren, eher sehr nüchtern gibt sie vergangenes preis. Das Buch beinhaltet auch keine Abrechnung mit Annas Vater oder gar mit sich selbst. Nein, sie schreibt die Worte zwar berührend, doch keines Wegs anklagend.

Wir lesen nicht, dass der Vater von Anna, Udo Proksch, Netzwerker, Designer und Massenmörder war. Der als vermeintlicher Drahtzieher des Falls Lucano, 1992 wegen sechsfachen Mordes verurteilt und bis zu seinem Lebensende inhaftiert war.

Wir lesen nicht, dass Anna Proksch, 1999 an einem Asthmaanfall erstickte.

Wir lesen um Annas willen, deren Leben keines der leichten Sorte war………………………….

3,5 von 4

Residenzverlag / ISBN: 9783701717019 / 244 Seiten

Erika Pluhar, wurde 1939 geboren. Nach   Abschluß   des   Gymnasiums   und   der   Schauspielschule   „Max-Reinhardt-Seminar“   wurde   sie   an das   Wiener   Burgtheater   engagiert,   und   war   dort   vier   Jahrzehnte   lang   als   Protagonistin   erfolgreich tätig.   Auch   durch   Film   und   Fernsehen   machte   sie   sich   im   gesamten   deutschsprachigen   Raum   einen Namen. 40-jährig   begann   sie   musikalisch   zu   arbeiten,   wurde   Interpretin   ihrer   eigenen   Lieder,   und   gleichzeitig entstanden regelmäßig Bücher, die sie veröffentlichte. 60-jährig   zog   sie   sich   aus   dem   Beruf   der   reinen   Schauspielerei   völlig   zurück.   Sie   arbeitete   filmisch (Buch,   Regie,   Produktion),   produzierte   in   Eigenregie   ihre   Tonträger,   ging   –   und   geht   –   mit   Konzerten und    Lesungen,    stets    konsequent    die    eigenen    Inhalte    vertretend,    weiterhin    vor    Publikum.    Als Schriftstellerin    gab    und    gibt    sie    Bücher    heraus,    die    auch    gekauft    werden    und    ihr    eine    treue Leserschaft   gesichert   haben,   derer   sich   ihr   Verlag   erfreut.   Seit   längerem   ist   es   der   Residenz-Verlag   – zuletzt    erschienen:    „Die    öffentlicher    Frau“,    2013,    und    „Gegenüber“,    2016.    Meist    werden    die Hardcover-Herausgaben von Suhrkamp-Insel als Taschenbuch übernommen. ( Quelle: http://www.erikapluhar.net/biografie.htm

> Die Frau im Musée d´Orsay von David Foenkinos <

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

>Das Herz trifft manchmal grundlose Entscheidungen.<

Plötzlich und unerwartet kündigt der Professor Antoine Duris an der Hochschule der >Schönen Künste< in Lyon. Er zieht von heute auf morgen nach Paris. Sein näheres Umfeld ist erstaunt und kann sich keinen Reim darauf machen, wieso dieser beliebte Professor, ohne für sie alle ersichtlichen Grund, das Weite sucht.

In Paris angekommen bemüht sich Antoine um einen Job als Wärter im Musée d´Orsay. Die Personalchefin Mathilde, stellt ihn trotz seiner Überqualifizierung ein. Von nun an betrachtet er während seiner Arbeitszeit ein Porträt von Jeanne Hébuterne, ihre Schönheit, ihr Anblick scheinen Antoine gut zu tun.

<Ich mochte die Malerei, ich weiß nicht, warum. Ich bin gern ins Museum gegangen, so wie Sie. Die Jugend war für mich eine schwierige Zeit. Da war das Museum ein Ort, an dem ich Trost fand.< >Ja, stimmt, Schönheit hat etwas hat etwas tröstliches……………..< sagte Camille ernst. Sie hielten einen Augenblick inne, vielleicht würde ja aus der Stille ein Gedanke entstehen.

