Literatur & Zeitgeschehen

Kategorie: Herzstücke (Seite 1 von 3)

> Was Demenz uns über die Liebe sagt < von Nicci Gerrard

Rezensionsexemplar – Unbezahlte Werbung

Gleich vorweg: Das ist eines der besten Bücher, wenn nicht sogar das beste Buch über ein zunehmend wichtiges Thema, um das Krankheitsbild Demenz.

Nicci Gerrard, schreibt mit ihrem Mann Sean French, Kriminalromane und Thriller. Dieses Buch, dass sie hier unter ihrem Klarnamen veröffentlichte, ist wohl ihr persönlichstes Buch. Denn darin sind ihre Erinnerungen an ihren Vater, der zehn Jahre an Demenz litt, beinhaltet. Doch auch andere Betroffene und ihre Angehörigen hat Nicci Gerrard besucht und begleitet. So entstand dieses sehr einfühlsame, fundierte und immens wichtige Buch.

Hier ein paar Textsplitter dazu:

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> Astragalus < von Albertine Sarrazin

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Dieses im Jahre 1965 erschiene französische Kultbuch, ist ganz unverblümt und lapidar ausgedrückt: > Der Hammer.<

Zum Inhalt: Die junge Anne, sie ist noch keine 20 Jahre alt, flüchtet aus einer Erziehungsanstalt. Der Sprung von der Gefängnismauer in die Freiheit bleibt nicht ohne schmerzhafte Folgen. Anne bricht sich den Astragalus, das Sprungbein.

>Ich krieche. Meine Ellbogen werden erdig, ich blute Schlamm, die Dornen durchbohren mich, es tut weh, aber ich muss weiter, vorwärts, wenigstens bis zum Licht da, ein Haus, das muss sie Straße sein….. < – Seite 10

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> Die Pflanzen und ihre Rechte < von Stefano Mancuso

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Dieses kleine, feine Sachbuch liest sich schockierender als jeder Psychothriller!

Nicht nur Menschen und Tiere, auch Pflanzen haben Rechte.

Der Botanik – Professor Stefano Mancuso hat hier in seinem Buch acht Artikel über die Pflanzenrechte sehr interessant und anschaulich verfasst. Es plädiert für eine zentrale Pflanzenpolitik und gegen die tierischen Hierarchien. Hier werden die Pflanzen verteidigt und gehuldigt, denn ohne sie wären wir verloren.

>Ohne Pflanzen gäbe es keine Tiere und wohlmöglich gar kein Leben auf der Erde. Auf jeden Fall jedoch sähe dieses vollkommen anders aus. Nur dank der von Pflanzen betriebenen Fotosynthese gibt es freien Sauerstoff in der Atmosphäre, und sie erzeugen die gesamte chemische Energie, die von uns Lebewesen verbraucht wir. Uns gibt es nur dank der Pflanzen und nur mit ihnen zusammen können wir weiter existieren. Darüber sollten wir uns immer im Klaren sein. < – Seite 13

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> Der kleine Prinz < von Antoine de Saint - Exupéry

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Heute am 29.Juni.2021 ist der Geburtstag von Antoine de Saint – Exupéry. Er wurde 1900 geboren und verstarb 1944. Durch ein Interview in >Der Zeit < mit dem Politiker Thomas de Maiziére fühlte ich mich ungemein angesprochen >Der kleine Prinz < nochmals zu lesen. Denn Herr de Maiziére hatte dieses Buch mehrmals gelesen und viele Weisheiten für die Politik entdeckt. Auf die Geschichte möchte ich nicht näher eingehen, sondern hier gerne für mich herausragende Textpassagen ( es gibt so viele )nennen:

Der kleine Prinz ist bei einem König angelangt, dieser freut sich nun endlich einen Untertan zu haben. Der kleine Prinz muss herzhaft gähnen, was ihm der König zuerst verbietet. Doch der kleine Prinz erklärt ihm, dass er gerade nicht anders könne und so befiehlt der König das Gähnen……………………………………

