
Kann der Name, den du trägst, den Weg deines Lebens beeinflussen?
Es ist 1987 und Cora ist auf dem Weg zum Amt, um die Geburt ihres Sohnes anzumelden und seinen Namen. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Moment ihr Leben und das ihres Sohnes prägen wird. Coras Mann Gordon, ein allseits beliebter Arzt, erwartet, dass sein Sohn nach alter Tradition den Namen des Vaters bekommt und somit den von Generationen herrischer Männer vor ihm. Ihre Tochter Maia möchte den kleinen Bruder Bear nennen, und Cora selbst bevorzugt Julian, in der Hoffnung, dass ihr Sohn sich so zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln kann.
Die Handlung entfaltet sich in mehreren zeitlichen Abschnitten. Nach einem eindrucksvollen Prolog macht die Erzählung immer wieder Sprünge von jeweils sieben Jahren und begleitet die Figuren über einen Zeitraum von insgesamt 35 Jahren. Diese Struktur sorgt für eine klare Gliederung und zeigt zugleich, wie entscheidend einzelne Augenblicke für den Verlauf eines Lebens sein können. In manchen Versionen begegnen sich die Figuren und wachsen einander nahe, in anderen gehen sie aneinander vorbei; Beziehungen entstehen, verändern sich oder zerbrechen.
Doch damit erschöpft sich der Roman nicht, denn ein Aspekt wird im Klappentext kaum angedeutet. Er rückt häusliche Gewalt in ihren unterschiedlichen Ausprägungen in den Fokus. Ihren Ausgang nimmt sie ausgerechnet bei Gordon, dem allseits geschätzten und beliebten Arzt, und richtet sich gegen seine Frau Cora.
„Erinnerst du dich an die Tupperdosen?”
„Tupperdosen?”
„Deine war blau, meine gelb. Die standen immer mit Snacks gefüllt bereit. Rosinen und Apfelringe. Sachen, die sich halten. Picknickzeit”, sagte Maia mit schwerer Stimme.
Was für ein Debüt! Florence Knapps erzählt ein einfühlsames und zugleich hoffnungsvolles Geflecht aus drei Namen, drei denkbaren Lebensverläufen und den grenzenlosen Möglichkeiten, die aus einer einzigen Entscheidung erwachsen. Keiner der möglichen Lebenswege lässt sich vorab erahnen; zahlreiche Wendungen sorgen für Spannung und berühren tief. Die Handlung ist emotional intensiv und beinhaltet eindringliche, teils schonungslose Darstellungen von häuslicher Gewalt gegen Frauen. Im Zentrum steht eine Familie und die Beständigkeit ihrer Liebe. Ganz unabhängig davon, welche Prüfungen das Schicksal für sie bereithält. Trotz all des Schmerzes und der Härte, die dieses eindrucksvolle Debüt durchziehen, finden sich darin auch feine Spuren von Hoffnung, die das Dunkle in etwas Lichtvolleres verwandeln. Ausgesprochene Leseempfehlung!
Das Cover zeigt einen dreigeteilten Weg, auf dem ein junger Mann, von hinten betrachtet, mittig entlanggeht und dabei gleich drei Schatten wirft. Die Schriftgestaltung ist in Orange und Weiß gehalten.
- Die Namen
- Florence Knapp
- Roman
- Eichborn Verlag
- ISBN: 9783847902294
- 352 Seiten
- Übersetzt von Lisa Kögeböhn
- Erschienen im März 2026
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