Antoines Schwester Eléonore, macht sich große Sorgen um ihren Bruder. Er wurde erst kürzlich von seiner langjährigen Freundin verlassen. Ist dies der Grund seiner unverständlichen Kurzschlussreaktion? Ist Antonie in eine Depression versunken? Sie bemüht sich ihren Bruder ausfindig zu machen und erhofft sich so Licht in die ganze Angelegenheit zu bringen. Doch Antione gibt sich bedeckt und verschließt sein Seelenleben in der Tiefe seines Herzens.

Mathilde und Antoine nähern sich an, sie gehen gemeinsam aus und führen sehr behutsame Gespräche des kennen lernens. Gelingt es Mathilde den verschlossenen Antoine zu öffnen?

David Foenkinos hat mich schon mit seinem Buch > Charlotte< überzeugen können. Nun hier, mit > Die Frau im Musée d´Orsay < ist ihm wiederholt eine faszinierende Story gelungen, die vom Stil her, teilweise etwas lakonisch anmutet, doch durch scheinbar sehr gezielte Sätze eine sehr reizvolle Stimmung vermitteln. Diese homogene Mischung lässt die Seiten nur so dahin fliegen. Auf der Suche nach dem warum, dem Auslöser von Antoines Ausbruch aus seinem Leben in Lyon, erfolgt die Entlohnung, eine Geschichte die interessant und magnetisch nachhallt. Große Leseempfehlung!

4,5 von 5

Penguin Verlag / ISBN: 9783328600862 / 235 Seiten

David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“, der auch als Film mit Audrey Tautou das Publikum begeisterte. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Der vielfach ausgezeichnete Roman „Charlotte“ hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft und wurde auch in Deutschland zum Bestseller. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ war in Frankreich monatelang auf der Bestsellerliste und kommt 2019 in die Kinos.

> 10 Fragen an den Autor Salih Jamal < von Tausendléxi

Es waren zwei Königskinder, die konnten einander nicht finden, oder so ähnlich, erging es dem Autor Salih Jamal und mir. Terminlich war immer irgendwas. So haben wir uns zu einem virtuellen Austausch entschlossen. Überaus spontan, geradezu lässig. Ich beschreibe kurz wie die Location hätte sein können: wir sitzen beide auf einer etwas altertümlichen, ziemlich mächtigen Ledercouch, auf einem in pastellfarben gehaltenen Nierentisch tummeln sich unsere Getränke, mein Pfefferminztee und Salihs Habichjetztvergessen. Im Hintergrund kann man ganz sanft die Klagelieder von Henryk Goreki hören…………………………https://www.youtube.com/watch?v=-mEWlGLkjIw

>Ich freue mich sehr, Salih, dass wir unser Interview nun beginnen können, ich starte auch gleich mit der ersten Frage > ( Hoffe inständig, dass keiner bemerkt wie aufgeregt ich bin, denn, dies ist mein erstes Intervierw ever und ich bin sehr froh, dass Salih die Ruhe weg hat……………………………………………………..)

  1. Nach deinem ersten Buch > Briefe an die grüne Fee < und deinem zweiten> Orpheus < schreibst du gerade an einem dritten Roman. Wie lautet der Titel? Und magst du ein bisschen was zum Inhalt verraten?

Zur Zeit hat es Arbeitstitel, die immer mal wechseln. Der vorletzte hieß: „Let’s burn this fucking place down.“ Den aktuellen verrate ich nicht.

Es ist eine Geschichte über das Flüchten und über die Freundschaft. Sie reflektiert die verschiedenen Arten von Flucht – vor der Entdeckung, dem Schrecken, der Schuld und vor sich selbst. Die Flüchtenden werden konfrontiert mit ihren Erinnerungen und Traumata. Gleichzeitig ist die Geschichte ein Plädoyer für die Freundschaft und all dem was sie ausmacht. Oder besser wie sie entsteht: (Mit)Gefühl wird zu Fürsorge, Toleranz zu Selbstlosigkeit.

