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Wir dachten, wir könnten fliegen ~ Matthias Jügler Hrsg.

19 Geschichten über den Verlust der Arten und die Kraft der Literatur. Mit Beiträgen von T.C. Boyle, John Burnside, Alex Capus, Daniela Dröscher, Elena Fischer, Charlotte Gneuß, Kim de l’Horizon, John Ironmonger, Helen Macdonald, Katerina Poladjan und Henning Fritsch, Melanie Raabe, Julia Schoch, Katrin Schumacher, Clemens J. Setz, Antje Rávik Strubel, Jackie Thomae, Iida Turpeinen, Caroline Wahl, Iris Wolff.

In dieser Anthologie versammeln sich literarische Stimmen von zwanzig herausragenden Autor*innen aus dem deutschen und internationalen Raum, um jenen Wesen und Pflanzen nachzuspüren, die längst von der Erde verschwunden sind. Mit feinem Humor, überraschenden Blickwinkeln und poetischer Neugier fragen sie: Wie sah das Leben jener Tiere und Pflanzen aus, bevor sie verstummten, bevor sie ausstarben. Welche Fäden verbinden uns heute noch mit ihnen? Was verlieh ihnen ihre unverwechselbare Eigenart? Und welches Schicksal besiegelte ihr Ende?

Wir lesen vom Ur, dem Auerochsen Bos primigenius: jenem geduldigen, urtümlichen Geschöpf, das den Menschen immer weiter Raum gewährte, bis es schließlich selbst aus der Welt verschwand. Und vom Hawaiischen Berghibiskus, Hibiscadelphus wilderianus, dessen zarter Duft für eine hochbetagte Frau zu einem der kostbarsten Erinnerungsbilder ihres Lebens wurden.

In Mein Name ist Poʻouli tauchen wir ein in die stille, zugleich abenteuerliche Welt des Birdings – jenes Wortes, das unter englischsprachigen Vogelfreunden viel mehr bedeutet als bloßes Beobachten. Hier dreht sich alles um den geheimnisvollen Weißwangen-Kleidervogel, Melamprosops phaeosoma, ein Wesen so selten, dass es beinahe schon wie eine Legende wirkt.

Dies sind nur kleine Einblicke in die Vielfalt der Geschichten, die Begegnungen zwischen Mensch und Natur festhalten. Am Rande sei erwähnt, dass mich T. C. Boyles Erzählung Keimende Hoffnung, die von der Goldkröte Incilius periglenes handelt, leicht verstört zurückließ. Und gerade deshalb wird sie mich wohl noch lange begleiten.

Begleitet von den feinen, farbigen Illustrationen Barbara Dziadosz’ verleiht Wir dachten, wir könnten fliegen den ausgelöschten Arten ein Gesicht, einen Klang, eine Geschichte. Die Beiträge holen sie aus der stummen Ferne der Vergangenheit zurück in unser Bewusstsein. Dorthin, wo Erinnerung zu Empathie und vielleicht zu Verantwortung wird. Ausgesprochene Leseempfehlung!

Das Cover zeigt eine feine Illustration zweier Riesenalken (Pinguinus impennis), die sich vor einem zartgrünen Hintergrund abzeichnen. Die Typografie setzt ruhige Akzente in dunklem Grün und warmem Orange, wodurch ein harmonisches, zugleich lebendiges Farbspiel entsteht.

  • Wir dachten, wir könnten fliegen
  • Matthias Jügler Hrsg.
  • Penguin Verlag 
  • ISBN: 978-3-328-60453-2
  • 256 Seiten
  • Illustrationen von Barbara Dziadosz
  • Erschienen im Oktober 2025

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