
Mit einem Vorwort von Paul Auster
Ein junger Mann, kaum 23 Jahre alt, verfasst dieses Buch. Einer, der sich eine bis dahin kaum bekannte Kunst in erstaunlich kurzer Zeit selbst erschlossen hat. Heute kennt die Welt seinen Namen: Philippe Petit, der Mann, der einst zwischen den Türmen des World Trade Centers auf einem dünnen Draht dem Himmel entgegenbalancierte und damit Geschichte schrieb. Doch dieses Werk erzählt weit mehr als nur von einem spektakulären Drahtseilakt. Es ist eine leise, eindringliche Meditation über das Leben selbst. Schritt für Schritt führt es durch die Anfänge. Vom sorgfältigen Reinigen des Seils bis zu jenem ersten zögernden Kontakt, wenn die Zehen den Draht berühren und der Körper das Gleichgewicht neu begreift.
Auf dem Seil offenbart sich eine eigene Welt: eine Schule der Wahrnehmung, der Disziplin und des Mutes. In der schwebenden Stille zwischen Himmel und Abgrund findet Petit eine Form von Freiheit, die alles Irdische hinter sich lässt.
Sein poetisches Manifest ist zugleich Einladung und Herausforderung: die eigenen Ängste zu erkennen, sie zu durchschreiten und dem Leben mit wacher, unverstellter Intensität zu begegnen. Ein außergewöhnliches Buch. Es ist halb Anleitung, halb Philosophie und zeigt, wie aus einem einfachen Draht ein Weg zu innerer Klarheit werden kann.
Das Vorwort stammt aus dem Jahr 1982 und wurde von Paul Auster verfasst. Darin erinnert er sich an seine erste Begegnung mit Philippe Petit. Ein flüchtiger, beinahe unscheinbarer Moment im Paris des Jahres 1971. Petit trat damals als Straßenkünstler auf, jonglierte mit spielerischer Leichtigkeit und verblüffte Passanten mit kleinen Zauberkunststücken. Doch nur wenige Wochen später verwandelte sich dieses Bild in etwas nahezu Unfassbares. Mitten in der Nacht, während die Stadt schlief, spannte Petit ein Drahtseil zwischen die Türme von Notre-Dame de Paris. Hoch über dem Boden, im Zwielicht der Dunkelheit, bewegte er sich auf dem Seil. Nicht nur gehend, sondern jonglierend, spielend, als gehöre ihm der Raum zwischen Himmel und Erde. Drei Stunden lang dauerte dieses heimliche Schauspiel. Am Ende wartete die Verhaftung. Doch was für andere ein Ende bedeutet hätte, war für Petit nur eine Randnotiz. Seine Leidenschaft ließ sich weder einfangen noch begrenzen. Sie suchte sich immer wieder neue Wege, höher, kühner und freier.
„Mich hat bei dem Notre-Dame-Spektakel noch etwas anderes bewegt: dass es heimlich aufgeführt wurde. Philippe Petit war in aller Stille zu Werke gegangen, gründlich wie ein Bankräuber, der einen Überfall plant. Keine Pressekonferenz, kein Reklamegeschrei, keine Plakate. Die Reinheit dieser Aktion beeindruckte mich.”
Ausgesprochene Leseempfehlung!
Das Cover zeigt Philippe Petit, wie er entspannt auf einem Drahtseil liegt. Die Schrift ist in Weiß- und Grautönen gehalten und hebt sich sanft von einem hellblauen, wolkenartigen Hintergrund ab, der an den Himmel erinnert.
- Auf dem Hochseil
- Philippe Petit
- Die Kunst der Hingabe
- Unionsverlag
- ISBN: 9783293006423
- 128 Seiten
- Mit einem Vorwort von Paul Auster
- Übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller
- Erschienen im März 2026
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