
Paris, Ende des 19. Jahrhunderts.
Mélanie Bonis wächst in einfachen Verhältnissen auf, in einer Welt, in der für Mädchen enge Grenzen gezogen sind. Was sich gehört, was sich schickt und was man zu unterlassen hat, ist längst festgelegt. Doch Mélanie besitzt etwas, das sich nicht in Regeln fassen lässt: eine tiefe und unstillbare Liebe zur Musik.
Du wirst nicht umarmt und geherzt, und du lernst allein Klavierspielen.
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Wenn sie den Deckel des Klaviers hebt und ihre Finger die ersten Tasten berühren, öffnet sich für sie eine andere Welt. Mélanie bringt sich das Spielen heimlich selbst bei. Sie tut es beharrlich und mit einer Hingabe, die stärker ist als alle Verbote. Bald wird ihr Talent entdeckt. Sie erhält Förderung und schließlich die Möglichkeit, am Pariser Konservatorium zu studieren. Dort, wo Frauen in der Welt der Komposition noch eine seltene Ausnahme sind, beginnt Mélanie ihren eigenen Weg. Sie studiert Komposition, begegnet jungen Musikern wie Claude Debussy und Éric Satie (die beiden waren rund dreißig Jahre befreundet) und taucht immer tiefer in die Welt der Klänge ein. Aus Mélanie, dem Mädchen, das einst heimlich am Klavier saß, wird nach und nach Mel Bonis – ein Komponist.
Das Komponieren ist, wie du weißt, Männersache. Der angesehene Prix de Rome, der angesehene Komponisten auszeichnet und für den sich die Schüler des Konservatoriums bewerben sollen, ist Frauen verboten. Das Wort „Komponistin” existiert nicht.
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Doch die Musik ist nicht die einzige Leidenschaft, die ihr Leben verändert. Mélanie verliebt sich in den jungen Sänger Amédée-Louis Hettich. Zwischen ihnen entsteht eine Liebe, die ebenso leidenschaftlich wie unmöglich ist. Ihre Eltern stellen sich gegen die Verbindung. Gesellschaftliche Konventionen und religiöse Vorstellungen errichten Mauern, die für eine junge Frau jener Zeit kaum zu überwinden sind. Und doch vergeht diese Liebe nicht. Sie bleibt in den Erinnerungen, in der Sehnsucht, in den Zwischenräumen der Jahre und schließlich in der Musik selbst. Mélanie heiratet einen wohlhabenden Witwer mit fünf Kindern, wird Mutter und versucht, den Erwartungen ihrer Zeit gerecht zu werden. Sie lernt zu lieben, zu warten, zu schweigen und zu lügen. Sie erfährt Glück und Verzicht, Hoffnung und Verlust. Sie trauert und kämpft, immer wieder um einen Platz für sich selbst und für ihre Musik.
Zwischen gesellschaftlichen Zwängen und persönlicher Freiheit, zwischen Pflicht und Leidenschaft entsteht das Porträt einer außergewöhnlichen Frau. Einer Frau, die sich ihre eigene Stimme erkämpft und deren Leben von einer verbotenen Liebe ebenso geprägt wird wie von der unbedingten Hingabe an die Musik.
Alissa Wenz erzählt diese außergewöhnliche Lebensgeschichte in der zweiten Person. Die konsequente Du-Form schafft eine besondere Nähe zu Mélanie und lässt ihre Gedanken, Sehnsüchte und inneren Kämpfe unmittelbar spürbar werden. Gerade diese Erzählperspektive hat mir besonders gut gefallen. „Die Komponistin“ ist weit mehr als die Geschichte einer Musikerin. Es ist das Porträt eines beispiellosen Frauenlebens, ein musikalischer Liebesroman und zugleich eine eindringliche Würdigung einer starken Frau, die sich gegen die Grenzen ihrer Zeit behauptet. Zwischen Musik, gesellschaftlichen Zwängen, verbotener Liebe, Verlust und Sehnsucht entfaltet sich das bewegende Bild einer Frau, die ihre Musik zum Ausdruck dessen macht, was sie im Leben nicht sagen durfte und deren Stärke gerade darin liegt, trotz aller Widrigkeiten ihrem inneren Klang treu zu bleiben. Ausgesprochene Leseempfehlung!
Das Cover ziert „Trio“, ein Gemälde des belgischen Malers Charles Mertens aus dem Jahr 1891. Es zeigt die Rückansicht einer Frau, die an einem Klavier vor einem Fenster sitzt. Ihre linke Hand ruht auf einem Notenblatt. Die Aufschriften sind in einem hellen Grünton und in Cremefarbe gestaltet.
- Die Komponistin
- Alissa Wenz
- Roman
- Wagenbach Verlag
- ISBN: 9783803133908
- 240 Seiten
- Erschienen im August 2026
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