
Kennt ihr das Gefühl, wenn euch der Klappentext eines Buches neugierig macht, ohne dass ihr eigentlich große Erwartungen daran knüpft? Man beginnt zu lesen, ganz unvoreingenommen, vielleicht sogar ein wenig vorsichtig und merkt plötzlich, dass sich zwischen den Seiten etwas Besonderes verbirgt. Eine Geschichte, die berührt, nachhallt und sich leise ihren Platz im Herzen erobert. Genau so ein Buch ist Schön, dass du da warst. Ein Buch, das mich mehr bereichert hat, als ich zunächst erwartet hätte, und dessen Geschichte noch lange nach dem Lesen in mir weiterklingt.
Der Roman erzählt aus der Perspektive eines Kindes, das nach dem frühen Tod seiner Mutter von seiner Großmutter aufgezogen wird. Der Vater, selbst tief in seiner Trauer gefangen, ist nicht in der Lage, sich um sein Kind zu kümmern. Gleichzeitig begegnen wir einer Frau mittleren Alters, die eine Hundertjährige betreut. Zwei Lebensgeschichten, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt liegen. Über mehrere Generationen hinweg entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama von Familie, Alter und Fürsorge: Die Greisin bekam ihre Töchter noch im NS-Staat, während ihre Enkelin inzwischen selbst Mutter einer erwachsenen Tochter ist. Die Perspektiven auf Familienleben und Pflege wechseln, ergänzen und widersprechen einander. Dabei geraten auch die vertrauten Rollen ins Wanken: Mal begegnet uns die Großmutter als Autoritätsperson, mal als alte Dame, die sich eine jugendliche Lebendigkeit bewahrt hat, und schließlich als Frau von biblischem Alter, die selbst zur Schutzbedürftigen geworden ist.
Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen. Er ist von einer tiefen Wärme und Liebe getragen und versprüht trotz der teilweise ernsten und berührenden Themen einen ganz besonderen Charme. Es ist diese Mischung aus Leichtigkeit, Menschlichkeit und Gefühl, die einen beim Lesen immer mehr einfängt und wie eine warme Decke umhüllt. Es gibt einige Stellen im Roman, die ich mir angestrichen habe. Doch eine Textpassage hat mich ganz besonders berührt und ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben:
Anscheinend ist die Erinnerung ein Chamäleon, immerzu ihre Farbe wechselnd, nach allen Seiten äugelnd und in jeder Lebenslage neu. Wer kann sich schon verlässlich daran erinnern, wie er als Kind behandelt oder erzogen worden ist? Erziehung, was ist das überhaupt für ein schrecklicher Ausdruck? Das klingt nach lang gezogen werden. Gibt es denn kein weniger gewaltvolles Tätigkeitswort dafür, wie man ein Kind verantwortungsvoll, ja was denn, aufzieht, in aller Ruhe ins Leben ziehen lässt?
Seite 252
Das Cover ist in einem frischen Grünton gehalten und zeigt ein Kleidungsstück mit filigranen floralen Ornamenten, das durch zwei Perlmuttknöpfe besondere Akzente erhält. Die weiße und lilafarbene Schrift fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein und verleiht dem Cover eine elegante, zugleich verspielte Note.
- Schön, dass du da warst
- Eva Sichelschmidt
- Roman
- Rowohlt Verlag
- ISBN: 978-3-498-00757-7
- 272 Seiten
- Erschienen am 4. September 2026
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