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Literatur & Zeitgeschehen

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Adam Ross -Mr. Peanut

 

Inhalt:

Adam Ross – Mr. Peanaut ist für den Leser / die Leserin eine turbulente Herrausforderung. Er lädt uns ein in ein Spiel, das Spiel der Ehe, der Zweisamkeit, der Intimität, der Wut, des Zorns, der Verzweiflung und des Verlustes.

Davis Pepin, phantasiert ab und an über den Tod seiner Ehefrau Alice. Als sie wirklich verstirbt, ist David in recht großen Schwierigkeiten. Er ist der Hauptverdächtige. Die Polizisten , die ihn verhören, führen ebenfalls emotional, belastende wie verstörende Ehen. Dieses Buch ist mit einer unglaublichen Wucht geschrieben, die uns verschiedene Perspektiven einer Ehe eröffnen. Ein guter Schreibstil macht das Ganze angenehmer.

 

Leseprobe:

Als David Pepin zum ersten Mal von der Ermordung seiner Frau träumte, trat er nicht selbst als Täter auf. Er träumte von höherer Gewalt im richtigen Augenblick. Als sie am Strand picknickten, zog eine Gewitterfront heran. David und Alice packten ihre Liegestühle, Decken und alkoholischen Getränke zusammen, und als der erste Blitz am Himmel zuckte, stellte David sich seine Frau vor wie in einem Cartoon, als lebende Fackel mit durchscheinendem Skelett, das schließlich zu einem rauchenden Häuflein Asche zusammenfiel. Er beobachtete, wie Alice schutzlos über die Sandfläche lief. Sie blieb sogar stehen,um die turmhohen Wolken zu bestaunen. » Was für ein Gewitter «, sagte sie. David versuchte, das Schicksal in Gedanken durch eine Hybris herauszufordern : Ich, David Pepin, bin weiser und allmächtiger als Gott, und ich, David Pepin, weiß, dass Gott meine Frau in diesem Moment und an diesem Strand, am JonesBeach, nicht niederstrecken wird. Was Gott dann auch nicht tat.

 

 

Britta Bolt – Das Büro der einsamen Toten

 

Inhaltsangabe:

Pieter Posthumus kümmert sich, in Amsterdam, um die vergessenen Toten – Menschen ohne Angehörige, Menschen die keiner vermisst. Er ist bestrebt, diesen Verstorbenen, eine wertschätzende und würdige Verabschiedung zu ermöglichen. Dazu ermittelt er nach Hintergründen, geradezu wie die Polizei, die sich parallel um einen vermeintlichen Unfall eines Emigranten zu kümmern hat.

Für ein Debütroman ist “ Das Büro der einsamen Toten“ durchaus gelungen. Für ortskundige Amsterdamliebhaber/innen eine wahre Freude.

Britta Bolt ist das Pseudonym des Autorenduos Britta Böhler und Rodney Bolt. Rodney Bolt, in Südafrika geboren, ist Autor mehrerer Biographien, Dramatiker und Reisejournalist. Nach Stationen in Cambridge und London lebt er seit den 90er Jahren in Amsterdam. Britta Böhler, in Freiburg im Breisgau geboren, hat viele Jahre als Anwältin gearbeitet. 1991 zog sie in die Niederlande und wurde dort berühmt durch ihre strafrechtlichen Mandate und ihre Haltung zur Anti-Terror-Gesetzgebung. Seit 2012 ist sie Professorin an der Universität von Amsterdam.

 

Leseprobe:

Pieter Posthumus hatte einen schweren Tag. Drei Leichen vor dem Mittagessen waren mehr als genug. Mehr als sonst in der Woche. Normaler Weise. Und jetzt auch noch dieser besserwisserische Grünschnabel von der Polizei, der meinte, er müsse einen lahmen Scherz über Posthumus`Nachnamen und seinen Beruf durchs Telefon flöten. Posthumus reagierte nicht darauf, verabschiedete sich kurz angebunden und legte auf.