2. Wie, hast du für dein neues Buch recherchiert?

Ich hab mal in einem Erich Kästner Film, der übrigens ein bisschen kitschig war, gesehen, wie er einen Zeitungsartikel über einbrechende Kinder gesehen hat, und daraus ist dann Pünktchen und Anton entstanden. So ähnlich ist das auch bei mir. Weißt, du übrigens was das für mich Genialste an diesem Buch ist? Pünktchens Vater ist Spazierstockfabrikant. Das ist so geil Kästneresk. Das ist überhaupt das Größte. Besser als der Nobelpreis. Wenn man ein „esk“ hinter seinem Namen trägt.

Also, die Ideen kommen von draußen UND sie liegen tief in mir drin. Also auch selbst erlebtes ist enthalten und vor allem selbst gedachtes. Bei manchen Sachen war ich oft nur Zaungast. Das dann alles in den großen Rührer, und die erste Seite ist geschrieben.

Ach so, und was das Körperliche betrifft: Ich habe mir ein Boot zu raumfahren gemietet, weil im neuen Buch wird ein Boot gestohlen. Zuletzt: da wo die Szenen spielen war ich ja auch schon fast überall.

3. Was ist deine Message?

Hui….ich hab nicht wirklich eine. Aber Authentizität würde uns alle sehr weit bringen. Dann wäre so mancher Mist nicht notwendig oder er wäre nicht machbar. Im Großen und im Kleinen.

4. Wann dürfen wir dein neues Buch erwarten ?( sehr neugierig schauend )

Keine Ahnung. Ich finde es ist noch in einer frühen Phase. Ich lass mich nicht hetzen.

5. Zu < Orpheus < entsteht ein Hörbuch, die Hörprobe ist wirklich gelungen. Deine excellente Story, ein klasse Sprecher, untermalt von diverser, von dir explizit ausgesuchter Musik. Wann erscheint es ?

Auch die „Briefe an die grüne Fee“ sollten am 01.05. veröffentlicht werden. Ich weiß jetzt nicht wann Du das Interview veröffentlichst. Aber wir haben heute den 10. Mai und Audible ist da nicht so schnell wie zum Beispiel Hugendubel. (Wobei es da bis jetzt auch nur den Orpheus gibt). Die Hörprobe gibt’s auf meiner Websseite. Der Rest kann sich nur noch um Tage und vielleicht 1-2 Mails handeln.

6. Salih, du veröffentlichst – Verlagsfrei – über BoD – Books on Dermand. Was gab dir den Impuls?

Die wenigen, die mich wollten, fand ich nicht passend. Ansonsten warte ich noch auf den Verlag, der sagt: „Herr Jamal. Schreiben Sie! Hier ist ein Scheck und bitte nehmen Sie auch die Schlüssel für das Haus in Südfrankreich.“ Du siehst: Ich hab die gleichen Träume wie alle anderen Autoren auch. Und weißt, Du, auch wenn meine Bücher nicht von den Coehn Brüdern verfilmt werden, und wenn der passende Verlag nie an meine Tür klopft, dann habe ich wenigstens die Anerkennung, von denen, die meine Bücher gelesen haben.

Dieses unglaubliche Feedback, von denen, die mir mehr Sterne gegeben haben als es im Bewertungsschema gab. Das im Vergleich mit den Verlag-Highlights, die diese Blogger ja auch gelesen haben! Das ist etwas was mich als Mensch hat wachsen lassen. In allen Facetten: Von Hochmut bis zu Demut.

7.Deine Bücher sind ein Gebilde aus intensiver Poesie und immenser Tragik. Wie kommt das?

Was nutzt die Poesie, wenn sie nicht schmerzt?

Für mich ist Schreiben ein Prozess in der Kunst entsteht. Wie beim Malen oder beim Töpfern. Das alles passiert, wenn das Leben zu eng wird, weil sich das Denken und die Fantasie zu sehr ausbreiten, und sich von innen gegen die Wände des Körpers pressen. Wo dann Geist zu dichter Masse anwächst, so dass ihr Gewicht schmerzt und der Druck zu groß wird, weil er nicht raus kann. Wenn die Last einen auf die Knie zwingt. Das ist der Moment an dem Kunst entsteht. Manches Mal merkt man den Schmerz dabei gar nicht. Aber er ist definitiv da. Ein Orgasmus im Französischen heißt schließlich ja auch „La Petite Mort“.

