
Norwegen. Auf den windumtosten Lofoten stand eine einsame Hütte, klein gegen die Weite aus Meer, Felsen und Himmel. Hierhin zog sich die schwedische Malerin Anna Boberg jeden Winter zurück, allein, fern von allem Vertrauten. Sie kam nicht aus Abenteuerlust, sondern aus einem beinahe zwingenden Bedürfnis: das raue Leuchten des Nordens einzufangen, jenes flüchtige arktische Licht, das nur für Augenblicke über Wasser, Schnee und Felsen strich. Die Monate der Abgeschiedenheit nahm sie in Kauf, selbst die lange Trennung von ihrem Mann, dem Architekten Ferdinand Boberg. Er war es gewesen, der ihr einst dieses Atelier im hohen Norden gebaut hatte. Einen Zufluchtsort aus Holz und Stille, errichtet gegen Sturm, Dunkelheit und Kälte.
Wieder ein Winter, Anfang der 1930er Jahre. Während draußen das Meer gegen die Felsen schlug und das Nordlicht über den Himmel wanderte, arbeitete Anna unermüdlich an ihrer Staffelei. Tief in ihr wuchs die Ahnung, dass dies vielleicht ihr letzter Aufenthalt hier sein könnte. Und gerade deshalb trieb sie ein unnachgiebiger Wille an: Noch einmal wollte sie alles geben, wollte das eine Bild schaffen, das große Werk, das ihr endlich auch in Schweden jene Anerkennung bringen sollte, die sie in Frankreich und Italien längst erfahren hatte.
Die Autorin Sophie Van der Linden nähert sich behutsam dem Inneren dieser wohl hierzulande noch kaum entdeckten, schwedischen Künstlerin. Mit feinem Gespür und erzählerischer Leuchtkraft folgt sie den Spuren von Anna Boberg, zeichnet ihren bewegten Lebensweg nach und lässt zugleich ihren schöpferischen Prozess lebendig werden. So entsteht ein vielschichtiges Porträt, in dem sich Biografie und künstlerisches Ringen in ebenso zarten Linien wie in leuchtenden Farben entfalten. Besonders faszinierend waren für mich die Beschreibungen von Bildern und Pinselstrichen, die wie sinnliche Explosionen wirken, wenn Farben allein durch Worte zum Leuchten gebracht und Landschaften in unmittelbare Sinneseindrücke verwandelt werden. Ausgesprochene Leseempfehlung für dieses literarische Kleinod!
Das Cover zeigt das Gemälde Ein arktischer Frühlingstag von Anna Boberg. Es offenbart eine Landschaft der Lofoten im Übergang vom Winter zum Frühling. Mächtige, noch schneebedeckte Berge ragen über einer stillen Bucht auf, während einige rote Fischerhäuser am Ufer einen warmen Kontrast zur kühlen Farbpalette aus Blau-, Grau- und Weißtönen bilden. Die Typografie kombiniert Pink mit Weiß.
- Im Licht der Lofoten
- Sophie Van der Linden
- Roman
- Mare Verlag
- ISBN: 978-3-86648-753-6
- 128 Seiten
- Übersetzt von Valerie Schneider
- Erschienen 2026
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