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Literatur & Zeitgeschehen

> Grenzgänger < von Mechtild Borrmann

Rezensionexemplar / unbezahlte Werbung

1951, Henni ist 17 Jahre alt, als sie wegen Schmuggels und ihrer < krankhaften Verlogenheit < in eine Besserungsanstalt abgeschoben wird. Ein tragisches Unglück, wurde Henni zum Verhängnis.

Nichts von ihrer Kühnheit war geblieben, nichts von ihrem bedingungslosen Vertrauen an das Leben. Die kleine Formel > Uns passiert schon nichts. Ich weiß das!<, die sie all die Jahre wie ein Bannspruch ausgestreut hatte, hatte ihre Magie verloren.

Ihr Vater hat sie im Stich gelassen und dies, obwohl Henni nach dem plötzlichen Tod der Mutter, hineinkatapultiert wurde in die Mutterrolle, für ihre 3 jüngeren Geschwister. Die Zwillinge Johanna mit Matthias und das Nesthäkchen Fried. Sie, hat die Verantwortung übernommen, die ihr Vater ab seinem Einsatz im 2. Weltkrieg abgegeben hatte. Er, hat sein restliches Leben Gott gewidmet, seine Familie interessiert ihn nicht mehr. Doch Henni ist eine starke junge Frau, mit ihrer unbändigen Kraft und immensen Willen.

Doch nun landet Henni in einer Besserungsanstalt und ihre Geschwister in einem von Zucht und Ordnung geführten kirchlichen Heim. Der bigotte Vater hat sein Ziel erreicht. Henni und ihre Geschwister müssen in ihren Einrichtungen sehr viel Leid erfahren, das sie wohl nie vergessen können. Doch selbst viele Jahre später ist es Henni die wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Als Angeklagte hat sie sich vor dem Gericht zu verantworten. Zwei Peiniger sind zu Tode gekommen und dies wird Henni zur Last gelegt. Doch sie schweigt eisern und verweigert jegliche Aussage. Ist sie die Täterin oder deckt sie jemanden?

Dieser neue Roman von Mechtild Borrmann avanciert zu einem gelungenen Pageturner! Mit Henni hat sie eine Protagonistin geschaffen, die für Gerechtigkeit kämpft. Eine junge Frau die ihr Leben fest umschliesst und voller Tatendrang ist. Mechtild Borrmann zeichnet das Bild der Nachkriegszeit in düsteren Farben, doch von Zeit zu Zeit erstrahlen kleine bunte Hoffnungsschimmer. Diese Splitter der Zuversicht können sich auch in der größten Not halten. Gerade das ist es, was dieses stimmige Buch ausmacht. Mut, Fürsorge, Gerechtigkeit und Würde, gepaart mit der Wahrheit ergibt ein wundervolles Gebilde des Lebens. Große Leseempfehlung!

5 von 5

Droemer Knaur Verlag / ISBN:9783426281796 / 284 Seiten

Mechtild Borrmann, Jahrgang 1960, verbrachte ihre Kindheit und Jugend am Niederrhein. Bevor sie sich dem Schreiben von Kriminalromanen widmete, war sie u.a. als Tanz- und Theaterpädagogin und Gastronomin tätig. Mit „Wer das Schweigen bricht“ schrieb sie einen Bestseller, der mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde und wochenlang auf der KrimiZeit-Bestenliste zu finden war. Für den „Geiger“ wurde Mechtild Borrmann als erste deutsche Autorin mit dem renommierten französischen Publikumspreis „Grand Prix des Lectrices“ der Zeitschrift Elle ausgezeichnet. 2015 wurde sie mit „Die andere Hälfte der Hoffnung“ für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Mechtild Borrmann lebt als freie Schriftstellerin in Bielefeld.

Rating: 5.0/5. Von 3 Abstimmungen.
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2 Kommentare

  1. Schon „Trümmerkind“ konnte mich total begeistern und deshalb möchte ich „Grenzgänger“ auch unbedingt lesen. Aus Zeitgründen werde ich es aber hören, ansonsten kann ich es kaum in meine Leseplanung reinschieben. 😉 Ein Pageturner ist genau das Richtige für die Ohren! Dein Fazit macht große Lust, das Buch sofort zu beginnen.
    GlG, monerl

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    • Ja >Trümmerkind< war etwas faszinierender! Als Hörbuch kann ich mir >Grenzgänger< sehr gut vorstellen. Viel Vergnügen! GlG

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