
London im Jahr 2005: Nach langen Jahren vor der Kamera kehrt die Schauspielerin Dora auf die Theaterbühne zurück. Mit Anfang vierzig blickt sie auf eine beachtliche Karriere zurück, doch hinter dem Applaus verbirgt sich eine leise Unruhe. Am Abend der Premiere begegnet sie in einer Bar dem Maler Victor. Einem Mann, der sie nicht kennt und nichts von ihrem Ruhm weiß. Gerade diese Unbefangenheit zieht Dora in seinen Bann. In der Begegnung mit Victor erkennt sie eine Möglichkeit, sich zu entziehen: den Erwartungen ihrer Mutter, die unablässig aus Frankfurt anruft, dem Drängen ihrer Agentin, neue Rollen anzunehmen, und den übergriffigen Annäherungen eines Kollegen, der ihre Grenzen missachtet. Für einen Moment scheint es, als könne sie in Victors Gegenwart jemand anderes sein. Oder vielleicht endlich sie selbst.
Nach einigen Wochen bittet Dora ihn, sie zu malen. Doch als sie das fertige Bild betrachtet, gerät ihr Innerstes ins Wanken. In den Farben und Formen glaubt sie etwas wiederzuerkennen, das sie längst verdrängt hatte. Vergessene Erinnerungen brechen hervor und stellen alles infrage, was sie über sich selbst zu wissen glaubte.
Letzter Akt entfaltet auf eindringliche Weise das Wechselspiel zwischen Kunst und Leben und erzählt mit feiner Sensibilität von einem Aufbruch, der zugleich Befreiung und Zumutung ist und der Doras Welt unwiderruflich verändert. Mit feiner Zurückhaltung legt Andreas Schäfer einen kaum greifbaren Schatten über die Liebesgeschichte. Ein leises Unbehagen, das sich allmählich verdichtet.
„Fokussieren und ausblenden“ – diese Technik hat Dora einst von einem Regisseur übernommen, ein Handwerk, das ihr auf der Bühne und vor der Kamera stets Sicherheit gab. Doch was im Spiel mühelos gelingt, entzieht sich ihr im wirklichen Leben: Dort lassen sich Gefühle nicht einfach schärfen oder ausblenden. Die Kontrolle, die sie einst beherrschte, beginnt zu bröckeln.
Auf drei ineinander verschränkten Zeitebenen entfaltet Andreas Schäfer ein Geflecht zentraler Motive, die seit jeher das Nachdenken über Kunst prägen: das Spiel mit Schein und Maskerade, die tastende Suche nach dem eigenen Selbst sowie die trügerische und zugleich bewahrende Kraft der Erinnerung. In diesem vielschichtigen Erzählen verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung, bis sich schließlich die Frage aufdrängt, in welchem Maß Kunst das Leben spiegelt, oder es überhaupt erst formt.
„Letzter Akt“ war mein erstes Buch von Andreas Schäfer, einem Autor, der bislang sechs Romane veröffentlicht hat. Kennt ihr den Autor und könnt ihr mir ein weiteres Werk vom ihm empfehlen?
Das Cover zeigt ein lebhaftes, farbintensives Gemälde, das bewusst auf klare Konturen verzichtet. Die darauf platzierten Schriftzüge heben sich in Schwarz und Gelb deutlich vom Hintergrund ab.
- Letzter Akt
- Andreas Schäfer
- Roman
- DuMont
- ISBN: 9783832181833
- 224 Seiten
- Erschienen im März 2026
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