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Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein ~ Deborah Levy

Gertrude Stein 3. Februar 1874 – 27. Juli 1946

Die Erzählerin von Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein versucht, Ordnung in ein Leben zu bringen, das sich jeder Ordnung entzieht. Während der Kater ihrer Freundin Eva spurlos verschwunden ist, vielleicht, so ihre eigensinnige Vermutung, im Bewusstseinsstrom davongeschwommen, bleibt ihre Freundin Fanny zwischen den Anforderungen der Finanzwelt und einem Geflecht aus drei Liebesbeziehungen kaum greifbar. Doch die größte Herausforderung trägt einen anderen Namen: Gertrude Stein.

Die Erzählerin hat sich vorgenommen, einen Essay über die Ikone der literarischen Moderne zu schreiben. Je intensiver sie sich mit Stein beschäftigt, desto deutlicher wird jedoch, dass sich diese dem eindeutigen Zugriff entzieht. Sie weiß zugleich zu viel und zu wenig über eine Frau, deren Leben und Werk von Widersprüchen, Experimentierfreude und radikaler Eigenständigkeit geprägt sind. Sie kennt die biografischen Eckpunkte: Stein studierte Psychologie und Medizin, bevor sie sich gegen die akademische Laufbahn entschied. In ihrer Pariser Wohnung schuf sie einen legendären Treffpunkt der Avantgarde, an dem Künstler wie Picasso, Matisse und Hemingway verkehrten. Mit ihren Romanen, Theaterstücken und Gedichten sprengte sie sprachliche Konventionen und wurde zu einer der prägendsten Stimmen der literarischen Moderne. Ebenso prägend war die Liebe zu Alice B. Toklas, der Frau, mit der sie ihr Leben teilte.

1934 Schrieb F.Scott Fitzgerald an Gertrude Stein:

„Du warst für jeden an deinem Kamin dasselbe wunderbare Feuer – denn es war dein Kamin, da du dein Zuhause mit dir trägst, wo du auch bist – ein Zuhause, in dem auch wir alle uns immer gewärmt haben.” Seite 81

Doch die eigentliche Annäherung beginnt dort, wo das Wissen endet. Aus der Suche nach Gertrude Stein wird eine Suche nach Antworten auf Fragen der Gegenwart: Was müssen wir hinter uns lassen, um uns neu erfinden zu können? Wie leben wir mit Unsicherheit, Ängsten oder familiären Prägungen? Was bedeutet es, in einem fremden Land ein neues Leben aufzubauen? Zwischen Biografie, Essay und persönlicher Reflexion entfaltet sich ein vielschichtiger Dialog über Kunst, Sprache und Freiheit und darüber, welche Bedeutung diese Begriffe einst für Gertrude Stein hatten und heute für die Erzählerin gewinnen.

Levy erzählt all dies in einem leichten, feinsinnigen und immer wieder ironisch gebrochenen Ton. Ein Stil, der auf den ersten Blick kaum mit Gertrude Steins sperriger, experimenteller Prosa vereinbar scheint. Stein schrieb nicht, um verstanden zu werden. Gerade in der Irritation, im Widerstand gegen eindeutige Lesarten und im spielerischen Umgang mit Sprache lag für sie die eigentliche Freiheit des Schreibens. Ausgesprochene Leseempfehlung!

Das Cover zeigt einen Wandteppich der Künstlerin Leonora Carrington (1917–2011). Zu sehen sind zwei surreale, katzenartige Fabelwesen, eines hell, das andere dunkel, die sich vor einem hellgrauen Hintergrund gegenüberstehen. Der Einband ist in kräftigem Rot gestaltet, während Titel und Schrift in Weiß gehalten sind.

  • Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein
  • Deborah Levy
  • Aki Verlag
  • ISBN 9783311350330
  • 160 Seiten
  • Übersetzung von Marion Hertle
  • Erschienen am 15. Juli 2026

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