Der Untertitel lautet: Eine natur(un)heilkundliche Schauergeschichte. Nun ich war gespannt auf diese schlesische Variation des Zauberbergs. Zu Beginn war ich total fasziniert von dem gehobenen sprachlichen Stil der Autorin, der konstant blieb. Jedoch habe ich für meine Lese-Verhältnisse lange gebraucht, um dieses Buch zu beenden.

Wir tauchen ein in die Geschichte im September 1913, Görbersdorf in Niederschlesien. Seit gut 50 Jahren steht mitten in den Bergen ein Sanatorium für Lungenkrankheiten. Mieczysław Wojnicz, Ingenieurstudent aus Lemberg ist hierhergekommen, um zu gesunden. Er steigt in einem Gästehaus für Männer ab. Dort versammeln sich viele Erkrankte aus ganz Europa. Sie philosophieren, diskutieren und frönen der >Schwärmerei < eine besondere Art von Likör. Eines ihrer liebsten Themen ist die Frau.

Das Weib ist von seiner Natur her zarter und empfindlicher, deshalb neigt es häufig zu unbedachten Taten…

Seite 57

Wissen Sie eigentlich, wer verantwortlich ist für all unsere Misserfolge? Die Mütter! Sie prägen unser Verhältnis zur Welt und zum eigenen Körper. Das sagen die neuesten Erkenntnisse einer Wissenschaft, die Psychoanalyse.

Seite 194

Es werden aber auch andere Themen leidenschaftlich besprochen wie zum Beispiel: Kommt es zu einem Krieg in Europa und welche Staatsform ist die Beste?

Die Frau des Pensionswirtes begeht Selbstmord. Dies scheint der Auslöser für den jungen Mieczysław Wojnicz zu sein. Er ringt mit seiner sexuellen Identität. Und überhaupt geschehen in Görbersdorf immer wieder mysteriöse Todesfälle im November. Männer sind die Opfer. Ja und was hat es mit den Empusien auf sich. Diesen weiblichen Spukgestalten aus der griechischen Mythologie?

>Empusion < ist kein Buch, das man einfach so mal weg liest. Es ist ein bedächtiges Aufsaugen dieser Ausdrucksweise, wie von einem anderen Stern, einem anderen Universum. Dieses immens dichte Gewebe von sprachlicher Schönheit, toxischer Männlichkeit, Misogynie, Krankheit und griechischer Mythologie, unvergleichlich. Ein Lesehighlight.

Anmerkung: Diverse frauenverachtende Zitate sind von u.a. vom antiken Dichter Hesiod über Ovid und Plato bis hin zu Thomas von Aquin, William Shakespeare, Sigmund Freud oder auch William S. Burroughs.

Das Cover zeigt einen hellblauen Handschuh, der mit rosafarbenen Adern durchzogen ist.

  • Empusion
  • Eine natur(un)heilkundliche Schauergeschichte
  • Olga Tokarczuk
  • Roman
  • Kampa Verlag
  • ISBN: 9783311100447
  • 373 Seiten
  • Übersetzt von Lisa Palmers und Lothar Quinkenstein