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Inter alia ~ Suzie Miller

Wenn ausgerechnet das eigene Kind zur größten moralischen Herausforderung wird.

Richterin Jessica Parks kennt die Abgründe, mit denen Menschen vor Gericht konfrontiert werden. Tag für Tag setzt sie sich mit Sexualstraftätern auseinander und kämpft dafür, dass die Stimmen der Opfer gehört und ernst genommen werden. Sie ist überzeugt von dem, wofür sie steht, bis ihr eigenes Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird. Denn ihr siebzehnjähriger Sohn Harry wird beschuldigt, eine Mitschülerin vergewaltigt zu haben. Harry beteuert seine Unschuld, und Jessica steht vor einem schier unerträglichen Konflikt: Glaubt sie ihrem Sohn oder dem Mädchen, das ihn beschuldigt? Kann sie als Mutter bedingungslos zu ihrem Kind stehen und gleichzeitig ihren eigenen moralischen Überzeugungen treu bleiben?

Genau dieser Zwiespalt macht die Geschichte so beklemmend und spannend. Man wird als Leser immer wieder dazu gebracht, die eigene Haltung zu hinterfragen. Wem würde ich glauben? Was würde ich tun, wenn mein eigenes Kind beschuldigt wird? Und gibt es überhaupt eine klare Antwort, wenn Aussage gegen Aussage steht?

Besonders interessant fand ich, dass die Geschichte nicht einfach in Schwarz und Weiß erzählt wird. Stattdessen zeigt sie, wie schwierig es sein kann, zwischen Gerechtigkeit, Wahrheit, Vorurteilen und bedingungsloser Liebe zu unterscheiden. Jessica ist dabei eine starke, aber gleichzeitig unglaublich verletzliche Protagonistin, deren innerer Kampf mich sehr beschäftigt hat.

Ein weiterer Aspekt, der im Roman sehr deutlich wird und mich besonders beschäftigt hat, ist Jessicas täglicher Kampf um Selbstbehauptung in einer nach wie vor von Männern dominierten Berufswelt. Als Richterin muss sie sich ständig beweisen und gleichzeitig wird von ihr selbstverständlich erwartet, dass sie zu Hause weiterhin alles im Blick behält. Trotz ihres anspruchsvollen Fulltime-Jobs bleiben der Haushalt, die organisatorischen Aufgaben und vor allem die Bedürfnisse ihres Sohnes primär an ihr hängen. Diese Doppelbelastung wird sehr eindringlich dargestellt und zeigt, wie selbstverständlich Frauen auch heute noch mit der Erwartung konfrontiert werden, beruflich erfolgreich zu sein und gleichzeitig den Großteil der familiären Verantwortung zu tragen. Gerade diese Kombination aus beruflichem Druck und mentaler Belastung als Mutter hat Jessica für mich sehr greifbar und menschlich gemacht.

Inter alia – unter anderem – der Ausdruck kommt aus der Rechtssprache – ist ein aufwühlender Roman über Gerechtigkeit, Mutterschaft, Schuld und die Frage, wie weit man für sein eigenes Kind gehen würde. Eine Geschichte, die nicht nur spannend ist, sondern auch nach dem Lesen noch lange im Kopf bleibt. Absolute Leseempfehlung!

Das Cover zeigt die Grafik eines brennenden Streichholzes, das in Schwarz, Gelb und Rot gehalten ist. Der lilafarbene Hintergrund bildet dazu einen Kontrast. Die schwarze Schrift fügt sich in das Gesamtbild ein.

  • Inter alia
  • Suzie Miller
  • Roman
  • Kjona Verlag
  • ISBN: 9783910372832
  • Übersetzung von Katharina Martl und Anne Flückinger
  • ET 15. September 2026

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