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Tage des Lichts ~ Megan Hunter

Dieser Roman entfaltet das Porträt eines Frauenlebens, das sich über acht Jahrzehnte spannt und in sechs Tagen verdichtet: eine Geschichte von unerfüllter Sehnsucht, verdrängter Schuld und der leisen Tapferkeit, sich selbst treu zu bleiben. Der Roman fragt danach, wie frei wir wirklich sind, wenn ein unwiderstehliches Begehren beginnt, die Bahnen unseres Daseins neu zu zeichnen.

England, 1938. Ivy ist neunzehn und steht an der Schwelle eines Lebens, das sich ihr noch weit und ungebunden öffnet wie ein leeres Blatt Papier. Tänzerin, Malerin, Abenteurerin, vielleicht sogar Spionin: Ihre Träume schillern in allen Farben, genährt von der Exzentrik und Kreativität ihrer Familie, und sie ist fest entschlossen, nicht irgendein Dasein zu führen, sondern ein außergewöhnliches.

Doch an jenem Ostersonntag, als ihr Bruder Joseph der Familie seine Freundin Frances vorstellt, während Mutter Marina als Malerin Erfolge feiert und Angus, ihr enger Freund, zwischen Liebhabern und Leidenschaften wandelt, liegt eine milde, fast schwebende Wärme über dem Haus, wie der letzte Atemzug eines unbeschwerten Frühlings. Und genau an diesem Tag geschieht die Tragödie, die Ivys Leben aus seiner offenen Weite in ruhige, vorgezeichnete Bahnen zwingt.

Sie heiratet Bear, einen Freund der Familie, viele Jahre älter als sie, und bekommt zwei Töchter. Ihre Ehe ist liebevoll, ihr Alltag geordnet, ihr Leben äußerlich gelungen. Doch unter der Oberfläche wächst eine leise Unruhe: das schmerzhafte Bewusstsein, dass sie nicht ihr eigenes Begehren lebt, sondern ein Leben, das sie sich einst nicht erträumt hatte und dass etwas Wesentliches in ihr unerfüllt geblieben ist.

Erst Jahre später, als Ivy Frances wiederbegegnet, jener Frau aus der Stunde, in der ihr Leben aus den Fugen geriet, beginnt sie die Stille hinter der Ordnung ihres Daseins zu hören. Was sie für Erfüllung gehalten hatte, entpuppt sich als sorgfältig eingerichtete Leere. Zwischen den beiden Frauen flammt eine Anziehung auf, leise und unaufhaltsam zugleich, der sie sich nicht hingeben dürfen und der sie doch, gegen jede Vernunft, nicht entkommen können.

Wir begleiten Ivy von der lichten Leichtigkeit ihrer Jugend durch die Erschütterung eines Verlustes, der ihr Leben unwiderruflich neu ordnete, hinein in Ehe und Mutterschaft — Rollen, die sie annahm, ohne sich je ganz in ihnen zu verlieren. Unter der Oberfläche ihres Alltags regen sich unerfüllte Sehnsüchte, die sie mit der Strenge ihres Glaubens zu bannen sucht, als ließen sie sich fortbeten. Doch immer wieder drängt sich Joseph in ihr Bewusstsein, als schmerzhafte Erinnerung, eine leise, beständige Wunde in ihrem Inneren. Und dann ist da noch Frances…

„Tage des Lichts“ ist ein stiller, zutiefst berührender Roman, dessen Echo noch lange nach der letzten Seite nachhallt. Er entfaltet eine dichte, schwebende Atmosphäre und verbindet emotionale Tiefe mit klugen, schmerzhaft ehrlichen Reflexionen über Selbstfindung, verpasste Möglichkeiten und die engen gesellschaftlichen Zuschreibungen, denen Frauenleben allzu oft unterworfen sind. Ausgesprochene Leseempfehlung!

Das Cover zeigt einen Ausschnitt einer farbenfrohen Hausfassade in Weiß-, Orange- sowie hell- und dunkelgrünen Tönen. Die Typografie ist in schlichtem Weiß gehalten und hebt sich klar vom lebendigen Hintergrund ab.

  • Tage des Lichts
  • Megan Hunter
  • Roman
  • C.H.Beck
  • ISBN: 9783406843396
  • 304 Seiten
  • Übersetzt von Judith Schwaab
  • ET 30. Januar 2026

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