Das Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen war eine seltsame Behörde innerhalb der Amsterdamer Stadtverwaltung “ Leichen und andere Katastrophen “ wurde es genannt. Und Posthumus war dort in einem besonderen obskuren Bereich tätig – im Bestattungsteam, von den Amsterdamern        “ Büro der einsamen Toten “ getauft.

Julian Barnes – Unbefugtes Betreten

Inhaltsangabe:

Liebe, Tod, Trennung, Verlust und Trauer. Julian Barnes verbindet hier einige Episoden zu einem großen Plot. Viele Lebensgeschichten sind in diesem Buch furios mit einander verwoben. Julian Barnes  lässt seine Leserschaft wieder einmal an seiner virtuosen Erzählkunst teilhaben.Durch die einzelnen Episoden wirkt das Buch sehr kurzweilig. Das mag wohl auch an den rasanten Passagen liegen, die uns hier offenbart werden.

Leseprobe:

An dem Tag war die Sonne herausgekommen, warf schräge, niedrige Strahlen
auf das Meer und stach ihm in die Augen. Ende März wurde es sogar an diesem
Teil der Küste ein bisschen Frühling.
»Wie wär’s jetzt mit einer Runde Schwimmen?«, fragte er, als sie die Rechnung brachte.
»Oh nein. Kein Schwimmen.«
»Ich vermute mal, Sie kommen aus Polen.«
»Ich heiße Andrea«, antwortete sie.
»Nicht, dass ich was dagegen habe, wenn Sie aus Polen kommen.«
»Ich habe auch nicht.«
Das Problem war, dass er noch nie gut flirten konnte, nie ganz das Richtige sagte.
Und seit der Scheidung konnte er es womöglich noch schlechter, weil er nicht mit dem
Herzen dabei war. Wo war denn sein Herz? Eine Frage fürspäter. Thema heute:
Flirten.
Er kannte ihn nur allzu gut,diesen Blick der Frauen, wenn man es nicht richtig hin-
kriegte. Wo kommt der denn her, sagte dieser Blick. Na ja,zum Flirten gehörten immer zwei.
Und vielleicht wurdeer langsam zu alt dafür. Siebenunddreißig, Vater zweier
Kinder, Gary (8) und Melanie (5). So würde es in den Zeitungen stehen,
wenn er eines Morgens an der Küste angeschwemmt würde.
»Ich bin Immobilienmakler«, sagte er. Das war noch soein Spruch, der einem Flirt oft im Wege stand.
»Was ist das?«
»Ich verkaufe Häuser. Und Wohnungen. Wir vermietenauch. Zimmer, Wohnungen, Häuser.«
»Ist das interessant?«
»Man kann davon leben.«
»Wir alle müssen leben.«
Plötzlich dachte er: Nein, du kannst auch nicht flirten.
Vielleicht kannst du es in deiner eigenen Sprache, aber aufEnglisch kannst du es nicht,
also sind wir quitt. Außerdem dachte er: Sie macht einen robusten Eindruck. Vielleicht
brauche ich jemanden, der robust ist. Soweit ich das beurteilen kann, könnte sie in
meinem Alter sein. Nicht, dass ihn das groß kümmerte.
Er wollte ja nicht mit ihr ausgehen.

 

Daniel Kehlmann – Ruhm

Klappentext:

Ein Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht von Episoden zwischen Wirklichkeit und Schein. Ein Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen– komisch, tiefgründig und elegant erzählt vom Autor der «Vermessung der Welt».

Fazit:

Daniel Kehlmann überzeugt mit großartiger Erzählkunst. Temporeich, raffiniert und ausgeklügelt, lässt der Autor diese neun Geschichten  zu einem homogenen Gesamtbildnis zusammen schmelzen.

Ein Buch, welches das Leserherz höher schlagen lässt.

