Paul Auster > Stadt aus Glas <

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Der Krimiautor Daniel Quinn sieht nach dem Tod seiner Frau und seines kleinen Sohnes, keinen Sinn mehr in seinem Leben. Isoliert von seiner Umwelt fristet er seinem Dasein. Doch eines Nachts klingelt das Telefon, eine ihm fremde Stimme verlangt den Privatdedektiv Paul Auster. Daniel Quinn übernimmt diesen Part. Sein Auftrag , den verrückten Religionsforscher Peter Stillmann zu observieren, der nach dreizehn Jahren aus eines psychatrischen Klinik entlassen wird. Peter Stillmanns Sohn hat Angst um sein Leben, er hat Angst, dass sein Vater im etwas antun könnte.

Quinn nimmt seinen Auftrag zuerst eher lässig in Angriff, dann jedoch fängt er an, die Angelegenheit sehr enst zu nehmen und seine Observierung entwickelt eine Eigendynamik. Plötzlich, obschon Quinn sich aller größte Mühe gibt, ist der dubiose Peter Stillmann wie vom Erdboden verschluckt. Wo ist er, was macht er ? Quinn ist auf alles gefasst ! Scheinbar !

“ Denn wenn man den Menschen, den man vor sich hat, nicht als menschlich betrachtet, kennt das Gewissen nur wenige Hemmungen im Verhalten ihm Gegenüber.“

Ein Paul Auster Roman vom Feinsten, der durchaus kriminalistisch anmutet. Geschickt windet er die Fäden, alles scheint machbar, doch vieles läuft anders. Sprachlich gehoben, und mit bester Männerprosa aufs Papier gebracht!

5 von 5

Süddeutsche Zeitung/ Bibliothek / ISBN: 3-937793-05-4 / 176 Seiten

Viktor E. Frankl > …..Trotzdem ja zum Leben sagen <

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Ein Zeugnis großer Menschlichkeit. Ein Vorbild für alle Zeiten.

Mehrere Jahre musste der österreichische Psychologe Viktor E. Frankl in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Doch trotz all des Leids, das er dort sah und erlebte, kam er zu dem Schluss, dass es selbst an Orten der größten Unmenschlichkeit möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen. Seine Erinnerungen, die er in diesem Buch festhielt und die über Jahrzehnte Millionen von Menschen bewegten, sollen weder Mitleid erregen noch Anklage erheben. Sie sollen Kraft zum Leben geben. ( So der Klappentext )

Viktor E. Frankl wird mit seinen Eltern und seiner Frau, im Herbst 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Davor war er als anerkannter Neurologe und Psychiater in Wien tätig. Er hatte ein Visum zur Ausreise erhalten, wollte jedoch seine Eltern nicht alleine zurück lassen.

Hier in seinem Buch, erzählt er seine Erlebnisse in der Zeit der Konzentrationslager. Eine grausame Zeit, die er mit großer Haltung gemeistert hat, wenn man dies so ausdrücken darf.

“ Dostojewski hat einmal gesagt : “ Ich fürchte nur eines : meiner Qual nicht würdig zu sein .“

Verschiedene Erlebnismerkmale hat er zusammen gefasst, wie zum Beispiel die Phasen des Daseins in einem solchen Lager.

Die erste Phase – Aufnahme in das Lager – Psychologische Schockwirkung – welches Lager würde es werden – die mit dem Giftgas waren bekannt, die Hoffnung lag gepaart mit blankem entsetzen danieder. Die zweite Phase – Das Lagerleben – Aphatie – Das Abtöten der normalen Gefühlsregung. Dritte Phase – Nach der Befreiung aus dem Lager – Man hat buchstäblich verlernt sich zu freuen, man wird es erst wieder lernen müssen.

