
Österreich. Zur Beerdigung ihrer besten Freundin Melanie kehrt Caro in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Einen Ort, den sie einst voller Sehnsucht nach der großen Welt verlassen hatte. Doch nun, inmitten vertrauter Straßen und längst vergangener Sommer, holen sie die Erinnerungen ein. Sie denkt zurück an unbeschwerte Tage, an grenzenlose Träume und daran, wie weit entfernt ihr das heutige Leben damals erschien. Die Gegenwart wirkt dagegen ernüchternd: eine brüchige Ehe, berufliche Stagnation und das nagende Gefühl, sich selbst verloren zu haben. Als Caro ihrer einstigen Jugendliebe Tom wiederbegegnet, öffnen sich nicht nur alte Wunden, sondern auch neue Fragen.
Gemeinsam beginnen sie, Melanies Tod näher zu beleuchten und stoßen dabei auf ein Geflecht aus Geheimnissen, Andeutungen und Schweigen. Schnell wird Caro klar, dass sie ihre Freundin womöglich nie wirklich gekannt hat. Während das Dorf mehr zu wissen scheint, als es preisgibt, gerät Caros Bild von Vergangenheit und Wahrheit zunehmend ins Wanken. Was ihr früher kaum erträglich erschien und sie im Innersten erschütterte, hat sie sich inzwischen anzueignen gelernt, beinahe widerstandslos. Und doch ist es nicht verschwunden: jenes hartnäckige Gefühl, fehl am Platz zu sein, fremd unter Vertrauten und die leise Gewissheit, dass Alleinsein erträglicher ist als Einsamkeit inmitten anderer.
In diesem Roman bleibt vieles in der Schwebe. Er reiht Hinweise auf, statt Gewissheiten zu liefern. Eine Ambivalenz zwischen Vertrautheit und Zerbrechlichkeit. Doch gerade dies verleiht einen gewissen Reiz, der durch die dichte, eindringliche Atmosphäre mehr an Gewicht gewinnt. So bleibt auch unklar, ob das Landleben, einst nur als vorübergehender Aufenthalt gedacht, als ein Sommergastspiel bis Mariä Himmelfahrt, für Caro nicht doch allmählich zur bleibenden Realität gerinnt.
Himmelfahrt ist das Porträt eines Lebensgefühls in einer Welt, deren Wahrheiten Risse tragen, in der Gewissheiten ihren Halt verloren haben und das Wesentliche ins Unverbindliche entgleitet. Die Menschen begegnen einander darin nicht mehr in Klarheit, sondern verharren in Andeutungen, als ließe sich das Eigentliche nur noch im Ungesagten erahnen. Ausgesprochene Leseempfehlung!
Das Cover präsentiert sich in einer reduzierten Schwarz-Weiß-Ästhetik: Zu sehen ist eine Frau, die im Sprung eine Pfütze überquert, während sich ihre Silhouette im Wasser spiegelt. Die Schrift hebt sich in klarem Weiß ab.
- Himmelfahrt
- Marlene Gölz
- Roman
- Septime Verlag
- ISBN: 978-3-99120-069-7
- 192 Seiten
- Erschienen 2025
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