Jocelyne Saucier – Ein Leben mehr

Klappentext:

Dies ist die Geschichte von drei alten Männern, die sich in die nordkanadischen Wälder zurückgezogen haben. Von drei Männern, die die Freiheit lieben. Eines Tages aber ist es mit ihrer Einsiedelei vorbei. Zuerst stößt eine Fotografin zu ihnen, sie sucht nach einem der letzten Überlebenden der Großen Brände, einem gewissen Boychuck. Kurze Zeit später taucht Marie-Desneiges auf, eine eigensinnige, zierliche Dame von achtzig Jahren. Die Frauen bleiben. Und während sie dem Rätsel um Boychucks Überleben nachgehen, entsteht etwas unter diesen Menschen, das niemand für möglich gehalten hätte.

Ein Leben mehr ist ein wundersam beseelter und berührender Roman, eine leidenschaftliche Hommage an die Liebe, die Freiheit und die Natur. Ein Roman wie das Leben selbst: traurig und schön.

Fazit:

Dieser Roman besticht vor allem durch seine Behutsamkeit, selbst die rauhe Wildnis ist voller Magie. Diese Magie ergreift Besitz von den freiheitsliebenden Männern und ihrem weiblichen Zuwachs.          Die Liebe kennt keine Grenzen und keinerlei Alter….alles kann…..nichts muss.

Einer der Lese – Highlights 2017

Franz Hohler – Gleis 4

Klappentext:

Manchmal kommt alles ganz anders. Und das muss noch nicht einmal das Schlechteste sein.

Eigentlich will Isabelle nur für ein paar unbeschwerte Tage in den Urlaub nach Italien fliegen. Doch dann bricht der ältere Herr, der ihr am Bahnhof zum Flughafen freundlicherweise den Koffer zu den Gleisen hinaufträgt, plötzlich tot zusammen. Und damit gerät Isabelle in eine ebenso ungeheuerliche wie geheimnisvolle Geschichte, die ihr gewohntes Leben völlig durcheinanderrüttelt.

Eigentlich will Isabelle, die Abteilungsleiterin eines Altersheims, nur zum Flughafen, um einer Freundin in den Urlaub nach Stromboli nachzureisen. Doch dann geschieht etwas, das ihre Pläne und ihr Leben völlig aus den Fugen geraten lässt. Denn der höfliche ältere Herr, der ihr am Bahnhof zum Flughafen anbietet, ihren Koffer die Treppe zu den Gleisen hochzutragen, bricht, oben angekommen, plötzlich tot zusammen. Isabelle muss daraufhin ihren Abflug notgedrungen verschieben. Wieder zuhause in ihrer Wohnung angekommen, merkt sie allerdings, dass sie im Grunde gar nicht mehr verreisen möchte. Denn sie fühlt sich dem toten Mann verpflichtet, über den sie gerne mehr erfahren möchte. Überdies hat sie in ihrer Verwirrung am Bahnsteig versehentlich eine Mappe des Verstorbenen mitgenommen, in der sich das Handy des Toten befindet. Und während sie noch überlegt, ob sie das Telefon nicht schnellstens zur Polizei bringen sollte, fängt es plötzlich an zu klingeln …

Fazit:

Eine gut durchdachte Story, die leider in einer ungeheueren Gemächlichkeit daher kam, dass es Mühe bereitete, dieses Buch zu beenden. Mehrer Worte bedarf es nicht.

 

Anne von Canal – Der Grund

Klappentext:

Wie oft kann ein Mensch von vorn beginnen?
Er nennt sich Lawrence Alexander und fährt als Kreuzfahrtpianist über die Weltmeere. Er ist der Mann an den Tasten, etwas anderes kann und will er nicht mehr sein. Doch eines Tages beschwört ein unerwartetes Ereignis die Erinnerung wieder herauf – an seine Kindheit und Jugend als Laurits Simonsen im großbürgerlichen Stockholm, an seinen Lebenstraum, seine große Liebe und daran, was daraus wurde… Und es stellt sich die Frage, ob Laurits bereit ist für einen Neuanfang.

Fazit:

Anne von Canal präsentiert hier einen überaus bewegenden Roman. Wie oft kann ein Mensch von vorne beginnen ? Wie kann er große Trauer verarbeiten?