Und jetzt soll man auf einmal glauben! Jetzt soll diese Freiheit wirkliche Wirklichkeit geworden sein ? Und doch so ist es eines Tages. der Körper hat weniger Hemmungen als die Seele. Von der ersten Stunde an, in der es nun möglich wird, nützt er die Wirklichkeit, greift er zu, buchstäblich: man beginnt nämlich zu fressen. Man isst stundenlang, tagelang, halbe Nächte lang. Unbegreiflich was man da alles zusammenessen kann. „

Totz dieses großen Leids was Viktor E. Frankl widerfahren ist, hat er diese Aufgabe als Aufgabe des menschlichen und seelischen Wachstums angesehen. Das Menschliche als Teil was es ist -, als eine Legierung von gut und böse ! Was ist also der Mensch ? Er ist ein Wesen, das immer entscheidet was es ist.

“ Da fällt mir etwas auf : Ich weiß garnicht, ob meine Frau noch lebt! Da weiß ich eines – jetzt habe ich es gelernt: So wenig meint Liebe über die körperliche Existenz eines Menschen, so sehr meint sie zutiefst das geistige Wesen des geliebten Menschen. Sein “ So – sein “ ( wie es die Philosophen nennen ), daß sein “ Dasein „, sein Hier – bei – mir – sein, ja seine körperliche Existens überhaupt, sein Am – Leben – sein, irgendwie garnicht mehr zur Diskussion steht.“

Diesem Buch gelingt der Spagat zwischen Abscheu und Bewunderung. Es glückt, die Haltung des Menschen in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und gibt vor allen Dingen, uns eines mit auf den Weg : aus vermeintlichen prekären Situationen, das Positive entspringen zu lassen. Das ist die große Kunst unseres Daseins !

5 von 5

Peguin Verlag / ISBN: 978-3-328-10277-9

Hier noch ein herzliches Dankeschön an meinen Sohn Maximilian für diesen wertvollen Tipp !

Louise Erdrich > Das Haus des Windes <

Ein altes Haus, eine ungesühnte Schuld und die Brüste von Tante Sonja – Louise Erdrich führt uns nach North Dakota. Im Zentrum ihres gefeierten Romans steht der 14 jährige Joe, der ein brutales Verbrechen an seiner Mutter rächt und so dabei zum Mann wird.

An dem Tag, an dem Joes Mutter brutal überfallen und schwer gepeingt wird , verändert sich die Welt in einem Ort in North Dakota. In einem Indianerreservat. Die Mutter verschweigt die Details der Tat und verkriecht sich wochenlang in ihrem Zimmer. Der Vater, ein Stammesrichter, hat einen Verdacht, doch ihm sind die Hände gebunden. Joe ist fassungslos und versteht die Welt nicht mehr. Seine Eltern haben große Mühe mit diesem Schicksalsschlag, irgendwie zurecht zu kommen. Joe möchte die häusliche Idylle seines Elternhauses wieder geraderücken. Er will seine Davor – Eltern wieder zurück. Mit seinen Freunden Cappy, Angus und Zack nimmt er die Ermittlungen auf. Die Jungs suchen, mit teils halsbrecherischen aber auch sehr lustigen Aktionen, nach dem Täter. Joe will seine Mutter rächen !

Mit vielen Facetten der Erzählkunst ist dieser Roman von Louise Erdrich geschrieben. Von zärtlich, humorvoll, traurig, spannend und ab und an deftig , wird hier die ganze Vielfalt geboten. Ihr Stil ist mitreißend und besticht durch das Kaleidoskop der Gefühle. Die Traurigkeit versöhnt sich mit dem Humor, die Hilflosigkeit mit dem Mut und der Strategie. Eine grausame Tat katapultiert einen kindlichen Jugendlichen zu einem tatkräftigen Heranwachsenden. Die Traditionen und Mythen der Indianer werden hier sehr interessant beschrieben. Nach der letzten Seite des Buches wird eines klar : Bitte mehr von Louise Erdrich !

6 von 5 !

