Literatur - Lyrik - Prosa

Monat: November 2021 (Seite 1 von 2)

#introspektivminiaturen Montagswort der #prosaistinnen #prosaminiatur / Kaltfront

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Sie saß an der Bar und hielt sich gerade. Ihr Gesicht war dem Fenster zugewandt. Sie wartete. Wie schon des Öfteren in letzter Zeit auf ihn. Er war wieder viel zu spät. Irgendetwas hatte sich schon vor Monaten verändert. Melancholie stieg in ihr auf und sie verzog leicht ihren wohlgeformten Mund. Ihr war, als hätte er ganz bewusst eine Kaltfront zwischen sie beide geschoben. Dagegen kam ihre Wärme nicht mehr an. Versuche, die Ursache zu ergründen, schmetterte er im Vorfeld schon erbarmungslos ab. Wieder blickte sie auf ihre Uhr. Nun glitt sie sanft von ihrem Barhocker und schritt mit gerader Haltung zur Garderobe. Dort nahm sie ihren Mantel und schlüpfte hinein. Mit einem Lächeln trat sie ins Freie.

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> Lügen in Zeiten des Krieges < von Louis Begley

Für Maciek, Sohn jüdischer Eltern und seiner Familie, ändert sich das Leben radikal im Herbst 1939. Seiner behütenden Kindheit wird er jäh entrissen. Mit Tanja, seiner klugen Tante und seinen Großeltern muss der Junge untertauchen. Von nun an beginnt eine abenteuerliche Zeit, in der es gilt, am Leben zu bleiben und unsichtbar zu sein. Ein Freund von Tanja, ein Deutscher, verschafft den Geflüchteten ein Versteck. Als dieses aufzufliegen droht, scheint ihm nur ein Ausweg um Tanja und Maciek zu retten. Er erschießt zuerst die kranke Mutter von Tanja und richtet sich anschließend selbst. Tanja versucht nun Teile ihres Schmuckes an eine ihr bekannte Witwe eines Philosophieprofessors zu verkaufen, doch diese täuscht sie boshaft und arglistig.

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> Das Vakuum der Dringlichkeit <

Die unermessliche Zeit schreitet gebeugt voran

Ein gewaltiger Herrscher geißelt die Menschheit

Wehmütige Gedanken an die Epoche, bevor es begann

Wir wirbeln weiter im Vakuum der Dringlichkeit

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> Novembergrau <

In Novembergrau getünchte weite Welt

Blickt die Sorge durch die kahlen Äste

Und die steigende Angst, die sich dazugesellt

Verleiht der Zuversicht verkümmerte Reste.

@SP

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#introspektivminiaturen Montagswort der #prosaistinnen #prosaminiatur / Achtung

Üppige Regentropfen fallen auf die Erde nieder und ein heftiger Wind treibt sein Unwesen. Sie liegt gemütlich auf dem Sofa, umgeben von liebevoll ausgesuchten Accessoires in molliger Wärme. Beklemmende Gedanken kreisen in ihrem Kopf. Nun verharren die Flüchtlinge schon eine ganze Weile an der Grenze zu Polen, nur einen Schritt von der EU entfernt. Doch mannshoher Stacheldraht umgibt das nächste Etappenziel und die Absperrung wird massiv überwacht. Von Hunger, Durst, Kälte und der Angst ganz zu schweigen. Der Schritt in eine bessere Welt scheint zu scheitern. Denn diese Welt schaut schweigend zu. Wo bleibt die Achtung, der Respekt und die Wertschätzung für ein Menschenleben. Tränen gleiten ihr sanft über das Gesicht.

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> José Saramago – 16. November 1922 <

Der Literaturnobelpreisträger José Saramago wurde am 16. November 1922 in Portugal geboren. Zwei Werke las ich von ihm, wobei > Die Stadt der Blinden < wohl das bekannteste hierzulande sein dürfte.

