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Das Buch der Illusionen ~ Paul Auster

Professor David Zimmer, bekannt aus Mond über Manhattan, ist ein Mann, dem das Leben den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Seit Frau und Kinder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, bewegt er sich nur noch wie ein Schatten durch die Tage. Halt findet er allein in der Arbeit: In obsessiver Versenkung schreibt er an einem Buch über Hector Mann, einen legendären Stummfilmkomiker, der 1929 spurlos aus der Öffentlichkeit verschwand.

„Für den einen Journalisten ist er ein Unruhestifter, für den anderen ist er fügsam und fromm; er ist in reichen, er ist in armen Verhältnissen aufgewachsen; er spricht mit starken Akzent, er spricht ohne jeden Akzent. Nimmt man diese Widersprüche zusammmen, ergeben sie ein Nichts, das Porträt eines Mannes mit so vielen Persönlichkeiten und Familiengeschichten, dass wir nur einen Haufen Fragmente vor uns sehen, ein Puzzle, dessen Teile nicht mehr zusammenpassen. Werden ihm Fragen gestellt, gibt er jedes Mal andere Antworten, Worte strömen aus ihm hervor, aber er ist entschlossen, niemals etwas zweimal zu sagen. Er scheint etwas zu verbergen….

Doch die Vergangenheit bleibt nicht begraben. Die lange verloren geglaubten Filme Manns tauchen plötzlich wieder auf und reißen Risse in Zimmers fragile Ordnung. Mit ihnen dringt das Unheimliche in sein Leben zurück. Bis eines Abends eine geheimnisvolle Frau, bewaffnet mit einem Revolver, vor seiner Tür steht und die Grenzen zwischen Forschung, Erinnerung und Schicksal endgültig verschwimmen.

Die Besonderheit von Das Buch der Illusionen liegt in seiner kunstvollen Konstruktion und im raffinierten Ineinandergreifen literarischer und filmischer Erzählweisen. Paul Auster entwirft über viele Seiten hinweg die Inhalte und ästhetischen Formen fiktiver Filme, lässt Traumsequenzen in die Handlung einfließen. Doch dieser Roman enthält noch eine weitere narrative Schicht, wenn Alma Grund (die geheimnissvolle Frau mit dem Revolver) dem Erzähler die Lebensgeschichte von Hector Mann anvertraut. Wie bei einer Matrjoschka-Puppe liegen diese Erzählungen ineinander verschachtelt und sind zugleich von einer Rahmenerzählung umschlossen, die offenlegt, unter welchen vermeintlichen Bedingungen das vorliegende Buch entstanden ist. In diesem vielschichtigen Gefüge spiegeln sich die einzelnen Geschichten gegenseitig, variieren zentrale Motive und verdichten sich zu einem Resonanzraum aus Erinnerung, Illusion und Verlust.

Paul Auster entfaltet einen ebenso spielerischen wie tiefgründigen Roman, der mit großer Leichtigkeit und erzählerischer Raffinesse die Grenzen zwischen Fiktion, Einbildung und Wirklichkeit verwischt. Hinter der unterhaltsamen Oberfläche verhandelt der Text existenzielle Themen: Schuld und Selbstbestrafung, den Zerfall von Identität sowie die Frage, ob Kunst ohne Öffentlichkeit überhaupt Bestand haben kann. Wie so oft in Austers Werk sind es Zufälle, scheinbar beiläufige Begegnungen und unerwartete Wendungen, die das Geschehen lenken und dem Roman seine eigentümliche Spannung verleihen. Ausgesprochene Leseempfehlung!

Das Cover präsentiert Titel, Autoren- und Verlagsnamen in einer Typografie, deren Farbpalette aus Creme, Gelb, Grün und Blau sich kontrastreich von einem roten Hintergrund abhebt.

  • Das Buch der Illusionen
  • Paul Auster
  • Roman
  • Rowohlt Verlag
  • ISBN: 9783498000523
  • Übersetzung von Werner Schmitz
  • 383 Seiten
  • Erschienen 2002

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