8. Woher kommt wohl deine unglaubliche Tiefe, die in deinen Zeilen deutlich zu verspüren ist ?

Ich bin nicht so ein guter Gegendbeobachter und Beschreiber. Ich guck mir die Leute lieber an. So steht es schon auf Seite eins der grünen Fee:

„Du kennst das. Man sitzt unbeobachtet und unscheinbar in einem Café oder auf einem großen Platz. Leute sind überall. Man beobachtet das Treiben, die Personen, die wie auf einer großen, realen Leinwand plötzlich ihre Konturen zeichnen. Du studierst ihre Gesichter, den Blick, ihre Kleidung, ihren Gang, die Stimmen, die Hände oder die Zähne. Man notiert den Schmutz, der vielleicht an einem Schuh hängen geblieben ist. Ein falsch geknöpftes Hemd? Und dann entwickeln sich Bilder zu den Menschen, die nicht wissen, dass sie plötzlich in deinem Kopf ihre Geschichte erzählen. Sie können Opfer und Täter sein, oder beides. Sie sind dominant oder ergeben und gottesfürchtig. Wie Fotos, die mit einem Schnellauslöser gemacht werden, erscheinen in Bruchteilen von Sekunden Bilder über Bilder, die sich zu ganzen Handlungen, gar zu ganzen Lebensläufen, zusammenfügen. Ich gehe einer Beschäftigung nach, die meist lapidar mit „Leute gucken“ beschrieben wird.“

9. Welche Bücher liest du selbst? Hast du ein paar Tipps für uns ?

Auf meinem mir nächst gelegenen Stapel liegen zur Zeit:

Ramona Ambs: Beinahe eine Blume

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

Trudi Chase: Aufschrei

Rachel Kushner: Flammenwerfer

Maren Wurster: Das Fell

F. Scott Fitzgerald: Für Dich würde ich Sterben.

Ich kann aber noch keinen Tipp geben. Ich lese viel gleichzeitig und breche auch oft ab. Ich wär ein katastrophaler Blogger. Ansonsten schau doch mal beim Scout Award vorbei. Da ich den letztes gewonnen habe, war ich Juror für die Midlist im Segment „Gegenwartsliteratur.“ Das waren meine Highlights der Neuerscheinungen aus 2018.

Hier ist der Link.

10. Nun meine Finale – Frage – Was für ein Mensch ist Salih Jamal ? Was zeichnet dich ganz persönlich aus ?

Ich bin sehr fürsorglich und ich versuche, so wie in der Frage da oben schon angesprochen, authentisch zu sein. Gleichzeitig wohnt in mir aber auch eine Ruhelosigkeit und der Drang mich Übertreibungen hinzugeben.

Herzlichen Dank an Salih Jamal für diese Offenheit!

Übrigens Salih Jamal kann man am 8. Juni 2019 in Nürnberg live erleben! Nichts wie hin!

Salih Jamal liest ORPHEUS — Musik, Liebe Tod – 19.30 – 21.30 Uhr in der C. Rauch´sche Buchhandlung / Jakobstraße 40 | 90402 Nürnberg

Lebenslauf von Salih Jamal : Ich wurde weit entfernt von dort geboren, wo ich hingehörte. So suchte ich zeitlebens meinen Weg nach Hause und gleichzeitig hinfort. Ein langer, ungewisser und wohl unmöglicher Weg. In einer staubigen Zeit erblickte ich das Licht der Welt. Um zwanzig nach sieben, an einem Sonntag genau in der Minute des Sonnenaufgangs, atmete ich den letzten Hauch der vergangenen Nacht in mein neues Leben ein. Alles stand im Sternzeichen des Skorpions und auch noch im Aszendent Skorpion. Koordinaten für die Weltherrschaft. Später erfuhr ich, dass mein Tierzeichen des chinesischen Horoskops das Feuerpferd ist. Feuerpferde sind sehr selten. In der fernöstlichen Astrologie wurden die Eigenschaften von Feuer und Pferd kombiniert: Pferde sind klug, selbstbewusst, egoistisch, unruhig und leidenschaftlich. Dabei sind sie so freiheitsliebend, dass sie die Welt vergessen können, so dass man durchaus niedergerannt werden kann, wenn man ihnen im Weg steht. Menschen, die im Feuer geboren werden sind dominant und brennen vor Hingabe an Dinge. Manchmal so lange, bis alles um sie herum zerstört ist. Der Akt meiner Geburt war als solcher gar nicht vorhanden. Ich flutschte einfach raus! So wie ich auch später durchs Leben flutschen sollte. Ich bin übrigens Frühaufsteher. Ob das etwas damit zu tun hat?