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> Menschenkind < von Toni Morrison #nobelprizeforliteraturewoman

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Menschenkind ist der 5. veröffentlichte Roman von Toni Morrison. Dieser Roman wurde 1988 mit dem Pulitzer – Preis ausgezeichnet. Hier eine Kurzbeschreibung:

Wir schreiben das Jahr 1873 in Cincinnati. Die ehemalige Sklavin Sethe lebt mit ihrer 18 jährigen Tochter Denver allein in einem Haus. Die beiden Söhne liefen von zu Hause fort. Sethe glaubt, dass der Geist des Hauses dafür verantwortlich ist. Sethe hat die Sklaverei am eigenen Körper erfahren. Auf der Flucht von der > Sweet Home < Plantage verlor sie ihre erste Tochter auf mysteriöse Weise. Den Tod hat sie bis heute nicht verwunden. Das Mädchen ist begraben, auf dem Grabstein steht > Menschenkind < geschrieben.

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> Dement, aber nicht bescheuert < von Michael Schmieder

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Für einen neuen Umgang mit Demenzkranken

< Die Würde des Menschen ist unantastbar! < Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes.

Worum geht es?
Demenzkranke wollen als Menschen wahrgenommen werden. Aber wir “Gesunden” können nicht ertragen, einen geliebten Angehörigen ins Vergessen gleiten zu sehen – wir therapieren, beschäftigen und medikamentieren, damit wir uns nicht hilflos fühlen. Doch hilft das den Dementen? Nein, im Gegenteil. Die Kranken möchten in ihrem So-Sein angenommen werden. Dafür plädiert Michael Schmieder, und dieses Konzept praktiziert er im Pflegeheim Sonnweid – mit beeindruckendem Erfolg.

Was ist besonders?
Michael Schmieder ist ein Mann der Praxis: Er lebt das, was er schreibt. Er nimmt die Demenzkranken und ihre Bedürfnisse ernst und behandelt jeden Kranken als Individuum. Die Dementen bestimmen die Bedingungen, unter denen sie leben möchten. Wenn das bedeutet, dass eine Patientin nur noch Torte isst und ein anderer am besten im Flur schläft, so ist das in Ordnung. Hauptsache, es geht den Patienten gut. Und das tut es: Sonnweid gilt als eines der besten Pflegeheime für Demenzkranke.( Quelle Ullstein)

< Der demente Mensch ist Staatsfeind Nummer eins in allen Altersheimen. Ein Anarchist, der Normen verweigert, sich querstellt, boykotiert, schreit und schweigt aus Gründen, die nur er kennt. Er ist schamlos, offen und zugleich verschlossen. Ein Störenfried, der sich nichts sagen lässt und das Chaos zur Norm erhebt. Er stellt neue Normen auf und verändert sie sekündlich.<

Fazit: Michael Schmieder nimmt sich hier in seinem Buch einer, seiner Herzensangelegenheit an. Demenziell erkrankten Menschen ihre Würde zu lassen. Er hat die Norm der vielen Krankenhäuser und Altersheimen, in seinem geführten Sonnweid, durchbrochen und maßgeblich verändert. Der Tagesablauf in vielen Pflegeeinrichtungen, richtet sich nicht nach den Bedürfnissen der Patienten und Bewohner, sondern zwingt ihnen die Bedingungen des jeweiligen Hauses auf, indem man sie wie Schachfiguren in einem vorgegebenen System positioniert. Die halbherzige Lösung, zu der sich einige Heime aufgerafft haben, besteht allerdings darin, wohngruppenähnliche Gebilde für zwanzig demente Patienten in zwanzig Einzelzimmer einzurichten. Solche Gruppen stoßen notgedrungen auf ihre Grenzen. Michael Schmieder ist ein Pionier in Sachen würdevoller Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Er weist sehr wohl machbare Wege auf, die eine spürbare Verbesserung in der Pflege und Betreuung ermöglichen. > Dement, aber nicht bescheuert < ist verständlich und leicht zu lesen. Zu der Thematik, ein sehr wichtiges Buch! Große Leseempfehlung!