>Die Stadt der Blinden <: Ein Mann steht an einer Ampel. Von einer Sekunde auf die nächste, ohne erklärbaren Grund, erblindet er. Wie ihm ergeht es immer mehr Menschen in seiner Heimatstadt. Wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Die Regierenden wissen sich nicht anders zu helfen, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt einzuquartieren – unter der Bewachung von Soldaten, die auf jeden schießen, der fliehen will. Je mehr Blinde dort zusammengepfercht werden, desto schlimmer, desto unmenschlicher wird die Situation. Inmitten dieses grausamen Chaos befindet sich ein Augenarzt mit seiner Frau – die als Einzige noch sehen kann … – José Saramago macht hier sehr drastisch auf die humanitäre Verwahrlosung und Verrohung der Gesellschaft aufmerksam. Für mich ein absoluter Weltklassiker!

>Die Reise des Elefanten <: Inspiriert von der wahren Geschichte eines indischen Elefanten, den man im 16. Jahrhundert auf spektakuläre Weise über Land und See von Spanien nach Wien überführte, erzählt Saramago meisterhaft und voller Ironie von den sagenhaften Abenteuern des Elefanten Salomon und seines gewitzten Mahuts.

Salomon ist als Besitz von Johann III. von Portugal nur noch gelitten. Das exotische Tier aus den fernen Kolonien fristet ein trostloses Dasein, bis die Königin auf die Idee kommt, ihn ihrem Vetter dem Großherzog Maximilian aus Wien zum Geschenk zu machen. Mit einem großen Tross wird Salomon samt seinem Mahut auf eine abenteuerliche Reise geschickt, an deren Ende die eindrucksvolle Überquerung der italienischen Alpen steht. Unterwegs lernt man nicht nur die Eigenheiten und Vorlieben des Elefanten kennen, sondern auch die der Menschen und der Gesellschaft um ihn herum. Dabei ist es der indische Mahut, der, Narr und Weiser zugleich, seine Zeitgenossen häufig demaskiert. Augenzwinkernd verknüpft Saramago in seinem Roman, der einen zuweilen an einen gewissen Ritter aus der Mancha denken lässt, Realität und Fiktion. – Ansich eine interessante Geschichte, doch wie auch in > Die Stadt der Blinden < setzt der Autor die Interpunktion rationell ein. Dies steht hier der Geschichte nicht gut zu Gesicht.

José Saramago erhielt 1998 den Literaturnobelpreis. Er verstarb im Jahre 2010.

> SOS <

Die Entmenschlichung beginnt in der Sprache

Die Achtung jeglichen Seins ist verwelkt

Stillstand – Notstand

@SP

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> Ein Kuß <

Ein Kuß flog durch die Dunkelheit

Einen Mund zu treffen war sein Ziel

Er ward sich sicher der Vergänglichkeit

Doch ihn beflügelte dieses Spiel

Und als er diesen Mund gefunden

In der mit Sternen bestickten Nacht

Fühlte er sich des Glückes trunken

Und lies sich nieder in seiner Pracht.

Sabine Poulou

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> Das amerikanische Hospital < von Michael Kleeberg

Paris 1991 in einem amerikanischen Hospital kommt Hélène dem Offizier David bei einem Schwächeanfall zur Hilfe. Fortan kreuzen sich immer wieder ihre Wege. David, der unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom durch den Golf-Krieg ausgelöst leidet, unterzieht sich hier einer Therapie. Die verheiratete Hélène versucht durch künstliche Befruchtung endlich schwanger zu werden. Bei ihren zuerst zufälligen Begegnungen erzählen sie einander von ihrem Leben.

Hélène hat ursprünglich eine große Abneigung gegen Soldaten und den Krieg, doch David vermittelt ihr, das es in seiner Familie Tradition wäre, eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Und so diskutieren die beiden bei ihren Zusammenkünften über Sinn und Sinnlosigkeit des Krieges.

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