> Mein Name ist Judith < von Martin Horváth

Rezensionsexemplar – unbezahlte Werbung

Die Welt von dem Autor León Kortner wird auf den Kopf gestellt. Er verliert bei einem Attentat am Wiener Hauptbahnhof, seine Liebsten, seine Frau und seine Tochter. Seit diesem tragischen Ereignis, lebt León wie in einem Vakuum gehüllt, von der Realität ausgeschlossen.

Eines Morgens dann, sitzt ganz unverhofft, ein etwa zehnjähriges Mädchen in seiner Küche. Bekleidet ist sie mit einem auffälligen, altmodischen Mantel. Ihr Name ist Judith Klein. Sie behauptet allen Ernstes, dass ihrem Vater die Buchhandlung unten im Haus gehört. Doch diese besagte Buchhandlung gibt es schon lange nicht mehr. Die Familie Klein musste die Buchhandlung Ende der 1930 Jahre aufgeben. Sie flüchteten vor den Nazis.

Durch Judith wird León aus seiner Lethargie und Schwermüdigkeit gerissen. Nicht nur das, denn León ist auch seines Lebens müde, ohne seine Familie fühlt er sich verloren. Er weiß um das Schicksal der Familie Klein, doch möchte er diesem Kind die schmerzliche Wahrheit ersparen und erfindet sehr geschönte Geschichten.

>Aber die Lügen waren, so sei zu meiner Verteidigung vorgebracht, der Barmherzigkeit entsprungen. Sie waren aus Liebe geboren. Aus der Liebe eines Vaters, der wusste, was es bedeutete ein Kind zu verlieren.<

An sich liest sich das interessant, jedoch, ich sollte eines Besseren belehrt werden. Martin Horváth ist ein abwechslungsreicher Plot gelungen, der mich auf den ersten Blick angezogen hat. Doch waren mir einige Handlungsstränge zu verwirrend und mein Feuer der Geduld war bei 230 Seiten endgültig verraucht. Martin Horváth´s Schreibstil ist durchaus poetisch zu bezeichnen. Dies war auch der Anlass weiter an der Story dran zu bleiben, um den Sinn zu verstehen, weshalb er Vergangenheit, Gegenwart und Phantasie oder diverse Wahrnehmungen derart vermischt. Leider, und dies sage ich mit Ausdruck, konnten das Buch und ich unsere gemeinsame Reise nicht zu Ende führen, dennoch werde ich Martin Horváth gerne im Auge behalten.

3 von 5

Herzlichen Dank dem Penguin Verlag für dieses Exemplar!

Penguin Verlag / ISBN: 9783328600107 / 362 Seiten

Martin Horváth, wurde 1967 in Wien geboren, studierte an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst und lebt seit 1988 als freischaffender Musiker. Konzerte mit verschiedenen Wiener Orchestern und Kammermusikensembles führten ihn in zahlreiche Länder und zu renommierten Festivals wie den Salzburger und Bregenzer Festspielen. Während eines mehrjährigen New-York-Aufenthalts arbeitete er als Journalist und Übersetzer sowie an einem Forschungsprojekt zur Geschichte der österreichisch-jüdischen Emigration in die USA. Für seine Kurzprosa, Essays und andere Texte erhielt er Preise und Stipendien wie den Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis und das Autorenstipendium der Stadt Wien. 2012 erschien sein Romandebüt, „Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten“ (DVA), für das Martin Horváth mit der AutorInnenprämie des österreichischen Kulturministeriums ausgezeichnet wurde. Zudem ist das Buch für den Rauriser Literaturpreis und den Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck nominiert.