Ullstein Buchverlage 7 ISBN: 9783548377100 / 219 Seiten

Michael Schmieder leitet das Heim Sonnweid, das als eine der besten Pflegeeinrichtungen für Demenzkranke weltweit gilt. Sein erklärtes Ziel ist es, den Patienten ihre Würde wiederzugeben.

Herr Siegel

Foto – Sabine Krass

An einem sonnigen Tag klopfe ich an die Zimmertüre von Herr Siegel, auf ein >Ja bitte< trete ich ein. Er liegt sehr verbogen auf seinem Bett. > Hallo Herr Siegel, ist alles in Ordnung?> Sein Mund verzieht sich und er antwortet> Ja, im Moment ist das meine angenehmste Lage.> und lacht. Erleichtert frage ich> Ich wollte sie zu einer kleinen Spazierfahrt abholen. Haben sie Zeit und Lust ?< Er lächelt < Jawohl gerne<.

Den Rollstuhl schiebend, machen wir uns auf in den nahegelegenen Stadtpark. Es ist kein leichtes Unterfangen, da Herr Siegel von seiner Parkinson – Erkrankung schwer beeinträchtigt ist. Er kann zeitweise weder sitzen, liegen oder gar gehen. Starke Schmerzen nehmen von jetzt auf nachher von ihm Besitz.

Im Stadtpark angekommen, suchen wir im Schatten einen Platz zum rasten. Wir finden ihn in der Nähe eines kleinen Baches. Beide lauschen wir den Geräuschen des Wassers zu. Herr Siegel erzählt mir von seinen Kindheitstagen in einem mir vertrauten Ort.> Wir waren ein paar Jungs die sich nach der Schule immer am Flußufer trafen, das war nach dem Krieg. Wir haben Lianenstengel geraucht. < Ich lache auf > Genau das haben wir auch gemacht!” ( Viele Jahre später ) Herr Siegel strahlt mich an und wir lachen gemeinsam. > Und dann kam da eines Tages ein Erwachsener dazu, der hatte den Krieg erlebt und zeigte uns, wie wir aus Holunderstengeln und Walnusshälften eine Pfeife bauen kann. Geraucht haben wir getrocknete Walnussblätter. Pfui war das ekelig! > Wir schauen gemeinsam in die Natur mit einem Lächeln im Gesicht.

< Herr Rudolf <

Als ich die Bürotüre öffne und in den Flur trete, steht Herr Rudolf dort und lächelt mich hoffnungsvoll an. Er steht mit den Händen an seinen Rollatorgriffen haltend da und versucht die Balance zu halten. Herr Rudolf hat Parkinson, er nimmt an den Gruppenaktivitäten nicht teil, er schämt sich. Die anderen Bewohner haben ihn ausgelacht und kritisiert, da er sehr zeitverzögert auf Fragen antworten kann. Jedoch sind seine Antworten stets intelligent und mit einer Brise Schalk gewürzt. Herr Rudolf bekommt Einzelbetreuung, zu zweit gehen wir auf die Dachterasse oder verweilen am großen Panoramafenster und plaudern. Herr Rudolf war beruflich erfolgreich und hat viel gemalt. Das gehört schon lange der Vergangenheit an.
Nun steht er vor mir, mit einem Lächeln und blickt dann auf das liegende Telefon auf seinem Rollator.
The same procedure as every time…….wir verstehen uns ohne Worte. Ich blicke auf meine Uhr, 17 Uhr ist es, gut dann könnte seine Tochter Susanne schon zu Hause sein.
Ich bitte ihn auf der Bank platz zu nehmen und wähle die Nummer an, beim Freizeichen reiche ich das Telefon an Herrn Rudolf weiter und entferne mich diskret. Ich höre ihn reden : ” Ja hier ist Papa………..”