Bis zum Ende der Geschichte neigend , bleibt verschleiert und unklar was genau …damals…passierte. Vermutungen kommen nach oben ohne exakt konkret zu werden. Stück für Stück bilden sich die Details zu einem emotionalen, großen Ganzen . Ein Roman der den Leser / die Leserin mit nimmt in ein recht turbulentes Leben. Klare Empfehlung !

P.S.: Anne von Carnal besticht durch ihre brilliante Sprache, ohne anstrengend zu wirken .

Sabine Bode – Das Mädchen im Strom

Klappentext:

Sie ist das hübscheste, frechste und mutigste Mädchen an den Stränden des Rheins – und sie ist Jüdin. Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben. Ein beeindruckendes und mitreißendes Zeugnis einer Epoche.

Als Mädchen ist sie im Rhein hinter den Kohleschleppern hergeschwommen. Sie hatte den jungen Männern in Mainz die Köpfe verdreht. Doch als die Nazis an die Macht kommen und die junge Jüdin Gudrun Samuel sich entscheidet, mit gefälschten Papieren Deutschland zu verlassen, wird sie gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Ihr gelingt die Flucht, aber sie ist nun nicht mehr das Mainzer Mädchen Gudrun, sondern die Flüchtende Judy: in der transsibirischen Eisenbahn und im Judenghetto von Shanghai. Sie überlebt den Krieg, doch die Odyssee geht weiter. »Das Mädchen im Strom« ist ein ergreifender Roman über das einzigartige Schicksal einer Frau im 20. Jahrhundert.

»Bei meinem Wunsch, die Geschichte Gudrun Samuels weiter zu erforschen, trieb mich vor allem folgende Frage an: Wie bewahrte sie ihre Selbstachtung, obwohl sie so lange der Willkür anderer ausgeliefert war?«
Sabine Bode

Fazit:

Dieser Roman von Sabine Bode hat mich sehr beeindruckt. Nach einem etwas zögerlichen Beginn der Geschichte, nahm diese immer mehr die Fahrt auf und umschloss mich mit den Kriegswirren. Ein hervorgehobenes Schicksal, dass mich in seinen Bann gezogen hat.

Sabine Bode wurde bekannt durch ihre Bücher : Die vergessene Generation – Nachkriegskinder – und – Kriegsenkel, um hier nur einige zu nennen. Sie greift sensible Themen auf und vermittelt uns Einsichten in die geschichtlichen Tragödien.

Menschenwürde

Geschichte einer alten Frau im Pflegeheim – Wir fordern: Menschenwürdiger Umgang mit ‪Pflegebedürftigen, ‪Kranken und‪ Pflegekräften

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Klappentext:

England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.

Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.

China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.

Wie alles mit allem zusammenhängt: Mitreißend und ergreifend erzählt Maja Lunde von Verlust und Hoffnung, vom Miteinander der Generationen und dem unsichtbaren Band zwischen der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Bienen. Sie stellt einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir um mit der Natur und ihren Geschöpfen? Welche Zukunft hinterlassen wir unseren Kindern? Wofür sind wir bereit zu kämpfen?

Fazit:

Ein spannender und hochaktueller Roman , von Maja Lunde , führt uns, wie schon der Titel sagt, in die Welt der Bienen. In die Welt, vor vielen Jahren, in der Gegenwart und in der Zukunft. Drei wundervolle Geschichten in gefühlvoller Weise, sehr eng miteinander verwoben. Ein Bienenstock voller Möglichkeiten und Tragik.

Seit 27 Jahren ist das Insektensterben bekannt, der Insektenschwund wird mit 76% verzeichnet!

Insekten ….das bedeutet nicht nur die Bienen, sondern auch ….Schmetterlinge, Fliegen, Hummeln, Wespen und Käfer!

Die Geschichte der Bienen, sensibilisiert und regt sehr zum nachdenken an. Das ist sicher gewünscht und äusserst effektvoll !

Für mich  – ein Lese – Highlight 2017 !

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