Aufbau Verlag / ISBN: 978-3-7466-3150-9

Karen Louise Erdrich ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie lebt in Minneapolis.
Erdrich stammt väterlicherseits von einem deutschen Metzger ab, ihr Großvater mütterlicherseits war Häuptling der Chippewa in North Dakota. Ihr Vater Ralph Erdrich arbeitet im Wahpeton-Reservat im Büro für Indianerfragen und unterrichtet Deutsch und Englisch. Durch ihn wurde Louise Erdrich auch auf Karl MaysIndianerbücher aufmerksam. Ihre Mutter Rita Erdrich betreute als Sozialarbeiterin alkoholgeschädigte Kinder. 45 Bücher sind von Louis Erdrich veröffentlicht.

David Whitehouse > Der Blumensammler <

> Rezesionsexemplar <







New York, 1983. Als Peter Manyweathers in einer Bibliothek einen alten Brief entdeckt, weiß er noch nicht, dass er gerade das größte Abenteuer seines Lebens in den Händen hält. Sechs seltene Blumen sind in dem geheimnisvollen Brief notiert. Sechs Blumen, die so unvergleichlich sind, dass Peter Manyweathers für sie um die ganze Welt reisen wird.

Peter Manyweathers führt ein recht unauffälliges Leben. Er ist Chef und einzigster Angestellter seiner Reinigungs – und Entrümpelungsfirma. Seine Aufträge erledigt er außerordentlich gewissenhaft. Peter ist alleinstehend und besitzt auch keinen nennenswerten Freundeskreis. Sein Leben schaukelt sehr betulich dahin, bis er zum einen diesen alten Brief entdeckt und zum anderen die Bekanntschaft von Hens Berg macht.

Peter und Hens freunden sich an und begeben sich gemeinsam auf die abenteuerliche Suche nach den sechs seltenen Blumen dieser Welt. Auf ihrer Reise durch verschiedene Länder finden sie nicht nur die gesuchten Pflanzen sondern auch Harum. Harum ist ebenfalls sehr interessiert an diesen seltenen Blumen und so bestreiten sie die Reise fortan zu dritt. Soweit so gut, bis auf die Tatsache das Harum eine Frau ist und beide Männer, Peter und Hens, nun um ihre Gunst buhlen. Dieser Umstand macht die Reise nicht gerade leichter.

“ Todesblume war nicht ihr richtiger Name. In Wirklichkeit hieß sie Rafflesia arnoldii – oder < Riesenafflesie <, wurde aber von vielen auch > Leichenblume < genannt.“

Dove, ein junger Mann ohne sichtliche Leidenschaften, fällt auf dem Weg zu seiner Arbeit, aus dem Nichts ein Moorveilchen wieder ein . Er weiß nicht das geringste über Blumen, aber irgend etwas aus seiner Vergangenheit scheint an die Oberfläche kommen zu wollen. Noch weiß er nicht was es genau ist, doch er geht der Sache auf den Grund .

“ Das Moorveilchen hat die gleiche violette Farbe wie eine aufblühende Prellung. Es ist acht Zentimeter hoch, mit kleinen, niederförmigen Blättern. Das unterste der fünf an der Spitze eingekerbten Blütenblätter wird von einem sturmblauen Sporn gekrönt, und das Fruchtblatt ist so zart und fein wie frisch gesponnene Zuckerwatte.“

Auf einer spektakulären Tauchfahrt in seinem Ein-Mann-Tauchboot, findet Professor Cole die Blackbox eines vor vielen Jahren abgestürzten Passagierflugzeuges. Erinnerungen werden geweckt.

Alle drei Erzählstränge sind fein mit einander verwoben. David Whitehouse gelingt es virtuos die Spannung bis zum Ende zu halten. Sein poetischer, mit liebevoll bedachten Metaphern gespickter Schreibstil, lässt die Zeit und die Seiten nur so davon schweben.

Klare Leseempfehlung !

Klett-Cotta / Tropen / ISBN: 978-3-608-50373-9

David Whitehouse wurde 1981 in Nuneaton, England geboren. Sein Debut »Bed« wurde 2010 mit dem »To Hell with Prizes Award« ausgezeichnet. Er lebt in London.