< Karl <

Ich besuche Karl, einmal die Woche für zwei Stunden, in meiner Tätigkeit als Hospizbegleitung. Karl und ich, wir haben uns gleich sehr gut verstanden. In den zwei Stunden entlaste ich seine Frau Gerda, sie geht dann ins Hallenbad schwimmen. Karl und Gerda waren schon immer ein sehr reges und sportliches Paar. Schwimmen, wandern, walken und gerne auf Reisen. Das kann Karl seit fast 3 Jahren nicht mehr, er ist sehr schwer Herzkrank, alles strengt ihn immens an. Damit hadert er jetzt, dass er nicht mehr so kann wie er möchte, mit seinen fast 80 Jahren. Großgewachsen und ausgezehrt sitzt er neben mir in seinem Rollstuhl. Das Wohnzimmer scheint auf Anschlag beheizt. Doch Karl friert noch trotz der Decke über seinen Beinen. Er bittet mich den Heizlüfter zusätzlich einzuschalten, mir rollen die Schweißperlen den Nacken herunter. Karl sieht gerne fern, der Ton ist laut damit er auch etwas verstehen kann. Mittendrin unterhalten wir uns über sein Lieblingsthema: Autos. Er erzählt von seiner Lehrzeit, von seinen Fahrzeugen und seiner Leidenschaft, das Motorrad fahren. Bei seinen Erzählungen entstehen häufiger Lücken weil ihm die passenden Worte nicht einfallen möchten. Er entschuldigt sich oft. Ich erkläre ihm, das es keine Eile hätte, ich habe Zeit für ihn. Er stützt seinen Ellenbogen auf die Rollstuhllehne und neigt den Kopf auf seinen erhobenen Handrücken, er scheint zu überlegen. Nach ein paar Minuten, hebt er den Kopf und fragt > Ist das bei euch auch so?< ich warte auf eine weitere Ausführung. Karl nochmals > Ist das bei euch auch so ?> > Was genau < frage ich nach. > Ist das bei euch auch so, dass der Auspuff hinten ist < Ich gebe zu, ich bin im ersten Moment recht verblüfft über diese Frage. > Ja Karl, bei unserem Auto ist das auch so < Karl strahlt mich an. Ich mag ihn.

> Anna <

Ich klopfe drei Mal an die Zimmertüre von Anna B., sie wird mir nicht antworten, denn Anna B. redet kaum noch. Mal ein > Heija < oder ein > Jaja < mehr spricht sie nicht mehr. Anna B. ist 88 Jahre und lebt seit 8 Jahren in einem Altenpflegeheim. Die Demenz hat sie so sehr in Besitz genommen, dass ich sie an manchen Tagen nicht erreichen kann. Sie reagiert auf kein Wort, selbst die Geheimwaffe Musik besitzt dann keinerlei Wirkung. Ich trete in das Zimmer, ein Geruch von Urin fliegt mir entgegen. Leichte Übelkeit keimt bei mir hoch. Ich begrüße laut Anna B. und erkläre ihr, dass ich das Fenster kurz kippe. Sie antwortet mit > Jaja <. Das ist ein gutes Zeichen. Ich stelle mich wieder einmal mit Namen vor und nenne ihr den Wochentag und das Datum. Anna B. grinst und lacht, ihre Augen strahlen. Da muss man einfach mitlachen. Ihr Blick richtet sich geradeaus. Ein Familienbild, hängt in DinA 3 Größe, gerahmt an der Wand. Ich schaue mit und erwähne lobend und positiv die große Familie die sie hat. Auf dem Bild sind 14 Familienmitglieder zu sehen, Erwachsene und Kinder. Die Aufnahme dürfte schon ein paar Jahre alt sein. Zwei der Personen vom Bild habe ich selbst zwei – dreimal gesehen, die anderen sind mir gänzlich unbekannt.Ich stimme > Die Gedanken sind frei < an, Anna B. fängt zu lachen an und dreht den Kopf zu mir. Sie summt eine Melodie, ihre Melodie. Die Freude hat sie in Besitz genommen und wir beide machen einfach so weiter. Heute ist ein guter Tag, wir machen gemeinsam Musik.

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