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Die grauen Seelen – ein dunkler, geheimnisvoller Seelenkrimi, der durch seine sprachliche Eleganz besticht.

Ein kleiner Ort im Osten Frankreichs, Dezember 1917. Jeder hat seinen Platz: der Staatsanwalt, der Polizist, der Gastwirt. Und alles geht seinen gewohnten Gang – ungeachtet des tausendfachen Sterbens an der nahen Front. Doch dann erschüttert ein einziger Tod das beschauliche Leben im Dorf. Die zehnjährige Tochter des Gastwirts, eine kleine Prinzessin, genannt Belle de jour, treibt erdrosselt in einem Kanal. Ein Mann versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch erst viele Jahre später gelingt es ihm, die Geschichte zu erzählen, zusammen mit allen anderen Geschichten, die untrennbar mit ihr verbunden sind : die des traurigen Staatsanwalts, der seine Tage allein auf einem Schloss verlebt; die der wunderschönen Lehrerin Lysia Verhareine, die alle mit ihrem Lächeln verzaubert und sich ihrem Geliebten zum Opfer bringt; die des bretonischen Deserteurs; die des sadistischen Richters; und zuletzt seine eigene, die auch nicht frei von Schuld ist…….

so der Klappentext

Der Ich – Erzähler, der Polizist, beleuchtet < Die grauen Seelen < in seinem Umfeld über einige Jahre. Er schreibt sein Wissen, seine Erlebnisse und Vermutungen in seinen Heften nieder. Vielleicht ist es das niederschreiben, dass ihn in einigen Unklarheiten plötzlich klarer und mit Verständnis sehen lässt. Die Aufarbeitung der letzten Jahre in seinem Leben, bringt nicht nur Entspannung, sondern er fühlt sich immer wieder aufs neue mit Fragmenten konfrontiert. Doch trägt er all sein Wissen in seine Hefte und findet allmählich den roten Faden, der die atemberaubenden Geschehnisse, auf geheimnisvolle Art und Weise verbindet.

Ich habe keine Lust, die Sachen noch einmal zu lesen. Ich schreibe,das ist alles. Fast ist es, als spräche ich mit mir selbst. Ich führe ein Gespräch mit mir selbst, ein Gespräch aus einer anderen Zeit. Ich sammle Porträts. Ich grabe, ohne mir die Hände schmutzig zu machen.

Seite 70

Der Autor Philippe Claudel, war mir bis dato gänzlich unbekannt. Ich muss sagen, er hat mich beeindruckt. Ja, beeindruckt wie dieser Krimi anmutende Roman, doch in Wirklichkeit vier Tragödien beinhaltet, die miteinander auf geheimnisvolle Art, verwoben sind. Melancholisch kommen die Zeilen daher und sind zeitweise gespickt mit Liebe und Hoffnungslosigkeit. Spannung bäumt sich hie und da auf und zieht uns gekonnt in die Faszination . Wie macht das Philippe Claudel nur? Alles in diesem Roman erscheint im grausten Grau, die Zeit um den 1.Weltkrieg, der Tod von Belle de jour, der Tod der schönen Lehrerin und noch mehr tragische Schicksale füllen diese Seiten. Doch in der Tat gelingt es dem Autor, durch seine sprachliche Noblesse, dem Ganzen den Schrecken etwas zu nehmen und lässt uns in den Sog der Poesie abtauchen.

🔖🔖🔖🔖von 5

Rowohlt Verlag / ISBN: 3498009303 / 238 Seiten / Deutsche Erstauflage 2004

Aus dem Französischen übersetzt von Christiane Seiler

Philippe Claudel wurde 1962 in Dombasle in Lothringen geboren, wo er als Autor und Regisseur heute noch lebt. In Deutschland gelang ihm 2004 mit «Die grauen Seelen» der Durchbruch. Es folgten ein Erzählungsband und sechs weitere Romane, zuletzt «Die Untersuchung». Claudels Bücher wurden von der Presse gefeiert und sind bislang in über 25 Sprachen übersetzt worden. 2008 lief auf der Berlinale sein Film «So viele Jahre liebe ich dich».

Quelle Rowohlt Verlag