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In den Wolken schwimmen ~ Kerstin Campbell

Als Karoline von Günderrode und Bettine von Arnim einander begegnen, verbindet sie ein gemeinsamer Traum: ein Leben, in dem Frauen reisen, schreiben und frei denken dürfen. Besonders Karoline von Günderrode sehnt sich nach einem selbstbestimmten Platz in der Welt der Dichter und Denker der Romantik. Doch schon bald muss sie erkennen, wie eng die Grenzen sind, die ihrer Freiheit als Frau gesetzt werden und wie trügerisch die Hoffnung auf Gleichberechtigung in ihrer Zeit ist.

Nach ihrem Suizid im Jahr 1806 gerät das Werk der Dichterin zunehmend in Vergessenheit. Ihr Geliebter, der Mythenforscher Friedrich Creuzer, trägt gemeinsam mit seinem Freundeskreis dazu bei, ihre Schriften aus dem literarischen Gedächtnis zu tilgen. Erst Jahrzehnte später gelingt es Bettine von Arnim, die Erinnerung an ihre Freundin wieder zum Leben zu erwecken und ihr mit ihren eigenen Büchern einen Platz in der Literaturgeschichte zu sichern. Bis heute wird Karoline von Günderrode häufig auf das Bild der jungen Frau reduziert, die aus unglücklicher Liebe den Freitod wählte. Kerstin Campbell entwirft dagegen ein vielschichtigeres Porträt der 1780 in Karlsruhe geborenen Dichterin. Ausgehend von den Briefen und Werken Günderrodes und Bettine von Arnims erzählt sie von einer außergewöhnlichen Freundschaft, von unerfüllten Sehnsüchten und vom Ringen um geistige und persönliche Freiheit.

Ich begreife den Fehler, von einer Ehe mit ihm, von einem Leben im gleichberechtigten Austausch zwischen uns geträumt zu haben. Ich umfasse das Notizheft, den Stift in der Tasche. Sie ersetzen meine Familie, bergen meinen Lebenssinn. Mich weiterbilden, die Vollkommenheit erlangen. Die Studien sind meine Geschwister, sie bilden den Ort, an dem ich mich nicht fremd gühle. Meine Heimat.

Seite 82

In wechselnden Perspektiven erzählt Kerstin Campbell von einer Welt, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts von gesellschaftlichen Konventionen und geistigen Aufbrüchen geprägt ist. Dabei gelingt ihr die Atmosphäre der Heidelberger Romantik mit ihren Dichtern, Denkern und Gelehrten so lebendig und zugleich werden die unsichtbaren Grenzen sichtbar, an denen Frauen ihrer Zeit immer wieder anstießen. Begleitet wird die Geschichte von ihrer eigenen Spurensuche. Sie folgt den Lebenswegen von Karoline von Günderrode und Bettine von Arnim nach Frankfurt, Hanau und in den Rheingau und begibt sich auf die Suche nach den Orten und Spuren, die von ihrem Leben und Wirken erzählen. Auf diese Weise verbindet sie historische Überlieferungen mit literarischer Imagination und möchte Karoline von Günderrode als vielschichtige, eigenständige Dichterin sichtbar machen. Jenseits des Bildes der jungen Frau, die vor allem an einer unglücklichen Liebe zerbrach.

Eine ganz besondere Leseempfehlung für dieses eindringliche Porträt, das mich emotional tief berührt hat. Die Geschichte von Karoline von Günderrode und Bettine von Arnim hat mich nicht nur durch ihre literarische Kraft bewegt, sondern auch durch die Lebenswege zweier außergewöhnlicher Frauen, deren Sehnsucht nach Freiheit, Selbstbestimmung und geistiger Unabhängigkeit ihrer Zeit weit voraus war. Ein bewegendes, vielschichtiges Buch über Freundschaft, Freiheit, Liebe und die Kraft einer Stimme, die trotz aller Widerstände nicht verstummt ist. Eine Lektüre, die nachhallt und die ich von Herzen empfehlen möchte.

Das Cover zeigt ein Porträt der Dichterin Karoline von Günderrode aus dem Jahr 1797, dargestellt in unterschiedlichen Blautönen. Zu sehen im Historischen Museum Frankfurt. Die Schriften auf dem Cover sind in weiß gehalten.

  • In den Wolken schwimmen
  • Kerstin Campbell
  • Roman
  • AvivA Verlag 
  • ISBN: 978-3-949302-36-7 
  • 280 Seiten
  • Erschienen am 20. August 2026

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