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Was mich bewegt

Was mich bewegt, ist nicht der laute Streit, sondern das leise Verschwinden. Es sind die Räume, die kleiner werden. Nicht aus Stein, sondern aus Möglichkeiten. Gerade jene, die ohnehin nur wenig besaßen, sehen selbst dieses Wenige schwinden. Als würde man einer flackernden Kerze noch den letzten Sauerstoff nehmen. 

Ein Land, das kaum noch Kinder hervorbringt, kürzt zugleich dort, wo Zukunft ihren Anfang nimmt. Es ist ein seltsamer Widerspruch: Man beklagt das Morgen und entzieht ihm doch heute den Boden. Es scheint, als sei das Leben nur dann willkommen, wenn es sich in der Mitte befindet. Weder jung noch alt, weder krank noch gebrechlich, sondern leistungsfähig, produktiv und finanziell erfolgreich. Wer aus diesem schmalen Korridor herausfällt, wird allmählich unsichtbar. 

Eine Gesellschaft aber zeigt ihr wahres Gesicht nicht daran, wie sie mit den Starken umgeht, sondern wie sie die Schwächsten trägt. Werden selbst ihre Stimmen leiser, weil ihnen die Kraft genommen wird, verstummt am Ende mehr als nur ein Teil der Bevölkerung. Es verstummt ein Stück Menschlichkeit. 

Vielleicht ist es genau das, was mich am meisten bewegt: dass Grenzen nicht nur an Landkarten verlaufen. Es gibt auch Grenzen des Mitgefühls, der Verantwortung und der Würde. Für mich ist damit eine Grenze erreicht. Eine Grenze dessen, was gesellschaftlich noch vermittelbar erscheint. Die „Merz-Grenze“ ist überschritten. 

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