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Diesen Tipp bekam ich von Caroline Grafe vom https://litquartier.de/ Auf Instagram lud sie zum gemeinsamen Lesen dieses Büchleins ein. Wie es ankam, hier mehr dazu………………..

>Ich bin kein Verbrecher! <, schrieb der junge Deutsche Herbert 1946 an Yvette Z´Graggen. Sie hatte ihn kurz vor Kriegsausbruch in Genf kennengelernt, eine enge Brieffreundschaft verband sie seither. Doch nach 1950 wendet sie sich ab von Deutschland. Erst drei Jahrzehnte später wagt sie eine behutsame Wiederentdeckung, den Versuch einer Versöhnung: Mit dem Besuch der Gedenkstätten des deutschen Wiederstandes gegen den Nationalsozialismus in Berlin verändert sich allmählich Yvette Z`Graggens Bild von den Deutschen. Unerbittlich setzt sie sich mit der Vergangenheit und auch den Rissen in ihrer eigenen Lebensgeschichte auseinander.

so auf dem Buchrücken beschrieben

Die Ich – Erzählerin Yvette Z`Graggens erzählt die Geschichte ihrer Jugend in den 1930 Jahren in Genf. Ihren Werdegang zur Schriftstellerin und nimmt sich des Themas Herkunft an. Bezeichnend für den Ursprung an Yvettes Z`Graggens großem Interesse an allem Deutschen, ist wohl der Umstand, dass der Vater ein Deutschschweizer und die Mutter in Genf geboren und beide auch Deutsch sprachen. Jedoch macht das junge Paar keine guten Erfahrungen, wenn sie in der Öffentlichkeit die deutsche Sprache anbringen. Daraufhin beschließen sie im Jahre 1922 nicht mehr deutsch zu sprechen.

Vor Ausbruch des 2.Weltkrieges lernt Yvette den jungen deutschen Herbert kennen. Mit ihm verbindet sie eine jahrelange Brieffreundschaft. Die Briefe von Herbert werden von Yvette geradezu analysiert. Will sie eine deutsche Seele ergründen?

Yvette Z`Graggen lässt uns an drei Phasen ihres Lebens teilhaben. Gekonnt bedient sie in dem gerade Mal 126 Seiten umfassenden Büchlein drei verschiedene Stilrichtungen: zum einen die Autobiografie, die Reportage in Form von recherchierten Daten und Ereignisse und die Interpretation, die sich im Briefwechsel mit Herbert widerspiegeln. Das Büchlein erweckt großes Interesse, gerade der Mittelteil, dort geht die Autorin in die Tiefe des Widerstandes und ihrer Opfer, zielt und trifft in Mark und Bein. Und gerade heute am 8.Mai – am Tag der Befreiung 1945 möchte ich diese Passage preisgeben:

Hitler selbst hatte kein Erbarmen mit dem Volk, das er ins Unglück gestürzt hatte und dem er die Schuld für die Niederlage gab. Am 19. März 1945, ein paar Wochen vor der Kapitulation, befahl er seinem Rüstungsminister Albert Speer, die Gebiete unter deutscher Kontrolle zu verwüsten. Mit folgenden Worten rechtfertigte er seine Entscheidung >Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, Rücksicht darauf zu nehmen auf das, was das Volk zum Weiterleben benötigt. Jene, die nach den Kämpfen übrig bleiben, sind ohnehin die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen.<

Seite 69 Anmerkung – Alle Zitate und Daten sind im Buch belegt

Für mich ist Yvette Z`Graggen eine absolute Neuentdeckung, die mich sehr neugierig auf ihre vielen anderen Werke zurück lässt. Große Leseempfehlung!

🔖🔖🔖🔖von 5

Lenos Verlag / ISBN: 9783857878121 / 126 Seiten

Yvette Z’Graggen (1920–2012), aufgewachsen in Genf. Nach langjähriger Tätigkeit beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz war sie als Übersetzerin und als Mitarbeiterin von Radio Suisse Romande tätig. Mit vierundzwanzig Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Seither publizierte sie zahlreiche Werke – Romane, Erzählungen und Hörspiele –, von denen etliche ins Deutsche übersetzt wurden. Für ihr Werk wurde Yvette Z’Graggen mehrfach ausgezeichnet, u.a. erhielt sie 1951 für ihren Roman L’Herbe d’octobre (Oktobergras) und 1996 für ihr Gesamtwerk den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung sowie für die Erzählung Les Années silencieuses (Die Jahre des Schweigens) 1982 den Preis der Genfer Schriftstellergesellschaft. Ihr Roman La Punta wurde 1992 mit dem Prix des Auditeurs de la Radio Suisse Romande gewürdigt.

Quelle Lenos Verlag